Konstruktionsfehler beim Harmonium

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Ippenstein
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Konstruktionsfehler beim Harmonium

Beitrag von Ippenstein »

Und nun mal die Kehrseite der Medaille. In einem anderen Forum hatten wir es bereits einmal davon, daß auch mancher Hersteller Konstruktionen gebaut hat, die dann doch nicht so recht funktioniert hatten.

Mir sind bei meinen beiden Harmonien folgende Dinge aufgefallen:
Der große Ausgleichsbalg der Doppelexpression hat einen Reaktionsverzögerer eingebaut, der eine Aufbohrung zur Außenluft von 3 mm Durchmesser hat. Beim anderen Harmonium hatte dieser gefehlt und daher hatte die Konstruktion bei großem Druck "gezittert". Da ich also einen neuen Verzögerer einbauen musste, habe ich mich bis 5 mm Durchmesser hochgetastet. Die Reaktion von laut zu leise und umgekehrt ist dadurch viel besser und dennoch entstehen keine Vibrationen.

Die Vox Humana ist entweder zu schnell oder läuft manchmal gar nicht, wenn ich einen Begrenzer am Lufteinlaß einbaue. Dieser sorgt auch dafür, daß die Ansauglautstärke sehr groß ist. Ob es besser ist, wenn man diesen Begrenzer unterhalb der Vox Humana einfügt?

Generell sind die Instrumente halb zerlegt sehr laut. Erst durch das Einbauen ins Gehäuse werden sie auf Salonlautstärke reduziert. Das ist sehr schade, da man ansonsten noch mehr Dynamik hätte.

Bei Lindholm wurde für den Expressionszug zwei Luftwege eingebaut, die durch Klappen verschlossen werden. Einmal der normale Weg von den Saugern über den Magazinbalg in die Windlade und einmal direkt von den Saugern in die Windlade. Die Verschlußklappen arbeiten zumindest im Alter nicht mehr zuverlässig, wenn sie sich verzogen haben. Einfacher wäre es gewesen, nur den Weg von den Saugern direkt in die Windlade zu gehen und mit einer zweiten Klappe den Magazinbalg an die Windlade zu koppeln (also den Weg von den Saugern in den Magazinbalg gar nicht erst zu ermöglichen, sondern nur über den Umweg über die Windlade).
Christian_Hofmann
Beiträge: 8
Registriert: Montag 6. Juli 2020, 18:42

Re: Konstruktionsfehler beim Harmonium

Beitrag von Christian_Hofmann »

Im großen und ganzen stimme ich dir zu, bzw. kenne die einzelnen Instrumente nicht gut genug, aber
Ippenstein hat geschrieben: Mittwoch 4. März 2020, 22:26 Generell sind die Instrumente halb zerlegt sehr laut. Erst durch das Einbauen ins Gehäuse werden sie auf Salonlautstärke reduziert. Das ist sehr schade, da man ansonsten noch mehr Dynamik hätte.
Der Punkt trifft nicht auf alle Instrumente zu. Ich habe hier ein Harmonium aus der Harmoniumfabrik Bongardt & Herfurth KG. Wiehe / Unstruttal, Baujahr 1870. Dieses ist zerlegt eher mäßig Laut und bekommt erst durch das Gehäuse seinen vollen und lauten Klang. Dazu muss ich sagen das es ja diverse Harmonium Arten gibt. Das Harmonium für Zuhause soll ja nicht so laut sein, daher macht es Sinn weniger Druck und andere Gehäuse zu bauen die einen Einsatz Zuhause besser und Nachbarschaftsfreundlicher machen. Bei einem Harmonium das für den Kircheneinsatz gebaut wurde ist wiederum eine hohe Lautstärke gewünscht damit der Kirchenraum angemessen beschallt werden kann. Ich habe bei meinem auch zwischen den Balg ein zusätzliches Ventil als eine Art Lautstärkeregler gesetzt damit ich es Zuhause spielen kann ohne ganze Straßenzüge zu beschallen.

Wobei die Saugwind Geräte eher einen schlechteren Klang und auch geringere Bandbreite haben als Druckwind. Da hier der Ton ja nach innen geht, während bei einem Druckwind der Ton nach außen geleitet wird. Ich persönlich hätte auch sehr gerne ein Druckwindtierchen, aber leider sind die kaum noch zu bekommen.
Ippenstein hat geschrieben: Mittwoch 4. März 2020, 22:26 Der große Ausgleichsbalg der Doppelexpression hat einen Reaktionsverzögerer eingebaut, der eine Aufbohrung zur Außenluft von 3 mm Durchmesser hat. Beim anderen Harmonium hatte dieser gefehlt und daher hatte die Konstruktion bei großem Druck "gezittert". Da ich also einen neuen Verzögerer einbauen musste, habe ich mich bis 5 mm Durchmesser hochgetastet. Die Reaktion von laut zu leise und umgekehrt ist dadurch viel besser und dennoch entstehen keine Vibrationen.
Ich habe die Erfahrung gemacht das man bei einem Harmonium eher keinen so hohen Druck aufbauen sollte. Gerade so viel das die Töne die gewünschte Lautstärke haben und man bekommt ein Gefühl dafür dann so sauber zu spielen. Einige Instrumente haben ja kein Ventil für einen Überdruck oder Unterdruck und wenn man mit diesen Pumpt wie ein wahnsinniger, dann kann man da schnell den Balg kaputt machen. Ich persönlich habe viele Wochen gebraucht bis ich das Gefühl dafür hatte den idealen Druck zu halten. Wobei ich es bevorzuge ständig mit der Lautstärke auch zu spielen.
Ippenstein
Beiträge: 530
Registriert: Montag 3. August 2009, 15:23

Re: Konstruktionsfehler beim Harmonium

Beitrag von Ippenstein »

Es macht aber keinen Unterschied für den Ton, ob die Luft hineingesaugt oder ausgestoßen wird. Beim Akkordeon sind beide Richtungen vorhanden und es ist klanglich kein Unterschied.

Beim Saugwindharmonium wird die Lautstärke vor allem über die Größe der Kanzellen (Kanzellenöffnungen) gesteuert. Die leisen Streicher haben sehr kleine Kanzellenöffnungen, weshalb der Klang gar nicht so raus kann wie bspw. bei der Oboe und der Schalmei, die die Kanzelle nur weiter öffnet.
Oder die Fortekästen, die die Lautstärke ebenfalls dämpfen.

Bei meinem Harmonium ist ebenfalls ein Überdruckventil, jedoch kommt das ja nicht zum Einsatz, wenn ich den Magazinbalg ausschalte. Ich muß also selbst wissen, wie stark ich pumpen kann, bis ich das System überlaste.

Druckwind sind eine feine Sache, aber die Saugwind sind auch nicht ohne und auf ihre Weise schön.
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