Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

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stummorgel
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Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von stummorgel » Mittwoch 30. Oktober 2013, 01:58

Thomas Drescher hat sich unter anderem noch viel mehr Verdienste in Mainz erworben.
Ich kenne ihn persönlich als äußerst versierten Dozenten im Bereich Chorleitung!
Das Mainzer kirchenmusikalische Institut ist eines der besten, die es in der Republik gibt, da ist das Trierer leider eher
unterirdisch,... wahrscheinlich auch wegen des Geldes, das das Bistum investiert.
Auf jeden Fall ist im Bistum Mainz einiges los, seitdem Musiker halbwegs anständig entlohnt werden!

stummorgel
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Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von stummorgel » Mittwoch 30. Oktober 2013, 08:02

Vielleicht noch ein kleiner Nachschub:

Im Bistum Trier ist es so, daß, wenn man auf Stundenbasis abrechnet, also keinen Vertrag mit einer Gemeinde hat,
der Stundenzettel bis zum 5ten des Folgemonats bei der jeweiligen Rendantur sein muß, damit man am Ende auch sein Geld erhält.
Das bedeutet, wenn man seinen Zettel brav ausgefüllt am 1. des Folgemonats beim Pfarramt abgibt, der Pfarrer aber nicht fähig ist, seine Unterschrift darunter
zu setzen, weil er keine Zeit, weg oder sonst wie beschäftigt ist, und somit den 5ten des Monats verpaßt, dann gibt es am Ende auch kein Geld.
So bei mir in aller Regelmäßigkeit.
Einmal habe ich im Dezember eine Nachzahlung für den August bekommen!

Aber man gewöhnt sich ja an alles.
Und meckert man, heißt es gleich, es würde einen ja niemand festhalten, "es seien schon andere, den was nicht gepaßt hätte, nach Amerika ausgewandert" (O-Ton unseres Pfarrers auf eine Beschwerde meinerseits...)

Solcena
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Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von Solcena » Mittwoch 30. Oktober 2013, 10:57

stummorgel hat geschrieben: (...) wenn man seinen Zettel brav ausgefüllt am 1. des Folgemonats beim Pfarramt abgibt, der Pfarrer aber nicht fähig ist, seine Unterschrift darunter
zu setzen, weil er keine Zeit, weg oder sonst wie beschäftigt ist, und somit den 5ten des Monats verpaßt, dann gibt es am Ende auch kein Geld.
Am Ende schon, aber nicht im Folgemonat.

Das ist natürlich ärgerlich, aber wer einmal in der Lohnbuchhaltung gearbeitet hat, weiß, dass die Löhne an einem bestimmten Tag "laufen", d.h. abgerufen werden. Nur fünf Tage zur Einreichung des Stundennachweises ist natürlich schon arg knapp... wobei ich das schon früher mache, wenn ich z.B. weiß, dass ich in der betroffenen Kirche nur am 20. einen Gottesdienst spiele, reiche ich den Zettel schon vorher ein.

Da der überwiegende Teil der Nebenamtler zum Überleben nicht unbedingt auf die paar Euro angewiesen ist (sonst sollte man sich eher eine feste Stelle suchen), denke ich, dass man mit der Verzögerung leben kann.

Sind wie froh, dass die Sätze im Bistum Trier 2009 wenigstens auf dieses Niveau angehoben worden sind.

Das Statement vom Pastor ist natürlich ziemlich unnötig.

Viele Grüße
Solcena
Zuletzt geändert von Solcena am Mittwoch 30. Oktober 2013, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.

Solcena
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Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von Solcena » Mittwoch 30. Oktober 2013, 15:11

stummorgel hat geschrieben: Das Mainzer kirchenmusikalische Institut ist eines der besten, die es in der Republik gibt, da ist das Trierer leider eher
unterirdisch,... wahrscheinlich auch wegen des Geldes, das das Bistum investiert.
Holla, dieses Statement ist mir ganz entgangen. :shock:

Die unbestrittene Qualität der Mainzer Dommusik in allen Ehren, aber ich weiß nicht, worauf du deine persönliche Einschätzung basierst, so eine Meinung hier zu vertreten. Es wäre aber interessant, das zu erfahren, wenn du hier schon so eine - für die in Trier durchaus engagierten Beteiligten mehr oder weniger diffamierende - Pauschalaussage vom Stapel lässt.

Auf jeden Fall bin ich der Meinung, eine gute C-Ausbildung in Trier bekommen zu haben, ob beim Domkapellmeister in Chorleitung, den Regionalkantoren und sonstigen Dozenten.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass in anderen Bistümern noch wesentlich stärker an Hauptamtlichen gespart wird, wenn ich mir die Regional- und Dekanatskantoren hier im Bistum Trier anschaue.

Über den Stellenwert, den die Bistumsleitung der Kirchenmusik einräumt, gibt nicht zuletzt der Neubau des Chorhauses am Dom Auskunft.

Viele Grüße und nichts für ungut,
Solcena

stummorgel
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Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von stummorgel » Mittwoch 30. Oktober 2013, 15:59

Hallo, Solcena!

Das "unterirdisch" nehme ich mal zurück, ich bezog das weniger auf die Qualität der Ausbildung als mehr auf die Kosten für eine Teilnahme an C-Ausbildung etc.
Die sind in Mainz gut um die Hälfte günstiger!
Auch hat Mainz teils super Dozenten!
Das hängt aber auch mit der Bezahlung der Kirchenmusiker in beiden Diözesen zusammen.
Damit wären wir wieder beim Thema....

Ronald Henrici
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Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von Ronald Henrici » Dienstag 5. November 2013, 21:42

Gratulation an Holger in meiner fast unmittelbaren Nachbarschaft, wenn er selbst auch noch den Idealismus eines Sargträgers hat.
Ich erlebte die Sargträger früher seit meinem 11. Lebensjahr auf dem Westfriedhof in Köln, und jetzt in den letzten Wochen einige Male sehr würdigend positiv !!
Sie würdigten das begleitende Orgelspiel beim Heraustragen des Sarges aus Kirche oder Trauerhalle mit Achtung , und zwar - wie kürzlich überraschend geschehen - mit der Einladung des Organisten ins nächste Cafe zu Kaffee und Kuchen in "ihrer Runde".
Ich war darüber sehr überrascht und perplex, zumal von Seiten der Angehörigen der Verstorbenen keinerlei Reaktion erfolgte, obwohl ich nach ihren Wünschen einige Orgeldarbietungen professionell von Bach und Reger spielte...
So ist das Leben eben...Nur nicht aufgeben !!
Gruß besonders an Holger !
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

Holger

Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von Holger » Mittwoch 6. November 2013, 06:26

So viel ich weiß, zahlen auch bei uns die "Wiaschtgläubigen" (=ev. bzw. ref.) mehr wie die katholischen. Sogar deutlich mehr.

Aber absolute und genaue Zahlen der württ. ev. Kirche kann ich nicht nennen, genauso wenig wie die des Bistums Rottenburg/Stuttgart.

Und bei Beerdigungen läuft das ganze ja nicht als "Kirchendienst" sondern wird über den Bestatter abgewickelt, da gibt es auch etwas mehr Gage.

Ganz interessant ist, wie es da in Stuttgart oder Reutlingen abläuft mit der musikalischen Umrahmung solcher Anlässe: Das wird richtig professionell organisiert und es gibt wirklich gute Organisten und Musiker, die das ganze dann auch würdig umrahmen und auf die Wünsche der Hinterbliebenen eingehen. Das sind z.T. Profi-Organisten, die nicht im Dienst der Kirche wirken, sondern ausschließlich diese Feiern betreuen.

Trotzdem ist es auf dem Land teilweise recht schwierig jemanden für die Orgel zu finden, der Zeit hat. Die morgentliche Landflucht der arbeitenden Bevölkerung. So ist das auch mit den "Sargträgern" und dem Bestattungswesen.

@Ronald -> Danke für deine aufmunternden Worte! Mein Neben-Arbeitgeber versucht händeringend Leute zu bekommen. Für das Sargtragen hat er nun einen Jüngeren zusätzlich gewinnen können. Für Wochenddienste, Dienste direkt am Kunden, konnte er niemanden finden. Klaro keiner will mit dem Tod oder dem Toten umgehen. Vielleicht gehört eine gewisse Portion Idealismus dazu und jeden kann man da auch nicht nehmen - ein bisschen Einfühlungsvermögen, Takt und angemessenes Verhalten muss man in einer solchen Ausnahmesituation für die Angehörigen mitbringen.

Ronald Henrici
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Re: Vergütung nebenamtlicher Organistentätigkeit

Beitrag von Ronald Henrici » Donnerstag 7. November 2013, 19:51

Auf evangelischer Seite ist die Vergütung keineswegs einheitlich geregelt, besonders für die nebenamtlichen Musiker, die Vertretungsdienste versehen, und das sogar in unseren Landen sehr umfangreich. Aber nach dem Stand von 2013 kommt man beim Durchschnitt aller Gottesdienste und Amtshandlungen (wenn diese von den Gemeinden bezahlt werden !) durchaus auf 25,00 € pro Einsatz.
Im Grunde aber zu wenig, wenn man mit der Ausbildung Volksschullehrer mit dem Fach Musikunterricht kompetent und mit Begeisterung den Dienst versieht.
Anders ist es bei städtischen und staatlichen Stellen, die es ja auch gibt (z.B. im Rheinland), wo der Satz für Lehrende an Volkshochschulen (zuletzt 2005 mit 35 - 40 € pro Einsatz von einer Stunde) selbstverständlich angewendet wurde. Vergleicht man dies mit einer Unterrichtsstunde eines Musiklehrers an einer Sonderschule (das ist meine Erfahrung), dann ist der Einsatz als Organist, der die Ausbildungs - Voraussetzungen des Volksschullehrers an der Sonderschule besitzt, im Gottesdienst immer noch zu wenig der Würdigung des Könnens.
Aber das hält nicht von dem überzeugten und engagierten sehr gern kompetent auszuführenden Organistendienst/Chorleiterdienst in Gottesdienst und Kirche ab.
Mit meinem Statement möchte ich durchaus nachdrücklich für die nebenamtlichen Kirchenmusiker ermunternd eintreten. Denn ohne diese geht vielerorts manches "den Bach hinunter", was die Kirchengemeinden in Ausgestaltung der Gottesdienste gern hören und miterleben möchten und auch von der Ausstattung mit Instrumenten her gesehen und gehört würdigen. Denn die Instrumente möchten ordentlich gespielt werden und nicht nur "so herumstehen"!!
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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