Profess. Orgelaufnahme mit digitalem Nachhall?!

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dieterich
Beiträge: 32
Registriert: Donnerstag 5. Mai 2016, 11:27

Profess. Orgelaufnahme mit digitalem Nachhall?!

Beitrag von dieterich »

Guten Tag,
bei einer Radio-Orgelaufnahme sollen insgesamt nur 2 Kugelmikros nur wenige m von der Orgel entfernt aufgebaut
und der (deshalb) fehlende Nachhall mit künstlichem (digitalen) Nachhall ergänzt werden.
Ist derlei inzwischen bei profess. Orgelaufnahmen gelegentlich oder öfter üblich
oder schlicht unprofessionell?
kernbeißer
Beiträge: 67
Registriert: Mittwoch 10. Januar 2018, 11:35
Wohnort: Aistaig

Re: Profess. Orgelaufnahme mit digitalem Nachhall?!

Beitrag von kernbeißer »

Also dazu meine Meinung:

Das wird wohl nicht unbedingt klanglich ein Hit. Da hört man dann bei C- und Cis-Teilung die Töne von einem Kanal zum anderen Springen. Das ist wohl sehr direkt und macht sicher bei scharfen Mixturen und kräftigen Zungen keinen Spaß beim Hören. Auch kann es in diesem Fall zur Aufnahme ungewünschter Geräusche wie Trakturklappern, Trittschall des Registranten oder das kräftige Niederdrücken von Pedaltasten kommen, da Emporen Meist aus Holz sind und sich dies leicht über das Stativ auf das Mikrofon übertragen lässt. Aufhängung Mittels Gummiseilen oder Unterlegen von Trittschalldämmungen helfen hier.

Kirchenräume und die darauf abgestimmte Orgel, und zwar nicht auf die Entfernung bis zur Emporen-Brüstung.

Da ich regelmäßig aufnahmen mache, die auch veröffentlicht werden meine hauptsächlich verwendete Konfiguration:

Ich verwende ausschließlich ein Paar Kleinmembran-Mikrofone (bevorzugt Neumann KM 184 als abgestimmtes Paar) mit Nierencharakteristik, die den Rückschall oder Nachhall bis zu einem bestimmten Winkel nach hinten ausblenden.

Die Mikrofone, 2 Stück platziere ich, nachdem ich den Raum und Probe-Aufnahme abgehört habe in der Regel einige Meter von der Orgel entfernt, Meistens sogar noch vor der Empore auf einem Stativ. Dazu habe ich mir mal ein ausgedientes Rundfunkstativ zugelegt, das 10 - 12 m Höhe hat, je nach dem ob ich noch einen Ausleger senkrecht montiere. Diese Mikrofone werden in einem 120°-Winkel, Abstand ca. 30-40 cm, angeordnet. Gelegentlich auch in XY-Anordnung je nach akustischen Verhältnissen. Das ganze birgt einen gewissen Aufwand, Trial and Error und erfordert durchaus auch Korrekturen bei der Aufstellung des Stativs und der Ausrichtung der Mikrofone.

Je nach dem wie die Akustik der Kirche stelle ich noch in weiterer Entfernung von der Orgel auf 2 Stativen Stützmikrofone auf, die mit einer leichten Latenz (Verzögerung) den Schall erfassen, was der Aufnahme mehr Räumlichkeit und Tiefe geben.

Gelegentlich habe ich auch schon eine Art Vice-Versa-Methode angewandt, wenn ich z.B. dem Organisten assistiere und nicht direkt im Kirchenraum oder Sakristei meine Aufnahmegerätschaften aufbauen kann (Konzertsituation). Ich positioniere das Mikrofonpaar oder ein Stereo-Mikrofon (Rode NT4 XY-Ausrichtung) an der Emporen-Brüstung und zwar in die entgegengesetzte Richtung zur Orgel und nehme praktisch nur den Rückschall auf. Zur Trittschallreduzierung lege ich in solch einem Fall dicke Antirutschmatten, wie diese bei der Beladung von LKWs benutzt werden, unter. Hat schon recht gute Ergebnisse gebracht, bei der Dokumentation von Konzerten.

Zum Thema "künstlicher" Nachhall - igitt.
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