Mannesmann Rexroth. KORDAK 850326 VT 6

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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OrgelArp
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Mannesmann Rexroth. KORDAK 850326 VT 6

Beitrag von OrgelArp »

Guten Tag,
ich habe seit einigen Jahren diesen gerahmten Druck bei mir rumfliegen und würde gerne in Erfahrung bringen, um was es sich dabei handelt.
Wie nennt man dieses Erzeugnis? Was ist die Bezeichnung?
Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses langjährige Rätsel gelöst würde.
Ferner möchte ich diesen "Druck" verkaufen.

PS: Ich habe in einem anderen Forum bereits den Hinweis bekommen, dass es sich definitiv um eine Art technischer Darstellung handeln muss, die also eher für Orgelbauer*innen anstatt für Orgelspieler*innen relevant ist. Leider bleibt die Absicht, die diesem Druck zugrunde liegt, nach wie vor im Dunkeln
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kernbeißer
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Registriert: Mittwoch 10. Januar 2018, 11:35
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Re: Mannesmann Rexroth. KORDAK 850326 VT 6

Beitrag von kernbeißer »

Andreas Werckmeister verbinde ich jetzt mal mit der Organistenstelle in Quedlinburg und mit dem von ihm entwickelten System der temperierten Stimmung, die es ermöglichen sollte "alle" Tonarten spiel-/hörbar zu machen. Der Titel "Das wohltemperierte Clavier" von Bach stammt nicht von ungefähr.

Näheres findet sich unter Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Werckmeister-Stimmung

Bei den Verlinkungen gamz unten sind Details zu den einzelnen Stimmungen zu finden, die vielleicht aufschlussreich für Dich sind sind.

Um die "Nachteile" einer mitteltönigen Stimmung (einige sehr reine Intervalle und dafür im Ausgleich andere sehr unrein) ausgleichen zu können wurden verschiedene Stimmungssysteme entwickelt, um mehr Tonarten spielbar zu machen und die unreinen Intervalle abzumildern und gleichmäßiger zu verteilen, allerdings auf Kosten der Reinheit der bisher rein gestimmten Intervalle, die dadurch einen Tick unreiner werden. Eines oder besser gesagt 4 gehen auf Andreas Werckmeister zurück. Andere auf Kirnberger, Valotti usw.

Sicher sind Fragen der Temperierung einer Stimmung auch für Organist*inn*en durchaus eine wichtige Themenstellung, da diese auf die Darstellbarkeit von Stücken und deren Gestaltung aus bestimmten Epochen der Tastenmusik einen wesentlichen Einfluss haben. So klingt z.B. ein Werk Frescobaldis auf einer mitteltönig gestimmten Orgel (bestimmte Intervalle sind dort absolut rein gestimmt, wo bei sich die Abweichungen innerhalb einer Oktave auf anderer Intervalle hörbar auswirken und das ganze bei diesen mehr oder weniger schräg oder verstimmt für unsere Ohren wirkt) viel lebendiger als auf einer gleichstufig gestimmten (bei der die Oktave in genau 12 im gleichen "Abstand" gestimmten Halbtöne geteilt wird), auf der diese Werke eher lasch wirken. Dagegen wird man Max Regers Orgelwerke auf solch einem Instrument nicht darstellen können.

Bewusst haben die Komponisten alter Musik, also bis hin zu Bach, diese Unreinheit bestimmter Intervalle und Akkorde stilistisch genutzt um, jetzt mal vereinfacht zu formulieren, die Auflösung in reine Akkorde zu überhöhen. Und das gilt es dann vom Organisten herauszuarbeiten.

Letztes Jahr konnte ich das wieder einmal in Tangermünde und mit Buxtehude auf der Scherer-Orgel von 1623/24 erleben. Einfach spannend.
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