Mari Fukumoto i. d. Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Mari Fukumoto i. d. Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer »

Hallo Forum,

Mari Fukumoto wurde 1987 in Tokio geboren, studierte in Tokio und Hamburg, und machte das Konzertexamen 2016 (Einzelheiten hier). Im 5. Konzert des 15. Oberkasseler Orgelfrühlings in der Auferstehungskirche, Düsseldorf-Oberkassel bot sie ein abwechslungsreiches Programm.

Es ging los mit Buxtehude, Praeludium C-Dur BuxWV 137. Schon das Pedalsolo ließ aufhorchen; was würde folgen? Fukumoto nahm die Hörer mit und ließ sie nicht mehr los. Gerne folgte man durch die unterschiedlichen Abschnitte bis in den geradezu theatralischen Schluß. Dabei sehr geschmackvoll und passend registriert.

Auch Tunder „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“ war spannend. Zuerst mit coloriertem cf im Sopran, dann eine Art Kadenz mit mutigen chromatischen Durchgängen, schließlich das Thema im Baß. Fein gemacht.

Einmal bei Pfingsten, folgte nun „Communion“ aus der Messe de la Pentecôte von Messiaen - die Klangfarben bestens ausgetüftelt.

Sehr schön auch Hindemith, zweite Orgelsonate. Im Grunde schlicht, dennoch lebhaft der erste Satz. Der Mittelsatz „Ruhig bewegt“ etwas zurückhaltend, die Schlußfuge „Mäßig bewegt, heiter“ war freundlich und der Welt zugewandt. Das Ganze hatte so garnichts bürgerschreckliches. Heutzutage klingt Hindemith fast harmlos.

Bei den Variationen über ein Thema von Clément Jannequin (Alain) nahm sich Fukumoto Zeit. Hier zeigte sich erneut ihr Sinn für klangliche Rafinesse. Das war vom Feinsten.

So hatte sie sich allmählich zum Höhepunkt des Konzerts vorgearbeitet, sie hatte sich und den Hörern ein Fundament gelegt, auf dem nun noch ein gewaltiger Bau erstehen konnte: „Halleluja, Gott zu loben bleibet meine Seelenfreud!“ (Reger, op. 52 Nr. 3). Ganz wunderbar, wie souverän Fukumoto durch dieses Werk schritt. Die wilden Passagen blieben immer durchhörbar, die ruhigen waren von klanglicher Delikatesse. Der Choral war immer präsent Und als am Ende der schier endlose Vorhalt äußerst schmerzvoll ausgekostet ward, kam genau im Schlußakkord die Erlösung. Fukumoto wußte die Spannungsbögen zu bauen. Sie waren kühn und hielten. Bravo.

Daß die über 90 Hörer sofort heftig applaudierten, verstand sich von selbst. Fukumoto hatte die passende Zugabe parat. Nach dem großen Reger durfte es kein Leichtgewicht sein, auch ein Virtuosenstück verbat sich: Sie spielte das Ave Maria von Arcadelt von Franz Liszt. So fein, so gut gegeneinander abgesetzt, habe ich es noch nie gehört. Da wurde spätestens klar, wie intensiv sie sich mit der Sauer-Orgel auseinandergesetzt hatte.

Die sympathische Künstlerin stellte sich ungezwungen nachher dem Gespräch an der Konsole, der norddeutschen Orgellandschaft wegen habe sie in Deutschland Hamburg als Studienort gewählt, sie liebe insbesondere aber auch Reger. Beim Stichwort Karg-Elert reagierte sie etwas zurückhaltend. Nach der Vorbereitung dieses Konzerts gefragt, sagte sie, sie sei am Montag angereist, habe Dienstag den ganzen Tag vorprogrammiert (über 200 Setzer), und am Konzerttag noch „etwas“ geübt.

Gruß Clemens Schäfer

P.S.

31.05.2019, 19:30h, St. Antonius, D-Oberkassel, Paolo Oreni (Mailand): Mozart KV 546 (Guillou), Liszt Ad nos, Dupré op.37 (Allegro deciso), Oreni Improvisation über gegebene Themen des Publikums

03.06.2019, 19:30h, St. Lambertus, D-Altstadt, Prof. Stefan Schmidt (Würzburg)

05.06.2019, 18:30h, Auferstehungskirche, D-Oberkassel, Thorsten Göbel (Kantor dortselbst): Mussorgski (aus B.e.A.), Bonnet (Elfen), Duruflé (op. 5
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