Zink-Pfeifen

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Daniel
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Zink-Pfeifen

Beitrag von Daniel »

Ist der Klang von Zinkpfeifen wirklich rauher (also mit unharmonischen Tonanteilen) ?
Lassen sich Zinn- und Orgelmetall-Pfeifen leichter bauen ? - Intonieren wahrscheinlich schon, wegen der Härte von Zink.
Sind noch heute besondere Einsatz-Gründe für Zink-Pfeifen denkbar (32' wegen Material-Festigkeit, Hochdruck-Stimmen für gewollte Rauhheit)?
War der erstmalige Einsatz von Zinkpfeifen nur Material-Preis bedingt? Bzw. Kriegs-Zinn-Pflichtablieferung/Embargo-Notlösung ?
Roland Eberlein
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Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von Roland Eberlein »

Daniel hat geschrieben:Ist der Klang von Zinkpfeifen wirklich rauher (also mit unharmonischen Tonanteilen) ?
Das kann wahrscheinlich nur ein Intonateur wirklich beurteilen. Wenn solche Klangunterschiede bestehen, werden sie jedenfalls vom Intonateur minimiert.
Daniel hat geschrieben: Lassen sich Zinn- und Orgelmetall-Pfeifen leichter bauen ? - Intonieren wahrscheinlich schon, wegen der Härte von Zink.
Bei größeren Pfeifen kommt der Pfeifenmacher mit der Härte des Zinks klar. Bei kleinen Pfeifen jedoch nicht oder nur mit nennenswert größerem Zeitaufwand, deshalb wurden die Diskantpfeifen stets aus Zinn hergestellt. Da die Kosteneinsparung durch das billigere Material Zink bei diesen Pfeifen klein war, wäre die Mehrarbeit sonst teurer gekommen als die Materialkosteneinsparung.
Daniel hat geschrieben:Sind noch heute besondere Einsatz-Gründe für Zink-Pfeifen denkbar (32' wegen Material-Festigkeit, Hochdruck-Stimmen für gewollte Rauhheit)?
Sicherlich, z.B. wenn man den Klang der Zink-Streicher von 1910 haben will.
Daniel hat geschrieben:War der erstmalige Einsatz von Zinkpfeifen nur Material-Preis bedingt? Bzw. Kriegs-Zinn-Pflichtablieferung/Embargo-Notlösung ?
Nein, die ersten Zinkregister entstanden schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als Zink teurer war als Zinn (z.B.: Johann Friedrich Schulze 1837-38 in Halberstadt, Dom: Physharmonica 8' mit Zink-Schallbechern; 1839 in Weißenfels, Augustusburg: Posaune 16' mit Zink-Bechern; 1840 in Wismar, St. Marien: Posaune 32'/16', Bombarde 16', Trompete 16'/8', Clarine 4' mit Zinkbecher und Zinkstiefel, vermutlich auch Physharmonica 16' und Äoline 8' (lingual) mit Zinkbecher).
Roland Eberlein
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Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von Roland Eberlein »

Aktenzeichen_XY hat geschrieben:warum wurde Zink im 19. Jhdt. verwendet?
Schulze verwendete Zink zumindest anfangs ausschließlich für durchschlagende Zungenstimmen; offenbar hat er mit Zinkbechern bei durchschlagenden Zungenstimmen gute Erfahrungen gemacht. Worin genau der Vorteil bestand, weiß ich nicht. Das Hauptproblem bei den durchschlagenden Zungenstimmen, vor allem bei durchschlagenden Trompeten und Posaunen, war die mangelnde Brillianz und Durchsetzungskraft gegenüber Labialstimmen (von dem Stimmungsproblem einmal abgesehen). Vielleicht ergaben Zinkbecher einen etwas brillianteren oder lauteren Ton.
Aktenzeichen_XY hat geschrieben:Wenn es keine Kostengründe gab, wurde mit dem Werkstoff bestimmte Klangeigenschaften angestrebt?

Zweifellos, auch wenn nicht überliefert ist, welche Klangeigenschaften bei den durchschlagenden Zungenstimmen angestrebt wurden.
Aktenzeichen_XY hat geschrieben:Was spricht heute gegen die Verwedung von Zink auch außerhalb historisierender Register (Streicher Anno 1910)?

Das nach wie vor schlechte Image von Zink und das schönere Aussehen von Zinnpfeifen. Außerdem nimmt man bei der Verwendung von Zink in Kauf, daß man irgendwo im Verlauf des Registers auf Zinnpfeifen umsteigen muß. Dieser Bruch muß dann in der Intonation mühsam kaschiert werden.
Aliwanda
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Registriert: Montag 22. Juni 2020, 22:49

Zink-Pfeifen und gepresste Labien

Beitrag von Aliwanda »

Hallo,

habe hier ein paar, vor längerer Zeit eingestellte Diskussionsbeiträge über Zinkpfeifen gefunden. Auch ich habe dazu eine Frage in die Runde:

Bei der Restaurierung einer süddeutschen Mönch-Orgel von 1898 stellt sich für uns die Frage, wann Mönch und seine süddeutschen Kollegen in Ihren Orgeln erstmalig Zinkinnenpfeifen verwendet hatten?

Wir haben Zink-Propspektpfeifen gefunden, die eingelötete Labien haben und auf jeden Fall aus der Zeit um 1920 stammen müssen.

Allerdings fanden wir auch Zink-Innenpfeifen, die gepresste Labien aufweisen. Weiß jemand, welche Orgelbauer, Zulieferer, Pfeifenbauer in welchem Zeitraum Zinkpfeifen, aber auch Zinnbleipfeifen, mit gepressten Labien hergestellt haben?

Über sachdienliche Hinweise würde ich mich sehr freuen... :)
Voceumana
Beiträge: 75
Registriert: Mittwoch 9. Juli 2014, 19:45

Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von Voceumana »

Die Prospektpfeifen sind, zumal wenn sie um 1920 datiert werden können, ein Ersatz für im 1. Weltkrieg abgegebene Zinnpfeifen.
Nachdem schon ausgeführt wurde, dass Zink durchaus üblich war, aus verschiedensten Gründen, spricht doch viel dafür, dass viele Orgelbauer und Zulieferer diesen Standard im Programm hattten. Eine sichere Provenienz kann wohl nur über Unterlagen des Orgelbauers ermittelt werden.
kernbeißer
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Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von kernbeißer »

Kriegsbedingt wurden ab 1916 weitgehende alle Prospekte von Kirchenorgeln, mit wenigen Ausnahmen, beschlagnahmt und eingeschmolzen. Dazu gibt es in Acta Organologica Band 36 einen ausführlichen und interessanten Beitrag. Zudem gab es rüstungs- und kriegsbedingt Im 1. und 2. Weltkrieg Beschränkungen hinsichtlich der Verwendung von Zinn als Material für Pfeifen. Ich meine, dass Zinn lediglich für Pfeifen ab 2' und kleiner eingesetzt werden durfte. In der Zeitschrift für Musikinstrumentenbau wird in Heft Nr. 2 Jahrgang 1935 ein "Zinnverbot" im Zusammenhang mit Orgelbau erwähnt. Näheres konnte ich noch nicht recherchieren.

Als Ersatzmaterial der Wahl hat sich sicherlich Zink angeboten, da es im 20. Jahrhundert günstig und in ausreichender Menge verfügbar war. Zudem konnte sich nach dem 1. Weltkrieg nicht jede Kirchengemeinde in der Lage ihre Orgel, wenn überhaupt, entsprechend wieder mit einem teuren Prospekt aus Zinnpfeifen zu komplettieren.

Neben Zink haben auch andere Materialien, wie Kupfer oder Weißblech (in Italien für die Fertigung von Zungenbechern) Einzug in den Orgelbau gefunden.
stummorgel
Beiträge: 68
Registriert: Donnerstag 24. Mai 2012, 07:16

Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von stummorgel »

Zink und Weißblech werden schon vor 1800 verwendet. Johann Michael Stumm fertigte z.B. seine Posaune 16' in Münstermaifeld 1721 aus Weißblech! Später nur noch in franz. Art aus Holz mit Bleikehlen.
Vorrangig waren immer klangliche Gründe.
Zink war und ist im amerikanischen Orgelbau immer noch Standard und hat sich bewährt.
Christian_Hofmann
Beiträge: 8
Registriert: Montag 6. Juli 2020, 18:42

Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von Christian_Hofmann »

Ich glaube auch bei der Frage Zink oder nicht spielt die eigene Meinung eine große Rolle. Für Zink spricht zuerst das es im Prospekt natürlich schöner aussieht. Klanglich unterscheiden sie sich zwar auch, aber ich würde nicht so weit gehen und sagen Zink klingt besser oder schlechter als anderes. Ich glaube man sollte beide Materialien als unterschiedliche Klänge sehen und nicht nur das Material sehen. Was nun jeder bevorzugt ist wohl sehr persönlich. Wir haben hier in einer Orgel Zink für viele Tausend Euro wieder eingebaut. In der betreffenden Kirche passt dies klanglich sehr viel besser. In einer anderen bleiben wir bei anderen Blech selbst bei der Restaurierung. Durch die Akustik dort (Gewölbedecke) und den anderen Registern würde Zink wohl klanglich nicht zum Rest passen da diese Orgel von Anfang an keine Zink Pfeifen hatte.
kernbeißer
Beiträge: 49
Registriert: Mittwoch 10. Januar 2018, 11:35
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Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von kernbeißer »

Hallo Christian Hofmann, kann es sein, dass Du Zink und Zinn verwechselst? Also Zinn (als hochwertige Legierung mit mindestens 75 %) glänzt im Prospekt wenn man es schön aufpoliert, Zink dagegen ist meist stumpf und rech dunkel. Man kann es auch polieren, wurde aber selten gemacht. Es erhielt im Prospekt (meist in den 1920-igern, als die Prospekte die im Krieg eingezogen wurden ersetzt wurden) eher einen Anstrich mit "Ofenrohrfarbe", damit es wenigstens "silbern" ausgesehen hat.

Heute ist Zink eher verpönt. Man kann sich allerdings in den meisten Fällen auch Pfeifen aus einer Zinnlegierung leisten.

Der Kontext ist entscheidend. In einer Restaurierung einer Orgel aus dem 18. Jh. hat Zink sicher nichts zu suchen. Das späte 19. und frühe 20. da kann das schon passen. Ist jedoch sicher dem einzelnen überlassen was bevorzugt wird.
Ronald Henrici
Beiträge: 737
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Re: Zink-Pfeifen

Beitrag von Ronald Henrici »

Warum beißt man sich so auf Zinkpfeifen fest? Stabilität im Bau der großen Pfeifen lässt sich auch bestens mit Kupferpfeifen erreichen, Tonstabilität und Aussehen sind vorteilhafter mit Kupferpfeifen.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)
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