Gunther Rost in St. Lambertus, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Gunther Rost in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer »

Hallo Forum,

Internationale Orgelkonzerte in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt. 01.07.2019, Juli-Konzert mit Prof. Gunther Rost, Graz.

Am Anfang stand eines jener offenbar unvermeidlichen Pseudo-Bach-Konzerte; hier BWV 593 (Vivaldi). Wie immer Tirilieren auf der E-Saite, zahllose Sequenzen, Oktavparallelen - zum Gähnen langweilig. Das Adagio war so langsam, daß die Musik stehenzubleiben drohte.

Wer geglaubt hatte, Rost hätte dieses Stück zum Warmspielen (hat er gewiß nicht nötig!) oder zur Zeitfüllung (Programm war auch ohne lang genug) gespielt, wurde im Verlauf des Programms eines anderen belehrt. Denn Rost faßte auch die Triosonate G-Dur BWV 530 und Praeludium und Fuge D-Dur BWV 532 als „italienisches Konzert“ auf.

Zunächst aber ging Rost in die klassische Moderne und entwickelte aus einem dichten, düsteren Kern eine große Steigerung mit lichtem Abschluß: Mysterium aus Faust von Petr Eben.

Dann folgte merkwürdig füllig, ja klebrig registriert Mendelssohns dritte Sonate. Auch das Andante tranquillo war kaum durchsichtiger. Und fehlte nicht die Wiederholung?

Nun also BWV 530. Die schnellen Sätze fast ohne Legato: Hier verließ sich Rost offenbar ganz auf die Akustik, die es schon richten würde. Das klang, als wenn das Ganze für Pedalflügel geschrieben wäre. Im ersten Satz waren zudem die Oberstimmen klanglich kaum abgesetzt. Im Lento war es gesanglicher; hier dirigierte sich Rost mit der linken Hand zunächst selbst, bis diese gebraucht wurde. Nur bei den Schlüssen gab es im Ritardando dann Legatospiel. Sehr eigentümlich und ganz gewiß nicht nach meinem Geschmack.

Die „Walpurgisnacht“, ebenfalls aus Ebens Faust, bot dann verschiedene, verfremdete Tänze, was an La Valse von Ravel erinnerte. Das war schon gut gemacht. Das zum Teil heftige Treiben endet in einem großen Pedalsolo mit dem Zitat von „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. Sehr eindrucksvoll.

Und programmdramaturgisch wunderbar gemacht war dann der Anschluß von BWV 687 zum gleichen Choral. Hier gab es Ruhe und schönes Legato.

Hektisch und nicht ganz sicher begann der Abschluß des Konzerts, BWV 532. Fast zappelig geriet die Fuge. Mir fehlte da schlicht Disziplin. So hingehuscht macht das keine Freude.

So richtig gemerkt hat wohl kaum einer, als Schluß war; zunächst rührte niemand eine Hand. Dann freilich gab es doch deutlichen Beifall der etwa 80 Hörer. Rost ließ sich nicht lange bitten und gab sofort ein Flötenuhrstück zu.

Gruß Clemens Schäfer
Zuletzt geändert von Clemens Schäfer am Dienstag 2. Juli 2019, 13:17, insgesamt 1-mal geändert.
kernspalter
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Re: Günther Rost in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von kernspalter »

Clemens Schäfer hat geschrieben: Dienstag 2. Juli 2019, 11:11Denn Rost faßte auch die Triosonate G-Dur BWV 530 und Praeludium und Fuge D-Dur BWV 532 als „italienisches Konzert“ auf.
Womit er im Fall der Triosonate sicher recht hat. Praeludium und Fuge D-Dur leiten sich dagegen von der mehrteiligen Toccata ab.
Inwiefern war die Auffassung als „italienisches Konzert“ jeweils interpretatorisch zu erkennen?
Mit kernspalterischen Grüßen
Clemens Schäfer
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Re: Gunther Rost in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer »

Hallo kernspalter,

mit "italienischen Konzert" - bewußt in Anführungszeichen gesetzt - hatte ich nicht die Tempofolge Schnell-Langsam-Schnell genmeint; so ist die Triosonata in der Tat ein i.K..

Ich dachte vielmehr an die Vielzahl meist für Violine geschriebenen Konzerte von Vivaldi & Co., die einen leichten, Virtuosität betonenden Stil aufweisen. Sorry, wenn das nicht klar geworden ist.

Gruß Clemens Schäfer
kernspalter
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Re: Gunther Rost in St. Lambertus, D-Altstadt

Beitrag von kernspalter »

Clemens Schäfer hat geschrieben: Dienstag 2. Juli 2019, 12:56mit "italienischen Konzert" - bewußt in Anführungszeichen gesetzt - hatte ich nicht die Tempofolge Schnell-Langsam-Schnell genmeint
Ich auch nicht. Gerade innerhalb der Ecksätze gestaltet Bach die Musik sehr nach Concerto-Vorbildern - bis hin zum Unisono des ersten Themeneinsatzes.
Mit kernspalterischen Grüßen
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