Ideales Orgelspiel?

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SLausW
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Registriert: Montag 22. November 2021, 21:52

Ideales Orgelspiel?

Beitrag von SLausW »

Hallo Zusammen,

im Vorstellungsthread hatte ich es schon geschrieben. Ich habe einige Jahre Klavier gespielt und bin jetzt 2020 auf die Orgel umgestiegen.
In Chorälen greife ich derzeit drei Stimmen mit der rechten Hand, eine Stimme mit links und Bass im Pedal.
Der Kantor hier im Ort gab mir den Tipp, mich bald mit dem Idealbild zu beschäftigen. Auf meinen ungläubigen Blick verwies er auf das Orgelbuch zum Gotteslob. Als ich mir das anschaute, sah das so als würde man je 2 Stimmen links und rechts spielen und Bass sprich Pedal gar nicht einbeziehen.

Irgendwie war mir das zu kompliziert. Zumal das Orgelbuch irgendwie langweilig von der Harmonisierung wirkt. Ich nutze meistens nur das Gemeindegesangbuch und harmonisiere das selbst.

Daher vielleicht mal eine Frage an die Experten.

Wie macht man es denn richtig?

Ich habe festgestellt, dass ich mit meiner Methode eine Gemeinde bei bekannten Liedern gut begleiten kann.
Wenn das Lied unbekannt ist, wechsel ich den Modus sogar so um, dass ich nur die Melodie in der rechten Hand auf dem lauteren Manual hab und Begleitung mit links plus abgemildertem Bass ggf. ohne Koppeln.

Freue mich auf einen Austausch.

LG
Sebastian
DenkDirBass 6 2/5'
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Wohnort: Dresden

Re: Ideales Orgelspiel?

Beitrag von DenkDirBass 6 2/5' »

Hallo Sebastian,

herzlich willkommen hier im Forum.

Erst einmal so grundsätzlich: DAS ideale Vorgehen gibt es nicht. Wichtigstes Kriterium: es klingt gut. Zudem werden die meisten von unserer Zunft auf einen (mehr oder weniger) sauberen Stimmsatz hinweisen. Der ist zweifelsohne von Bedeutung, doch die wenigsten Gemeindemitglieder hören Oktavparallelen und falsch aufgelöste Akkorde heraus.

Doch erst mal eine Frage an dich: Spielst du tatsächlich fünfstimmig, oder verdoppelst du Stimmen oder wie dürfen wir deine Ausführungen verstehen?

Als ich Orgel lernte habe ich als erstes auch das freie Harmonisieren von der Choralzeile gelernt, dabei bin ich auch geblieben. Du bist nicht der erste, der mit der Darstellung im Orgelbuch unglücklich ist, denn ich verteile wie folgt: c.f.(meist Sopran): rechts; Alt und Tenor(wenn nicht c.f.): links; Bass: Pedal.
Das hat den großen Vorteil, dass ich mit der Melodie tun und lassen kann, wie die Gemeinde mitkommt. Zudem, gerade als Anfänger hilfreich, können in kritischen Situationen Alt und Tenor für freie Synapsen in die Wüste geschickt werden, während Melodie und Pedal (in der größten Not ist auch das entbehrlich) durchhalten.

Viele Leute die ich kenne und die mit dem Orgelbuch Choräle begleiten lernten, spielen rechts Alt und Sopran und links den Tenor, während der Bass im Pedal liegt. Im Studium der Kirchenmusik mussten dann einige von denen anfangs mühsam umlernen, zumal durch die Verteilung von Alt und Tenor auf beide Hände diese erst mal auf ein Manual festlegt. Später hilft dieser selektive Blick dann beim Partiturspiel.

Die Sätze im Orgelbuch finde ich unterschiedlich gelungen.Verglichen mit den meisten vom Blatt harmonisierten Choralsätzen sind sie doch recht abwechslungsreich. Wenn ich mir jedoch die Zeit nehme und einen Choral mal schön ausharmonisiere, finde ich die meistens schöner und leichter spielbar, zumal im Orgelbuch so mancher Harmoniewechsel nur um der abwechslungsreichen Abwechslung willen entstanden zu sein scheint.

Noch einen schönen Abend

Konrad
SLausW
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Re: Ideales Orgelspiel?

Beitrag von SLausW »

Doch erst mal eine Frage an dich: Spielst du tatsächlich fünfstimmig, oder verdoppelst du Stimmen oder wie dürfen wir deine Ausführungen verstehen?
Tatsächlich verdoppel ich linke Hand und Pedal.
Vermutlich ist das sogar nicht sauber in dieser Art bzw. schlagen studierte Organisten die Hände über dem Kopf zusammen.
Ich habe allerdings festgestellt dass ich in der Begleitung durch das Pedal, weniger "abgehackt" klinge.
Ich lasse quasi erst im letzten Moment das Pedal los und erzeuge so eine Art legato.

Beschwert hat sich bisher keiner. Weder Geistlichkeit, noch Gemeinde.
Kommentar des Kantors war mal: Wir wollen mal nicht meckern: Es klingt ok und ist sauber gespielt.

Es gibt zudem ein Angebot seitens des Kantor wenn die Pandemie mal wieder nachlässt ein bisschen gelehrt zu kriegen.

Edit:
Zudem werden die meisten von unserer Zunft auf einen (mehr oder weniger) sauberen Stimmsatz hinweisen. Der ist zweifelsohne von Bedeutung, doch die wenigsten Gemeindemitglieder hören Oktavparallelen und falsch aufgelöste Akkorde heraus.
Ich schreibe gerade vom Handy daher ist das ein wenig problematisch aber ich möchte gerne noch ergänzen, dass ich solche Dinge erkennen kann also oktavparallelen etc sind für mich nicht das Problem. Ich habe schon öfter im Gesangbuch die Tonart gewechselt weil zu erkennen war das im nächsten eine Oktav parallele droht. :)

Und ganz herzlichen Dank für das willkommen. :)

LG
Sebastian
DenkDirBass 6 2/5'
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Wohnort: Dresden

Re: Ideales Orgelspiel?

Beitrag von DenkDirBass 6 2/5' »

SLausW hat geschrieben: Dienstag 23. November 2021, 18:22 Vermutlich ist das sogar nicht sauber in dieser Art bzw. schlagen studierte Organisten die Hände über dem Kopf zusammen.
Sauberkeit ist relativ. Ja, streng genommen wäre das eine Oktav- (oder Prim-) parallele, aber da die Orgel sowieso mehrere Oktavreihen hat, könnte es schlimmer sein. Tatsächlich imitierst du ständig eine Pedalkoppel, weshalb dieser Fehler eher als unnötige Mehrarbeit zu werten ist. Orgelkomponisten, die Orgeln ohne Pedalkoppeln hatten, verdoppelten die Pedalstimme häufig ins Manual. (So spontan fällt mir Daquin ein, bist also in guter Gesellschaft. :wink: )
SLausW hat geschrieben: Dienstag 23. November 2021, 18:22 Ich habe allerdings festgestellt dass ich in der Begleitung durch das Pedal, weniger "abgehackt" klinge.
Ich weiß ja nicht wie groß eure Kirche ist, doch glättet auch schon mäßiger Nachhall sehr vorteilhaft.
SLausW hat geschrieben: Dienstag 23. November 2021, 18:22 Kommentar des Kantors war mal: Wir wollen mal nicht meckern: Es klingt ok und ist sauber gespielt.
Solange du nicht Kirchenmusik studieren willst, reicht das doch völlig aus.
Hauptsache ist doch, jemand spielt.
Axel
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Re: Ideales Orgelspiel?

Beitrag von Axel »

Der klassische Satz ist vierstimmig. Die Verdoppelung der linken Hand könnte man doch einfacher durch eine Pedalkoppel haben. Natürlich ist es im Orgelbuch so gedacht, dass man die tieftste Stimme ins Pedal nehmen kann.
Ich denke, die Variante "sauber" hat schon auch was. Was das Legato angeht: 1. Rechts schaffst du das so ja eh nicht mehr legato. 2. Dann müsste auch das Pedal ja technisch auch legato machbar sein, wenn man das will. 3. Ist eben die Frage, ob man das aus Gründen der Deutlichkeit und Gemeindeführung überhaupt legato haben will.
SLausW
Beiträge: 4
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Re: Ideales Orgelspiel?

Beitrag von SLausW »

Die Frage ist aber ja dann, was mache ich mit der linken Hand? Nach meinem Verständnis würde ich also im vierstimmigen Zielbild so aufteilen, dass ich einen Ton aus der rechten in die linke packe und dann keine Verdopplung im Pedal mehr habe oder wie wäre hier die Empfehlung?

Bezgl. Legato ist das mein subjektives Empfinden am Spieltisch. Sprich dass die Gemeinde mit dieser Methode besser singt und es auch klanglich besser ist.
Aber ich habe nicht Musik studiert um sicher sagen zu können das stimmt auch wirklich so. ;)
Ich mache das einfach wirklich nur nach Gehör und überlege mir was hört sich denn gut an.
violdigamb
Beiträge: 58
Registriert: Montag 23. Februar 2015, 11:53

Re: Ideales Orgelspiel?

Beitrag von violdigamb »

Hallo Sebastian,

wenn Du Anregungen suchst oder Übtipps für Dein eigenes Improvisieren, findest Du hier:

https://www.youtube.com/user/michelostertun/playlists

eine Menge hervorragenden Materials, neben den Videos gibt es dort auch Arbeitsblätter zum Herunterladen.

Viele Grüße,

violdigamb

P.S.: Hier etwas Material von meinem Hauskantor:
Arbeitsblatt Harmonisieren.zip
(323.31 KiB) 14-mal heruntergeladen
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