Domorgeln/Konzertorgeln

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
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Daniel
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Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Daniel »

Ist in den nächsten Jahren noch ein größerer Neubau/Umbau/Erweiterung einer deutschen Dom-Orgel zu erwarten?

Und bei größeren Konzert-Orgeln (z.B. Elbphilharmonie Hamburg 2017) ?
S.L
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Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von S.L »

Daniel hat geschrieben:Ist in den nächsten Jahren noch ein größerer Neubau/Umbau/Erweiterung einer deutschen Dom-Orgel zu erwarten?
Womöglich in Mainz.
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Friedrich Sprondel
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Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Friedrich Sprondel »

In München kabbelt man sich seit Jahren wegen eines neuen Konzertsaals. Wenn er kommt, dürfte auch dort etwas fällig sein. Schließlich wird man bei jedem Orchesterprogramm, das eine Orgel vorsieht, auf den Gasteig mit seiner mittelmäßigen Akustik angewiesen sein wollen.

Das Freiburger Konzerthaus hat die geplante Orgel – Berater war Späth – leider nicht bekommen und Bemühungen, sie doch noch zu ermöglichen, abgelehnt mit dem Hinweis, dass das derzeitige Nutzungskonzept keine Orgel vorsehe. Sprich: Da muss wohl ein reicher Mensch oder am besten gleich eine Stiftung kommen und nicht nur die Orgel bezahlen, sondern auch die Gagen für die Spieler und die Unterhaltskosten auf unbestimmte Zeit übernehmen. Es wäre aber ein toller Raum für eine Orgel.

Viele Grüße
Friedrich
Holger

Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Holger »

Wismar - siehe separaten Beitrag.
Daniel
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Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Daniel »

Konzertorgel-Disposition

Bei einer (nicht allzu großen) Konzertorgel von III / ca. 45-55 Register wird man auf jeden Fall
Hauptwerk/Schwellwerk/Pedal
haben.
Sollte man das III. Manual als (barockes) Positiv oder als (romantisches) Fernwerk oder als Solowerk (mit HD-Registern) disponieren?
Sollten bei 3 Manualen 2 schwellbar sein?
Voceumana
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Registriert: Mittwoch 9. Juli 2014, 19:45

Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Voceumana »

Lieber Daniel,

eine Orgel, ob für Dom oder Dorf oder Konzertsaal, ist immer ein Kind ihrer Zeit, die Gestaltung wird vom Geldbeutel des Auftraggebers (also auch dem Einfluss von möglichen Sponsoren), dem Geschmack des residierenden Organisten, des Sachverständigen, dem Kirchenraum etc. bestimmt.

Es kommt bei prestigeträchtigen Projekten zu Streit (Dresden, Frauenkirche), bei kleineren beharken sich Orgelbauer, Sachverständige, Organisten und Gemeinde.

Man kann daher (mal wieder) kaum so pauschale Antworten geben, als dass man z. B. Grundsätze einer klassischen Disposition, BDO-Normen am Spieltisch berücksichtigen sollte (nicht muss!). In sofern sind zeitgemäße Prinzipien heute in vielen Jahren evtl. nicht mehr so gültig. Dass es bestimmte Moden gibt, das hast du sicher schon festgestellt. Ich würde heute wahrscheinlich keine Disposition für eine Konzertsaal- oder Kirchenorgel mit 50 +x Registern ohne zwei schwellbare Werke aufstellen, ich glaube aber nicht, dass mich jemand je nach Ratschlägen dieser Qualität bei einer Orgel in der Größe fragen sollte. Vor 30 Jahren brauchten viele Ogeln um die 30 Register unbedingt eine spanische Trompete, heute kommt vermehrt Tuned Percussion (Glockenspiel, Celesta etc.) bei größeren Neubauten zum
Einsatz.
Zeitgemäß heißt eben, dass man in einer bestimmten Zeit angemessen arbeitet oder gestaltet.

Viele Grüße

Stefan
Holger

Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Holger »

Eine andere Herangehensweise wäre die Überlegung ob nicht eine der auf Lager liegenden, adäquaten Orgeln für einen "Konzertsaal" in Betracht käme, also z.B. die Walcker Orgel des Hans-Sachs-Hauses.

Diese hätte schon ein klares Konzept und wäre sicherlich vom "Orgelerbe" ein interessantes Objekt.

Billiger wie eine neue würde so ein Projekt nicht werden, bis da alles passt ...

Was ist eine "klassische Disposition"? Ich denke hier sollten gewisse Freiheiten herrschen, da die Konzertsaalorgel im speziellen, kein kirchliches Instrument ist und vielleicht auch mal Freiraum geben könnte für neues und unkonventionelles Gedankengut. Das ewig auf dem Alten rumreiten bringt die Orgel an sich nicht weiter.
Solcena
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Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Solcena »

Holger hat geschrieben:Eine andere Herangehensweise wäre die Überlegung ob nicht eine der auf Lager liegenden, adäquaten Orgeln für einen "Konzertsaal" in Betracht käme, also z.B. die Walcker Orgel des Hans-Sachs-Hauses.

Diese hätte schon ein klares Konzept und wäre sicherlich vom "Orgelerbe" ein interessantes Objekt.
Ja, nicht zu vergessen, die Orgeln, die bei Herrn Lampl eingelagert sind.
Darunter wären die ehem. Konzertorgel aus dem Deutschen Museum, die Zeilhuber-Orgel aus dem Münchener LIebfrauendom oder eine komplett erhaltene romantische Koulen-Grossorgel aus Landshut, die noch 1984 durch ein neobarockes Werk ersetzt worden war.
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Friedrich Sprondel
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Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Friedrich Sprondel »

Voceumana hat geschrieben:Man kann daher (mal wieder) kaum so pauschale Antworten geben, als dass man z. B. Grundsätze einer klassischen Disposition, BDO-Normen am Spieltisch berücksichtigen sollte (nicht muss!). …
Dabei ist die Disposition ja nur ein Aspekt, und dazu noch einer, der hier sehr täuschen kann. In Mensurierung, Intonation und Klangkraft müssen Konzertsaalorgeln ganz anders gestaltet werden als Kirchenorgeln, weil sie ganz andere Aufgaben haben.

Erkennungszeichen des Musikinstruments Orgel, auch in der Orchestermusik, ist der Prinzipalchor. Kraftquelle ist der Trompetenchor. Grundstimmen in allen Abstufungen braucht man zum Begleiten. Und schließlich leistet das Pedal im Orchesterklang eine Bassfunktion, die kein Orchesterinstrument so zur Verfügung stellen kann. All das muss erst einmal dynamisch flexibel und musikalisch sinnvoll angeordnet werden, sodass die Konzertsaalorgel im Zusammenspiel mit Orchester und Chor funktioniert; das heißt auch, dass der Wind felsenfest sein muss, damit das Instrument verlässlich die Stimmung hält, und zwar unter allen Umständen.

Dann erst stellt sich die Frage nach der Sololiteratur, die bei »klassischer« Dispositionsweise normalerweise im Mittelpunkt steht. Konzertierendes (zweites) Plenum, Aliquote, generelle stilistische Ausrichtung, Solozungen abseits von Trompeten, Posaunen und Oboen usw., das sind alles Fragen, die sich erst ergeben, wenn das Fundament gelegt ist. Dieses Fundament kann auch schon mit 30 bis 35 Registern auf zwei Manualen und Pedal stehen. Dann kommt die Kür.

Viele Grüße
Friedrich
Ronald Henrici
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Re: Domorgeln/Konzertorgeln

Beitrag von Ronald Henrici »

Konzertsaalorgeln müssen nicht unbedingt neu sein, man kann Großorgeln sehr erfolgreich umdisponieren, erweitern, ummensurieren durch Umsetzen von Pfeifenreihen u.a.m.
Außerdem sind sehr gute Konzertsaalorgeln irgendwo auf Lager gelegt, z.b. die Orgel aus dem Weinbrennersaal in Baden Baden, die Orgel aus dem Feierabendhaus der BASF Ludwigshafen Rhein, die Orgel aus dem Herkulessaal München...
Die Orgel aus dem Feierabendhaus der BASF würde sich sehr gut ausmachen im Konzerthaus Freiburg, rechts und links vor der Orchesterbühnenwand mit ihrem fahrbaren Spieltisch, der schon mit Setzereinrichtung ausgerüstet ist (1982).

Übrigens hat es immer wieder reiche Stifter von Orgeln gegeben und gibt es auch heute noch. Diese müssen eben sehr viel mehr für das Instrument Orgel sensibilisiert werden und denen müßte man viel mehr Orgeln regelrecht vorstellen und immer wieder vorspielen, wenn sie selbst nicht unbedingt das Instrument spielen können.

Es gibt viele Orgeln, die reine Stiftungen sind, zuletzt sogar in einer Aula einer Universität, wo ein Stifter wohlwollend ein Instrument umbauen ließ und ein "neues Instrument" damit erstehen ließ. Auch wenn eine Stiftung vielleicht mit Auflagen verbunden ist, so ist auch diese sehr wertvoll !
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)
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