Ingrid Kasper in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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Ingrid Kasper in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer »

Hallo Forum,

am 1. Mai startete in der Auferstehungskirche zu Düsseldorf-Oberkassel der 15. Oberkasseler Orgelfrühling. Es spielte Ingrid Kasper (Bamberg, Stephanskirche).

Das Programm wurde eingerahmt durch zwei duftige, gut durchhörbare, also fein registrierte Improvisationen, die sich auf die Liedlänge beschränkten.

Der Bach, BWV 572, war eine kleine Sensation. Es mag hier schon bekannt sein, daß ich dieses Stück sehr mag. Was Kasper hier bot, bereicherte meine Erfahrung mit diesem Stück sehr: Das très vitement war wirklich sehr lebhaft, dabei schlank registriert und hoch präzise. Das Grave geriet relativ schnell. Die opulente Registrierung vertrug allerdings auch keine träge Gangart. So wurde Grave als „schwer = bedeutend“ interpretiert. Immer wieder hinreißend dieses große Wogen in den Harmonien; man glaubt einen Blick in die Ewigkeit zu tun. Dann die große Überraschung, die mich zum Wort Sensation verleitet hat: Das Lentement ging ohne Registerwechsel weiter! Das habe ich noch nie erlebt. Üblicherweise wird der Schluß analog zum Anfang klanglich stark ausgedünnt. Hier aber erlebte man weiter ein fast volles Werk, als käme das Brausen des Heiligen Geistes hinzu. Phänomenal!

Die nächsten fünf Stücke waren leichterer Natur. Sehr ansprechend und klanglich passend gemacht Primel, Sarabande und Nachtigall von Fitzwilliam. Aufhorchen ließ Speth mit seinem Blumenfeld. Das programmatische konnte ich hier zwar nicht so recht ausmachen; interessant aber die Gegensätze des vollgriffigen Beginns, des lyrischen Mittelteils und des wieder mächtigen Schlusses. Der Kuckuck von Händel gehört zu den bekannten Naurvertonungen.

Nun also Guilmant, erste Sonate d-moll op. 42. Der Eingangssatz Introduction et Allegro kam als großer Wurf; beeindruckend die Pedalsoli. Die Pastorale ward feinsinnig gesponnen. Immer wieder rankte sich die Melodie empor. Man mußte unwillkürlich an Zeitrafferaufnahmen sich entfaltender Blüten denken.. Groß auch das Finale - Schluß mit Zimbelstern!

Riesiger Gegensatz, Abschied vom Pomp des 19. Jahrhunderts und neue Bescheidenheit bei Rückbesinnung auf das Einfache: Alains hängende Gärten. Da paßte dann die ebenfalls im besten Sinne schlichte Schlußimprovisation gut.

Ein wunderbares Konzert, Lebhafter, anhaltender Beifall der über 110 Besucher, Zugabe Brahms, Guten Abend, gute Nacht.

Gruß Clemens Schäfer

nächstes Konzert: 8. Mai, 18:30h, Edyta Müller (Ponitz-Gößnitz) - Bruhns, Bach, Müller, Franck
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