Ernüchterung? Neustart? Fehlstart? Wie geht es weiter?

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Ernüchterung? Neustart? Fehlstart? Wie geht es weiter?

Beitrag von Administrator »

Liebe Forenleser- und schreiber,

ein Auszug aus unserem heutigen Newsletter:
... ich schaue aus dem Fenster, sehe Schnee, Regen und Eis. Nach einem prachtvollen Sonnenaufgang ein etwas ernüchterndes Wetter. Ernüchternd. Das passt. Könnte eigentlich das "Wort des Jahres" werden. Weiterhin Lockdown. Kultur am Boden. "Instrument des Jahres" ohne Besucherandrang. Wirklich ernüchternd.

Ernüchtern bedeutet laut dem Duden: "von einer rauschhaften Vorstellung oder Einbildung befreien; jemandem seine Illusionen nehmen"

Hat uns das Virus auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und deutlich gemacht, dass unsere heile Kulturwelt gar nicht so heile ist? Dass wir alle als Einzelkämpfer nur um Besucher, Gagen und volle Häuser gebuhlt haben, aber eigentlich nichts wirklich Existenzielles geschaffen haben? Denn wenn dem so wäre, dann müssten doch die Menschen alle nun aufstehen und für die Kultur kämpfen. Weil sie ihnen fehlt. Weil ohne Kultur Herz und Leben leer bleiben.
Dass die Kulturschaffenden nun um ihre Existenz kämpfen, um ihre Gelder und Veranstaltungsorte, das ist klar. Das macht aber der Einzelhandel auch.

Ich habe das Gefühl, dass wir nicht in erster Linie darum bemüht sein sollten, endlich wieder Kulturräume zu öffnen und die Besucher anzulocken. Sondern dass es eher Zeit wird, gemeinsam unsere Kultur zu überdenken, sie wieder mit Sinn zu füllen und ihr wieder eine Daseinsberechtigung zu geben.

Dazu bietet dies Jahr gerade für Organisten, Kirchenmusiker und Orgelfreunde gute Möglichkeiten. Die Kirchen sind an vielen Orten geschlossen. Aber die Musiker können sich austauschen, gemeinsam nach Wegen für eine tiefgehende Musikbeziehung suchen. Sich gemeinsam weiterbilden. Bleiben wir weiterhin Einzelkämpfer, gehen wir unter. So wie wir auch das Virus nur in einer globalen Zusammenarbeit wirklich in den Griff bekommen können.

Ich will versuchen, in nächster Zeit noch einige Gedanken dazu niederzuschreiben, mich würde aber Eure Meinung dazu interessieren. Wie seht Ihr die Situation?
Herzliche Grüße

Daniel
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Re: Ernüchterung? Neustart? Fehlstart? Wie geht es weiter?

Beitrag von Administrator »

Interessant zu lesen: https://www.kulturrat.de/themen/texte-z ... pdate-701+

Eine Selbst-Überschätzung der Kulturszene?
Vielleicht ist die Kultur gar nicht so relevant, wie wir gerne denken. Sondern eher, wie es im o.g. Artikel steht, "nur" eine Freizeitaktivität?
Ist unsere angeblich so hochwertvolle Kultur gar nicht systemrelevant? Gar nicht bildend? Gar nicht so notwendig?
Fehlt ihr Inhalt? Geisteskraft? Aussagekraft?

Wie ist Eure/Ihre Meinung?
Herzliche Grüße

Daniel
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calymne
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Re: Ernüchterung? Neustart? Fehlstart? Wie geht es weiter?

Beitrag von calymne »

Administrator hat geschrieben: Freitag 19. Februar 2021, 12:27 Ist unsere angeblich so hochwertvolle Kultur gar nicht systemrelevant?
Natürlich ist sie das nicht.
Zum Überleben braucht es keine Kultur.
Ich würde vermuten, die Höhlenmenschen haben auch erst mit gefülltem Magen mit Farbe an die Wände gemalt. Kultur kommt erst als Bonus dazu, wenn das Überleben gesichert ist und dann noch Einkommen genug da ist, sich den Eintritt für diese Dinge leisten zu können. Und natürlich muss irgendwo ein Grundstein an Interesse gelegt worden sein, ob durch Eltern, Schule oder ...

Sage ich. Und das sehr leicht, da ich nie ein großer Museums- oder Theatergänger war. Ich mag einzelne Künstler, war also in deren Ausstellungen soweit erreichbar, einzelne Opern, die ich mir auch angesehen habe. Konzerte ebenso. Ich gehe dahin, wenn es mich interessiert. Ich bin aber nicht der Typ für ein Theaterabo, egal was läuft. Ich gehe dann lieber ins Deutsche Museum in die Technikabteilung, einen Botanischen Garten, eine Kirche um mir die Orgel anzuhören oder sonstiges, was meinen Interessen eben entgegen kommt.
Das ganze aber auch sicher nicht, solange ich dabei eine Maske tragen muss.
Ich würde behaupten, so handhabt das ein Großteil der "Allgemeinheit".

Natürlich gibts auch andere Menschen, wie den - Klischeeschublade auf - hungernden Künstler, der lieber sein Geld für Farbe und Pinsel ausgibt, als fürs Brot - Klischeeschublade zu.

Es wird uns ja aber auch von Klein an ausgetrieben, siehe die Geschichte von der Grille, die den ganzen Sommer Geige spielt, anstatt sich um ihren Wintervorrat zu kümmern.

Und wir wollen in erster Linie wohl (fast) alle unseren Alltag wieder haben. Die normalen Aktivitäten, die man einfach machen kann, wenn einem danach ist, ohne Termin oder Test. Einkaufen, Schwimmen, Sauna, Fitness, in den Zoo und ja, auch mal ins Museum.
Wenn es regnen wird, fängt es mit ein paar Tropfen an.
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