Top 10

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Daniel
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Top 10

Beitrag von Daniel »

Gibt es so etwas wie die "Top-10" der deutschen Orgeln ?
Orgeln, die man gesehen und gehört haben muss ?
Darunter auch einmalige Instrumente bezüglich
- Größe
- Alter
- besondere Disposition
- Klanggüte (auch im Bezug zur Raumakustik)
- technische Besonderheit
- historische Besonderheit
- Prospekt
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Administrator
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Re: Top 10

Beitrag von Administrator »

So unterschiedlich sind die Geschmäcker, lieber Lothar. Mir gefallen da z.B. diese:

Gelsenkirche NAK Resse-West:
http://www.orgel-information.de/Orgeln- ... orgel.html

auch St. Viktor zu Damme ist recht hübsch:
http://www.orgel-information.de/Orgeln- ... orgel.html

NAK Bruchsal ist mal was anderes, aber eher nicht so mein Ding:
http://www.orgel-information.de/Orgeln- ... orgel.html

Die Gabler-Orgel ist ganz hübsch, mir aber zu wuchtig. Aber wie gesagt: jeder hat einen anderen Geschmack.
Derzeit lese ich den neuen Orgelführer Sachsen (Rezension erscheint bei uns in den nächsten Tagen) - da sind auch tolle Orgeln drin. Große, kleine, schlichte, verschnörkelte, für jeden was dabei.
Herzliche Grüße

Daniel
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kernspalter
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Re: Top 10

Beitrag von kernspalter »

Administrator hat geschrieben:So unterschiedlich sind die Geschmäcker, lieber Lothar. Mir gefallen da z.B. diese:

Gelsenkirche NAK Resse-West:
http://www.orgel-information.de/Orgeln- ... orgel.html

auch St. Viktor zu Damme ist recht hübsch:
http://www.orgel-information.de/Orgeln- ... orgel.html
Sicherlich sind die Geschmäcker unterschiedlich, aber kommen diese Beispiele wirklich für eine "Top-10"-Auswahl in Frage? In Damme haben wir ja schon recht fragwürdige Proportionen, das Pedal ist einfach optisch gegenüber dem Rest der Orgel überproportioniert. Schon das Hauptwerk wirkt geradezu mickrig. Zwar ist klar, daß man so viel wie möglich vom Fenster freihalten wollte, aber man merkt hier einfach, welche Mühe die Gestalter hatten, Raumarchitektur und Orgelkonzept unter einen Hut zu zwängen. In Weingarten ist es gelungen, Raumarchitektur und Orgel zu einer Einheit zu verschmelzen. Bei allem Respekt vor persönlichem Geschmack, aber Damme und Weingarten spielen nun wirklich nicht in derselben Liga.
Mit kernspalterischen Grüßen
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Administrator
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Re: Top 10

Beitrag von Administrator »

Lieber Kernspalter,

mein Beitrag war nicht auf die Top10 bezogen, sondern auf das Thema Geschmack. Mir gefallen halt die genannten Orgeln besser als die in Weingarten. Das ist sicherlich bei anderen nicht so.
Dass meine eigenen Top10 anders aussehen als die anderer Orgelfreunde ist doch normal, oder?
Herzliche Grüße

Daniel
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Daniel
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Re: Top 10

Beitrag von Daniel »

Das Freihalten/Zubauen der Westfenster ist und bleibt ein Problem.
Ich finde, sie sollten möglichst freigehalten werden, insbesondere wenn es sich um alte farbige Fenster mit Rosetten handelt.
Ein gänzliches Zubauen wie im Münchener Dom finde ich "unmöglich", architektonisch und wegen der Lichtführung.
Da hätte ich lieber auf den mechanischen Spieltisch verzichtet. Und das Positiv in den Unterbau der Orgel gelegt. Bei ca. 13 x 13 m Orgelbühne wäre sicher ein anderer Aufbau mit weniger wuchtiger Holzmasse möglich gewesen.
Weingarten halte ich für einen sehr gelungenen Prospekt, vielleicht sogar für den schönsten. Nachteil: die weitläufige Mechanik.
Die Ottobeurer Chororgeln (Riepp 1766) finde ich (wenn man sich in der Nähe aufhält) vom Klang her sehr gut.
Neulich sah ich (wieder einmal) ein optisch und akustisch negatives Beispiel (Dorfkirche in Denklingen bei Landsberg): 2 Westemporen übereinander, ein schönes barockes (relativ kleines) Gehäuse reingequetscht, rechts daneben ein weißgestrichenes späteres Zusatzwerk.
Axel
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Re: Top 10

Beitrag von Axel »

Selbstverständlich kenne ich auch nur eine sehr begrenzte Anzahl, aber trotzdem, wenn man eine Liste mit 10 repräsentativen Orgeln aufstellen sollte, halte ich das für nicht so schwer:

Hamburg, St. Jacobi. Ist legendär, ich mag Norden lieber. Beide ein schönes Beispiel für norddeutsche Orgelkunst.

Weingarten. Viele Legenden und ein schöner Prospekt. Klanglich eher zurückhaltend.

Rysum. Ganz alt, Kiedrich ist recht verbaut, Ostönnen kenne ich nicht.

Neresheim. Spektakulär, klanglich sicher besser als Weingarten. Etwas bescheidener, aber nicht minder schön wäre Ursberg.

Dresden, Hofkirche. Silbermann darf nicht fehlen.

Leipzig, Thomaskirche. Eine schönes Sauer, Karl Straubes Orgel. Ideal als Beispiel für deutsche Romantik. Gefällt mir besser als z.B. Berlin.

Steinfeld. Typisch für den Westen, mit Lütticher Einfluß.

Düsseldorf, Neanderkirche. Wunderbare Orgel der 60er.

Jetzt bin ich erst bei 8, aber viele wichtige Orgeln waren schon dabei. Natürlich gibt es 1000 schöne Instrumente und Geheimtips, aber wer diese 8 kennt, hat viel gesehen und gehört.

Grüße
Axel
Roland Eberlein
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Re: Top 10

Beitrag von Roland Eberlein »

Da fehlen aber noch einige ganz wichtige Instrumente! Top-10 ohne die Dreifaltigkeitsorgel von Riepp in Ottobeuren geht gar nicht! Und das 19. Jahrhundert ist eindeutig völlig unterrepräsentiert. Da wären unter allen Umständen mindestens eine Ladegast- und eine Eberhard-Friedrich-Walcker-Orgel aufzuführen. Bei Walcker kommt wohl nur Hoffenheim in Frage, bei Ladegast die Orgel im Merseburger Dom oder die im Schweriner Dom (ich würde erstere vorziehen).

Und warum sollte man sich auf das Gebiet des heutigen Deutschlands beschränken? Sinnvoller wäre doch wohl eine Beschränkung auf den deutschsprachigen Raum. Somit rücken die Ebert-Orgel in der Innsbrucker Hofkirche und die Woeckherl-Orgel in der Franziskanerkirche Wien unvermeidlich mit auf die Liste, auch wenn sie dann mehr als 10 Orgeln umfaßt.
Regal8
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Re: Top 10

Beitrag von Regal8 »

Eigentlich sollte man unterscheiden in "historische" Orgeln (die unter Denkmalschutz sind oder fallen) und jüngeren Instrumenten. Dazu könnte man noch unterscheiden in bestimmte Regionen. Denn nur 10 Instrumente zu nennen würde der Vielzahl an herausragenden Orgeln nicht gerecht. Aus meiner Sicht ein "Muss" sind die Riepp-Orgeln in Ottobeuren, aber auch die Baumeister-Orgel im schwäbischen Maihingen und die "liegende" Chororgel von 1693 in Mönchsdeggingen. Dazu müssten noch gezählt werden die Silbermänner, Schnittgers etc! Wenn man noch den Blick auf das 19. Jh. richtet, dann wird es noch schwieriger, die Top 10 festzulegen. Und im Nachkriegsorgelbau scheiden sich heute schon die Geister...
Axel
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Re: Top 10

Beitrag von Axel »

@Roland Eberlein: Ja, völlig d'accord, die gehören dazu. Wenn wir das deutschsprachige Ausland dazu nehmen (zumindest im weitesten Sinne): Eine Silbermann im Elsass. Marmoutier oder Ebersmünster. Wien Franziskaner kenne ich nur von der CD (sehr schön übrigens: J. C. Kerll), Klosterneuburg wäre eine Alternative.

@Regal: Mit Maihingen und Mönchsdeggingen wäre ich schon zurückhaltender. Maihingen ist (gewollt) katastrophal im Zustand, vermittelt keinen Spaß. Die Chororgel in Mönchsdeggingen könnte auch eine Reinigung vertragen, ist natürlich sehr charmant und präsent im Raum, aber eben ein Örgelchen. Für mich stellt sich auch die Frage: Muss man jede kleinere Schnitger kennen? Ich meine nicht. Dedesdorf? Nett, aber unter die Top 10?

Was neuere Orgeln angeht, würde ich gerne dafür plädieren, einen gewissen Abstand zu waren. Da gibt es viel Gutes, aber jede Orgel wird bei der Weihe hoch gelobt, 30 Jahre später sieht das dann anders aus. Bei einigen Orgeln aus den 60ern wage ich zu behaupten, dass sie so sensationell gut sind, dass man heute noch genauso viel Spaß daran hat wie damals. Die vorgeschlagene Rieger wäre ein Beispiel, da gibt es sicher noch mehr von Rieger. Ein anderes, mehr historisch orientiertes Beispiel: Bremen Martini, die Ahrend, könnte man ohne Zögern heute noch genauso machen.

Also, Top 10 geht vielleicht nicht ganz, aber kommen wir mit Top 20 hin, wenn wir uns auf die "must-have-seen" Instrumente beschränken?

Grüße
Axel
Grobgehackt
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Re: Top 10

Beitrag von Grobgehackt »

Hm.... wann hast Du in Maihingen zuletzt gespielt??? die Baumeister-Orgel wurde 1988-1991 vorbildlich restauriert... ohne da jetzt Namen zu nennen... :wink:
Axel
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Re: Top 10

Beitrag von Axel »

Vorbildlich restauriert?????? Das ist nicht Dein Ernst? Die Kiste ist in ihrem jetzigen Zustand ein Schrotthaufen, da hat man mit viel Aufwand dokumentiert, dass man nichts gemacht hat. Diese denkmalpflegerische "Käseglockentheorie" ist schlicht der größte orgelbauliche Skandal, den man sich bei Restaurierungen in den letzten Jahren geleistet hat.
kernspalter
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Re: Top 10

Beitrag von kernspalter »

Axel hat geschrieben:Vorbildlich restauriert?????? Das ist nicht Dein Ernst? Die Kiste ist in ihrem jetzigen Zustand ein Schrotthaufen, da hat man mit viel Aufwand dokumentiert, dass man nichts gemacht hat. Diese denkmalpflegerische "Käseglockentheorie" ist schlicht der größte orgelbauliche Skandal, den man sich bei Restaurierungen in den letzten Jahren geleistet hat.

Den jetzigen Zustand kenne ich nicht. Ich habe die Orgel ca. zehn Jahre nach der Restaurierung gespielt, und damals funktionierte alles. Von einem skandalösen Zustand konnte da keine Rede sein. Hat sich der Zustand inzwischen so dramatisch verschlechtert?
Mit kernspalterischen Grüßen
Axel
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Re: Top 10

Beitrag von Axel »

Das ist bei mir auch schon einige Jahre her, aber ich war mehrmals da. Von einem "guten Zustand" war das Lichtjahre entfernt. Vor einigen Wochen habe ich den Fehler gemacht, mir eine CD von dem Ding zu kaufen. Nach der Hälfte konnte ich es nicht mehr ertragen: Asthmatische Windversorgung, die Traktur ein einziger Klapperatismus, völlig ungleichmäßige Intonation und unglaubliche Verstimmungen (nein, ich verwechsele nicht ein historische Temperatur mit Verstimmungen). Restauriert sieht für mich völlig anders aus.
S.L
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Re: Top 10

Beitrag von S.L »

Axel hat geschrieben:Das ist bei mir auch schon einige Jahre her, aber ich war mehrmals da. Von einem "guten Zustand" war das Lichtjahre entfernt. Vor einigen Wochen habe ich den Fehler gemacht, mir eine CD von dem Ding zu kaufen. Nach der Hälfte konnte ich es nicht mehr ertragen: Asthmatische Windversorgung, die Traktur ein einziger Klapperatismus, völlig ungleichmäßige Intonation und unglaubliche Verstimmungen (nein, ich verwechsele nicht ein historische Temperatur mit Verstimmungen). Restauriert sieht für mich völlig anders aus.
Restauriert im Sinne von verbessern? Ich muss sagen, dass die Baumeister-Orgel in Maihingen in jeder Hinsicht sehr lehrreich für mich war, weil man eben nichts verbessert hat hinsichtlich Trakturführung, Windversorgung und Intonation (ich war 2010 dort). So ist mir klar geworden, dass wohl viele jüngst restaurierte Instrumente aus dieser Zeit zu sehr von gewissen heutigen Vorstellungen von einer Barockorgel geprägt worden sind. Baumeister war wahrscheinlich auch zu seiner Zeit kein meisterlicher Orgelbauer, und es gab im Barock sicher noch wesentlich schlechtere Instrumente. Es ist schon ein Glücksfall, dass dieses Instrument noch so ursprünglich erhalten ist; wir haben heutzutage ein recht blumiges Bild vom Orgelbau des Barock, der ja recht unreflektiert zum Ideal erhoben wurde und uns nicht recht vorstellen können, dass damals die heutigen Anforderungen hinsichtlich Windversorgung, Stimmhaltung und Spielbarkeit wahrscheinlich nur in seltenen Fällen erreicht worden sind.
Axel
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Re: Top 10

Beitrag von Axel »

Nee, Restaurieren im Sinne von Restaurieren. Ich halte die Mähr des Denkmalschutzes für ausgemachten Unfug. Wenn eine Orgel 100 Jahre in einem unspielbaren Zustand ist, kann ich doch nicht einfach diese Käseglockentheorie anführen und sagen, diese 100 Jahre haben quasi nicht existiert und wenn wir die Orgel jetzt notdürftig spielbar machen, ist das der Originalzustand. Das ist doch genauso eine irreführende Ideologie wie Otts Märchen von den niedrigen Aufschnitten bei alten Orgeln, um nur ein katastrophales Beispiel aus der Restaurierungspraxis des 20. Jh. zu nennen.

Ich gehe doch davon aus, dass Orgelbauer zu allen Zeiten versucht haben, möglichst perfekte Instrumente zu bauen. Und wenn wenn die Qualität vieler erhaltener Orgel anschaut, ist das auch gelungen. Das können wir heute eben auch nicht besser. Keine Frage es gab und gibt zu allen Zeiten auch schlechte Orgeln, aber bevor ich Herrn Baumeister in die Pfanne haue, würde ich an seiner Orgel erst mal die Windanlage komplett instand setzen, die durch Materialveränderung entstandenen Intonationsmängel ausgleichen, die schadhafte Traktur reparieren und vernünftig stimmen. Das hätte er wahrlich verdient.

Grüße
Axel
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