Anthony Halliday in dder Neanderkirche, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Anthony Halliday in dder Neanderkirche, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Donnerstag 11. Juli 2019, 14:06

Hallo Forum,

Anthony Halliday ist Organist aus der stolzen Reihe von 10 Kirchenmusikern der [link=http://www.stfrancismelbourne.com/music/#]Kirche St. Francis[/link] in Melbourne, Australien. Dies ist die älteste katholische Kirche vor Ort. Er macht gerade eine Konzertreise durch Europa und gastierte am 10.07.2019 in der Neanderkirche, Düsseldorf-Altstadt. Da ist es praktisch, wenn man keine Noten mitschleppen muß: Halliday spielt auswendig.

Er begann mit Soler, Concerto in G. Für zwei Tasteninstrumente geschrieben, hat er das Werk für Orgel gesetzt. Zugrunde liegt eine Tanzstruktur im Dreiertakt, ähnlich einer Passacaglia reihen sich Veränderungen an. Zu Beginn wurde das Stück von Manualwecheln in Echo-Wiederholungen geprägt, später wurde es fülliger. Ganz nett.

Dann gab es „die“ Passacaglia, BWV 582. Halliday vermittelte vom ersten Augenblick an, daß er jederzeit wußte, was er da (Gutes, ja sehr Gutes) tat. Eine durchgehend fesselnde und stimmige Darbietung. Beginnend im Mezzoforte gab es unterdes doch auch dynamische Unterschiede, mächtig die Steigerung vor der Fuge. Diese wurde ohne Veränderung der Registrierung angegangen. Danach gab es nicht zu Unrecht spontanen Zwischenbeifall.

In ganz andere Welten führte dann Widors Cantabile aus der sechsten Symphonie. Das Instrument der Neanderkirche (Rieger 1965) hat zwar ein französisch angehauchtes SW, HW und RP sind aber barock. Da wurde es offenbar schwer, die passenden Farben zu finden. Immerhin klang die Oboe ziemlich echt. Und auch sonst wußte Halliday, den Zauber des Stückes hörbar zu machen.

Noch schwieriger wurde es aber bei Beethoven. Dessen Orgelwerke sind bekanntlich begrenzt. Und so bearbeitete Halliday das Finale der sechsten Symphonie. Das klang dann doch mitunter sehr fremd. Wer das Stück garnicht kannte, konnte sicher keinen guten Eindruck bekommen; wer’s dagegen kannte, hörte es sich im inneren Ohr zurecht. Solche Bearbeitungen sind doch grenzwertig.

Eine Kirchensonate in F-Dur, KV 244, flüssig gespielt, führte dann zur Toccata aus op. 5 von Duruflé. Diese nahm Halliday hoch virtuos und in beachtlichem Tempo. Dynamisch wurden Grenzen ausgelotet, so daß man doch aufatmete, als der er- und auflösende Schlußakkord in voller Schönheit stand. Starker Beifall (gut besetzte Kirche, wohl mehr als 250). Keine Zugabe.

Gruß Clemens Schäfer

PS: Hier noch der Link zur HP von [link=http://martin-gerigk.de/]Martin Gerigk[/link], über dessen Komposition „Mass“ ich letztens schrieb.

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