Terzhaltige Mixturen

Diskussionen rund um Orgelneubau, Orgelrestauration, Register, Technik, usw.
Mundus
Beiträge: 89
Registriert: Sonntag 27. April 2014, 20:12

Terzhaltige Mixturen

Beitrag von Mundus »

Ich weiß, dass das Thema schon mehrmals in diesem Forum diskutiert wurde, aber mir geht es darum ein wenig Klarheit zu schaffen.
Meine Frage lautet: Wie häufig waren terzhaltige Mixturen in der Barockzeit in Süddeutschland ( Süddeutschland umfasst meiner Auffassung nach in diesem Zusammenhang Schwaben, das Elsass, die Deutschschweiz, Österreich, Bayern, Böhmen und Mähren. ) wirklich ?

In der einschlägigen Literatur wird das Thema für meinen Geschmack zu ungenau und von Autor zu Autor auch sehr unterschiedlich dargestellt.
So schreibt Roland Eberlein in seinem oft als Standardwerk auf diesem Gebiet betrachteten Buch, dass terzhaltige Mixturen vorwiegend in Mitteldeutschland und Böhmen verbreitet gewesen seien und nur gelegentlich in Süddeutschland.
In " Die Musik in Geschichte und Gegenwart" und vielen anderen Büchern/Aufsätzen wird die terzhaltige Mixtur dagegen geradezu als typisches Charakteristikum einer süddeutschen Barockorgel beschrieben.

Was stimmt denn nun? Wie häufig war die Terz als Bestandteil der Mixtur, und gab es dabei Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen (z.B. Schwaben vs. Österreich) ? Gab es Unterschiede im Hinblick auf die Zeit - das soll heißen, waren sie im 18. Jahrhundert ebenso verbreitet wie im 17. Jahrhundert ?

Vielen Dank im Voraus
kernspalter
Beiträge: 791
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von kernspalter »

Mundus hat geschrieben:Meine Frage lautet: Wie häufig waren terzhaltige Mixturen in der Barockzeit in Süddeutschland ( Süddeutschland umfasst meiner Auffassung nach in diesem Zusammenhang Schwaben, das Elsass, die Deutschschweiz, Österreich, Bayern, Böhmen und Mähren. ) wirklich ?

In der einschlägigen Literatur wird das Thema für meinen Geschmack zu ungenau und von Autor zu Autor auch sehr unterschiedlich dargestellt.
Das liegt wahrscheinlich daran, daß noch niemand eine Gesamtstatistik aller Mixturen in den Regionen Schwaben, Elsaß, Deutschschweiz, Österreich, Bayern, Böhmen und Mähren (wo gehört denn eigentlich die Pfalz hin?...) erstellt hat.
In allen Regionen dürfte es Mixturen mit und ohne Terz gegeben haben. Im Elsaß war die Terz sicher seltener als in Franken, Bayern oder Schwaben.
Die Frage ist auch: Was ist als "terzhaltige Mixtur" definiert? Muß "Mixtur" auf dem Registerschild stehen oder ist "Terzmixtur" eine gemischte Stimme aus Principalreihen in Quint-, Oktav- und Terzlage, egal ob auf dem Registerschild "Mixtur" , "Scharff", "Cimbel", "Cornet", "Decimaquinta", "Sexquialter" oder sonstwas steht?
Mit kernspalterischen Grüßen
Mundus
Beiträge: 89
Registriert: Sonntag 27. April 2014, 20:12

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von Mundus »

Ich verlange dabei ja keine Genauigkeit, wie sie eine Statistik bringen würde. Eine solche Statistik ließe sich zudem heute gar nicht mehr erstellen, dafür haben wir zu wenige Orgeln mit noch originalen Mixturen.
Worauf ich hinauswill ist, dass das schon einen großen Unterschied macht zu sagen, terzhaltige Mixturen waren typisch für die süddeutsche Barockorgel oder aber, die Terz kommt eher in Mitteldeutschland vor, in Süddeutschland nur gelegentlich. Dieses Problem hätte ich gerne geklärt, einfach, weil es mich sehr interessiert.

Was die Definition einer terzhaltigen Mixtur angeht, so verstehe ich darunter ein Register, dass als Mixtur, Zimbel oder Scharff bezeichnet wird und sich aus Oktav-, Quint-, und Terzreihen zusammensetzt.

Was die Pfalz angeht: Über ihre Zugehörigkeit zu einer größeren Orgellandschaft lässt sich streiten. Manche zählen sie noch zu Süddeutschland ( ist geographisch ja auch nicht ganz falsch), andere ordnen sie dem Mittelrhein zu ( im MGG gibt es im Artikel "Orgel" ein Kapitel, da wird das ganze, wenn ich mich recht erinnere als "Pfalz, Mittelrhein, Mosel-Saar-Region" geführt oder so ähnlich).
kernspalter
Beiträge: 791
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von kernspalter »

Mundus hat geschrieben:Worauf ich hinauswill ist, dass das schon einen großen Unterschied macht zu sagen, terzhaltige Mixturen waren typisch für die süddeutsche Barockorgel oder aber, die Terz kommt eher in Mitteldeutschland vor, in Süddeutschland nur gelegentlich. Dieses Problem hätte ich gerne geklärt, einfach, weil es mich sehr interessiert.
Mich interessiert es auch sehr, aber wie sollen wir das klären?
Anscheinend definiert Eberlein "Süddeutschland" anders als Du. Wenn nach Deiner Auffassung Böhmen zu Süddeutschland zählt, dann gehören die böhmischen Terzmixturen eben auch mit zu Süddeutschland.
Was "Mitteldeutschland" betrifft, da finden wir terzhaltige Mixturen eher in Thüringen als in Sachsen. Gottfried Silbermann, der Sachsen sehr geprägt hat, hat keine terzhaltigen Mixturen gebaut.

Bei einem schnellen (und unsystematischen) Rundblick über bedeutende erhaltene schwäbische und bayerische Orgeln fallen mir eine Menge Terzmixturen ein, z. B.:

Fürstenfeld (Fux 1736): Mixtur Hauptwerk, Pedalmixtur
Maihingen (Baumeister 1737): Mixtur Hauptwerk (die Maihinger Zimbel gehört nach Deiner Definition nicht zu den Mixturen)
Weingarten (Gabler 1750): Mixtur Oberwerk
Benediktbeuern (Egedacher 1686/Jäger 1770): Mixtur Hauptwerk, Cimbel Hauptwerk, Mixtur Pedal
Irsee Ursberg (Holzhey 1775): Mixtur im Hauptwerk
Obermarchtal (Holzhey 1777ff): Mixtur im Hauptwerk
Weißenau (Holzhey 1783ff): Mixtur im Hauptwerk
Rot an der Rot (Holzhey 1792): Mixtur im Hauptwerk

Was die Definition einer terzhaltigen Mixtur angeht, so verstehe ich darunter ein Register, dass als Mixtur, Zimbel oder Scharff bezeichnet wird und sich aus Oktav-, Quint-, und Terzreihen zusammensetzt.
Warum diese willkürliche Namensauswahl? Die süddeutschen Orgelbauer haben sich nicht so sehr an den Namen aufgehängt. Die 15fache Pedalmixtur in der Weingartener Chororgel heißt heute "Choralbass", in Gablers Entwürfen wird sie mal als "Mixtur", mal als "Cornet", mal als "Choral-Bass" bezeichnet.
Mit kernspalterischen Grüßen
Mundus
Beiträge: 89
Registriert: Sonntag 27. April 2014, 20:12

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von Mundus »

Warum diese willkürliche Namensauswahl? Die süddeutschen Orgelbauer haben sich nicht so sehr an den Namen aufgehängt.


Die Namensauswahl sollte nur verdeutlichen, was ich darunter verstehe, z.B. gehören für mich Register wie "Sesquialter" oder "Cornet" nicht zu den Mixturen. Zwar sind das auch gemischte Stimmen und ja, man könnte sie, wenn man unbedingt wollte auf rein sprachlicher Ebene ebenfalls als Mixturen bezeichnen, aber sie klingen schlichtweg anders.
Anscheinend definiert Eberlein "Süddeutschland" anders als Du. Wenn nach Deiner Auffassung Böhmen zu Süddeutschland zählt, dann gehören die böhmischen Terzmixturen eben auch mit zu Süddeutschland.
Ja, Böhmen oder sagen wir ein großer Teil davon zählt für mich zu Süddeutschland und spontan fallen mir da auch Beispiele ein, die Mundt-Orgel der Teynkirche in Prag hat soweit ich weiß eine Mixtur mit Terz. Aber das kann ja deswegen noch nicht verallgemeinert werden. Vielleicht macht es deswegen Sinn die einzelnen Regionen doch einmal gesondert zu betrachten. Schließlich ist das unter "Süddeutschland" zusammengefasste Gebiet ja nicht gerade klein.
Maihingen (Baumeister 1737): Mixtur Hauptwerk (die Maihinger Zimbel gehört nach Deiner Definition nicht zu den Mixturen)
Wieso denn das?
kernspalter
Beiträge: 791
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von kernspalter »

Mundus hat geschrieben:Die Namensauswahl sollte nur verdeutlichen, was ich darunter verstehe, z.B. gehören für mich Register wie "Sesquialter" oder "Cornet" nicht zu den Mixturen. Zwar sind das auch gemischte Stimmen und ja, man könnte sie, wenn man unbedingt wollte auf rein sprachlicher Ebene ebenfalls als Mixturen bezeichnen, aber sie klingen schlichtweg anders.
Wie sie klingen, hängt von Mensur und Zusammensetzung ab. Ein Cornet in französischer Bauweise, im Diskant, weit mensuriert, mit gedeckter 8'-Reihe, klingt natürlich völlig anders als eine Terzmixtur. Das würde ich ebensowenig als Mixtur bezeichnen wie einen Sesquialter in der üblichen Zusammensetzung 2 2/3' + 1 3/5' (und womöglich noch weit mensuriert).

Das Cornet im Rückpositiv der Weingartener Gabler-Orgel ist principalisch mensuriert wie eine Mixtur, beginnt ab C wie eine Mixtur, repetiert wie eine Mixtur und klingt wie eine Mixtur. (Wegen der Terz klingt sie ab c° wie eine Terzmixtur).
Zusammensetzung (Doppelchöre lasse ich mal weg):
C: 2' + 1 1/3' + 1' + 2/3' + 1/2' + 1/3' + 1/4'
c°: 2' + 1 1/3' + 1' + 2/3' + 1/2' + 2/5'
c': 4' + 2 2/3' + 2' + 1 1/3' + 1' + 4/5'
c'': 4' + 2 2/3' + 2' + 1 3/5'
Das ist nach meinen Begriffen eine astreine Terzmixtur.
Ja, Böhmen oder sagen wir ein großer Teil davon zählt für mich zu Süddeutschland und spontan fallen mir da auch Beispiele ein, die Mundt-Orgel der Teynkirche in Prag hat soweit ich weiß eine Mixtur mit Terz.
Die Mundt-Orgel der Teynkirche in Prag hat fünf Mixturen (nach meiner Definition), darunter hat keine eine Terz. In der ganzen Orgel ist keine Terz zu finden.
Zusammensetzungen (jeweils auf C):
Hauptwerk Mixtura 6fach 1' + 2/3' + 1/2' + 1/3' + 1/4' + 1/6'
Hauptwerk Cembalo 4fach 1/2' + 1/3' + 1/4' + 1/6'
Rückpositiv Mixtura 3fach 2/3' + 1/2' + 1/3'
Rückpositiv Rauschquint 2fach 1/2' + 1/4'
Pedal Mixtura 4fach 2 2/3' + 2' + 1 1/3' + 1'
(Hans-Wolfgang Theobald, Die Johann-Heinrich-Mundt-Orgel von 1671-73 in der Teynkirche zu Prag, in: Ars Organi 50. Jahrgang, Heft 1, März 2002)
kernspalter hat geschrieben:Maihingen (Baumeister 1737): Mixtur Hauptwerk (die Maihinger Zimbel gehört nach Deiner Definition nicht zu den Mixturen)
Mundus hat geschrieben:Wieso denn das?
Weil sie keine Quintreihen enthält.
Zusammensetzung:
C: 1/2' + 2/5' + 1/4'
c°: 1' + 4/5' + 1/2'
c': 2' + 1 3/5' + 1'
c'': 4' + 3 1/5' + 2'

Ich würde darüber aber nicht streiten und auch repetierende gemischte Stimmen in Principalmensur, die nur aus Oktaven und Terzen bestehen (E. F. Walcker hat die oft unter dem Namen "Scharf" gebaut) mit zu den Terzmixturen rechnen.
Mit kernspalterischen Grüßen
Mundus
Beiträge: 89
Registriert: Sonntag 27. April 2014, 20:12

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von Mundus »

Die Mundt-Orgel der Teynkirche in Prag hat fünf Mixturen (nach meiner Definition), darunter hat keine eine Terz. In der ganzen Orgel ist keine Terz zu finden.
Was?! Dann muss ich da irgendwas ziemlich durcheinander gebracht haben. Ich bitte um Nachsicht.

Ihre Auflistung von Orgeln mit terzhaltigen Mixturen ist ja schon mal ein Anfang, vielleicht könnte man die ja noch erweitern. Alle der genannten Orgeln sind aus dem 18. Jahrhundert, wie sieht es im 17. Jahrhundert aus? Die Freundt-Orgel in Klosterneuburg hat glaube ich eine terzhaltige Mixtur.

Was anderes, was mich noch interessiert ist die Mixtur der Prescher Orgel in Schwäbisch Gmünd. Ist deren Zusammensetzung irgendwo erhalten? Vielleicht sollte ich diese Frage als gesondertesThema stellen.
kernspalter
Beiträge: 791
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von kernspalter »

Mundus hat geschrieben:Ihre Auflistung von Orgeln mit terzhaltigen Mixturen ist ja schon mal ein Anfang, vielleicht könnte man die ja noch erweitern. Alle der genannten Orgeln sind aus dem 18. Jahrhundert, wie sieht es im 17. Jahrhundert aus? Die Freundt-Orgel in Klosterneuburg hat glaube ich eine terzhaltige Mixtur.
Ich werde versuchen, mich schlau zu machen.

Mundus hat geschrieben:Was anderes, was mich noch interessiert ist die Mixtur der Prescher Orgel in Schwäbisch Gmünd. Ist deren Zusammensetzung irgendwo erhalten?
Nicht daß ich wüßte.
Ich tippe eher darauf, daß es keine Terzmixtur war. Sowohl in Schwäbisch Gmünd wie auch in Nördlingen war neben der Mixtur ein Sesquialter/Hörnle disponiert, so daß die Kombination aus Mixtur und Sesquialtera ein Hörnle ergab. (Ganz sicher ist das nicht; bei Holzhey finden wir oft Terzmixtur und Sesquialtera nebeneinander.)
Von Paul Preschers Enkel Johannes Paulus Prescher ist noch eine Orgel aus dem Jahr 1737 erhalten. Die Mixtur ist folgendermaßen zusammengesetzt:
C: 1' + 2/3' + 1/2'
c': 2' + 1 1/3' + 1'
c'': 4' + 2 2/3' + 2'
Harald Oschler, Die Prescher-Orgel zu Wechingen, in: Acta Organologica 11 (1977)

Diese Zusammensetzung ist in Süddeutschland sehr häufig. Auch die beiden Mixturen im Brustpositiv und Echo der Gabler-Orgel in Ochsenhausen sind genauso zusammengesetzt.

Die oft nur dreifachen Mixturen in kleinen Orgeln (wie in Wechingen) dürften so gut wie nie eine Terz gehabt haben.

Ausnahmen gibt es aber auch da:
Bei kleinen Orgeln – z. B. bei der sechsregistrigen Orgel von JOHANN ADAM EHRLICH in Adolzhausen aus dem Jahre 1742 – finden wir immerhin zwei Achtfuß- und zwei Vierfußstimmen, nämlich Quintatön und Gedackt 8´, Principal 4 ´ und Spitzflöte 4 ´ aus Holz. Unter den beiden übrigen Stimmen ist nicht etwa eine Octav 2 ´, sondern eine Quint 11/3´ / 22/3´ mit Repetition bei c2 und eine Mixtur 3fach 1 ´, die von C bis f° eine Terz 4/5´ mitführt und damit den Bass verstärkt. Da das Pedal ursprünglich nur angehängt war, entsteht so ein zungenstimmenartiger Effekt.
http://www.orgelklasse.de/texte/die-singularitat/
Mit kernspalterischen Grüßen
S.L
Beiträge: 94
Registriert: Montag 13. Februar 2012, 09:28

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von S.L »

Mundus hat geschrieben:Die Freundt-Orgel in Klosterneuburg hat glaube ich eine terzhaltige Mixtur.
Meines Wissens nein.
Dafür besitzt die Orgel von Johann David Sieber (erbaut 1714) in der Wiener Michaelerkirche mehrere terzhaltige Mixturen.
kernspalter
Beiträge: 791
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von kernspalter »

S.L hat geschrieben:Dafür besitzt die Orgel von Johann David Sieber (erbaut 1714) in der Wiener Michaelerkirche mehrere terzhaltige Mixturen.
Die Zusammensetzung würde mich sehr interessieren.
Mit kernspalterischen Grüßen
Mundus
Beiträge: 89
Registriert: Sonntag 27. April 2014, 20:12

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von Mundus »

Ich tippe eher darauf, daß es keine Terzmixtur war.
Ich habe eben ein wenig in den Tiefen des Internets gestöbert und einen passenden Beleg hierzu gefunden: "Wir können für unseren Raum feststellen, daß hier die Terzmixtur die Regel war; denn sie läßt sich im Oeuvre folgender hier vorkommender Orgelbauer nachweisen: Baumeister, Ehrlich, Fux, Gessinger und Schmahl. Bei den Prescher scheint sie hingegen nicht gebräuchlich gewesen zu sein."
J. Hopfenzitz, Die Baumeister-Orgel von 1737 in der Klosterkirche Maihingen: Erbauer, Werk und Restaurierung, 1988/90

Man muss natürlich dazu sagen, dass auch das kein endgültiger Beweis ist, dass Prescher keine terzhaltigen Mixturen gebaut hat. Das wird sich wohl nie endgültig klären lassen.
kernspalter
Beiträge: 791
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von kernspalter »

Mundus hat geschrieben:
Ich tippe eher darauf, daß es keine Terzmixtur war.
Ich habe eben ein wenig in den Tiefen des Internets gestöbert und einen passenden Beleg hierzu gefunden: "Wir können für unseren Raum feststellen, daß hier die Terzmixtur die Regel war; denn sie läßt sich im Oeuvre folgender hier vorkommender Orgelbauer nachweisen: Baumeister, Ehrlich, Fux, Gessinger und Schmahl.
Zu Schmahl fällt mir jetzt erst ein:
Georg Friedrich Schmahls große Ulmer Münsterorgel hatte in jedem Manual eine terzhaltige Mixtur und eine Sesquialtera, die sehr an die englischen Terzmixturen erinnert (die dort ebenfalls als "Sesquialtera" bezeichnet werden).
Dazu Roland Eberlein, Orgelregister - ihre Namen und ihre Geschichte, Köln 2009:
Terzmixtur mit drei bis fünf Reihen:
In England wurde nach 1660 unter dem Namen Sesquialtera ein Registertyp entwickelt, der von der kontinentalen Sesquialtera stark abwich. Der Name Sesquialtera bezeichnete in England eine repetierende Mixtur von oft drei oder vier, manchmal fünf Chören, die meist eine Terzreihe enthielt. Die Sesquialtera 3f. wurde häufig zusammengesetzt aus 1 3/5' + 1 1/3' + 1', repetierte zwei- oder dreimal und endete mit 2 2/3' + 2' + 1 3/5' oder 4' + 2 2/3' + 2'. Bei der Sesquialtera 4f. trat im Baß meist ein 2'-Chor, seltener ein 2/3'-Chor inzu. Wenn eine separate Terz 1 3/5' als Einzelregister vorhanden war, entfiel oft die 1 3/5'-Reihe in der Sesquialtera. Das Register basierte dann auf 1 1/3' + 1' + 2/3' mit Repetition in Quint und Quartschritten[...]
Auch in Süddeutschland wurde die Sesquialtera im 18. Jahrhundert vereinzelt 4f. oder noch stärker besetzt. Derartige Exemplare konnten ähnlich wie die englische Sesquialtera recht unregelmäßig besetzt sein. Beispielsweise hat Georg Friedrich Schmahl 1730-35 in der Hauptorgel des Ulmer Münsters eine Sesquialtera 4f. 1 3/5' + 1 1/3' + 1' + 1' "in denen Oberen Octaven repetiert" geschaffen.
Die beiden anderen Sesquialtern waren dreifach 1 3/5' + 1 1/3' + 1'. Von den sieben Mixturen der Orgel war nur die Cymbel im Hauptwerk ohne Terz.
G. F. Schmahls Vater soll bei Paul Prescher gearbeitet haben. Von daher würde ich nicht ausschließen, daß auch Prescher terzhaltige Mixturen neben der Sesquialtera gebaut hat.

Die gemischten Register der erhaltenen Schmahl-Orgel in Sitzberg (Mixtur 5fach, Zimbel 3fach) sind beide terzlos. Allerdings handelt es sich hier um Rekonstruktionen:
http://ofsg.org/wp-content/uploads/2010/12/BULL051.pdf

Apropos Rekonstruktion:
Diente die traditionsgemäß terzhaltige 8-bis 10-fache Hauptwerksmixtur vielleicht als Zusammenfassung der beiden gewöhnlichen Mixturen (Mixtur 6fach und Cimbel 3-oder 4fach), so ersetzt die ebenfalls terzhaltige 6-fache Pedalmixtur das bis dahin übliche Cornet 2’.
http://www.wiegleb-orgel-ansbach.de/dow ... -Orgel.pdf
(Ob in Mittelfranken das Cornet 2' bis dahin üblich war, möchte ich aber stark bezweifeln.)
Mit kernspalterischen Grüßen
Ronald Henrici
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von Ronald Henrici »

Kernspalter hat gute Beispiele gebracht für terzhaltige Mixturen. Ich bin der Meinung, daß es terzhaltige Mixturen seit dem 17. Jahrhundert imm wieder gegeben hat, und auch im Orgelbau nach 1945 wieder gegeben hat. Steinmeyer und Weigle haben solche Mixturen (da rechne ich auch Cimbel, Scharf... mit ein).Auf meinen "Orgelinstandhaltungsreisen" habe ich oft Terzmixturen vorgefunden, aber auch Mixturen, in denen die Terzen zur höher liegenden Quinte umfunktioniert wurden oder ganz beseitigt wurden.
Meine klanglichen Erfahrungen: die terzhaltigen Klangkronen nehmen der Klangkrone etwas die Schärfe des "Neobarock", wenn sie nicht zu tiefliegend sind. Z.B. passt in eine Mixtur 4-5 fach schlecht der Terzchor 3 1/5 oder gar 6 2/5, würde die Mischbarkeit mit Prinzipal 8 und Oktave 4 stören und den Eindruck der Verstimmung der Orgel bei akordischem Spiel verursachen.
Ernst Karl Rössler hat einmal in seinen Entwürfen mit einer solchen Mixturzusammensetzung geliebäugelt und auch ausprobiert (z.B. Nikolaikirche Hamburg) ist aber sehr schnell davon abgerückt, nachdem er dort sich das Ergebnis angehört hat. Die Mixtur hat er noch vor Ort in der Zusammensetzung ändern lassen. Aber trotzdem erfreuen sich gerade in der Orgel die terzhaltigen Klangkronen guter Beliebtheit. Denn die Terzchöre in den Klangkronen haben an manchen Orgeln weitere Mensuren als die anderen auf Oktaven und Quinten basierenden Reihen.
Wie gesagt: nicht nur bei neueren Orgeln oder sogar neuesten Orgeln habe ich Terzchöre in den Klangkronen gefunden, sondern auch bei Orgeln, die ins 19 . Jahrhundert zurückreichen. Leider wurde ich aber oft aufgefordert, die Klangkronen umzugestalten und die Terzen zu entfernen. Ich sehe eigentlich nicht unbedingt eine geographisch räumliche Festlegung der Terz - Klangkronen - Existenz. Die Häufigkeit im südlichen Raum ist für mich aber logisch, weil die historischen nordischen Orgeln härter im Klang sind und die Farbigkeit der Terzen nicht so berücksichtigen wie die im Süden gebauten Orgeln. Wo Terzen und Septimen wesentlichen Anteil haben auf die Farbigkeiten der Instrumente. Soweit für Heute.
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)
Poupoulcorouse
Beiträge: 178
Registriert: Dienstag 3. November 2009, 16:24
Wohnort: Elberfeld

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von Poupoulcorouse »

"Die Häufigkeit im südlichen Raum ist für mich aber logisch, weil die historischen nordischen Orgeln härter im Klang sind und die Farbigkeit der Terzen nicht so berücksichtigen wie die im Süden gebauten Orgeln."


Das halte ich dann doch für reichlich spekulativ. Sonst hätte man in Norddeutschland nicht seit Mitte des 17. Jahrhunderts neben die Mixturen so gut wie immer Sesquialteren und Tertiane disponiert, die zur Zusammenstellung von Terzplena gedacht waren. Man hat sie halt bloß nicht direkt in die Mixturen gestellt. Und nichtmal das ist ein zu 100% unumstößliches Gesetz, wenn man sich Schnitgers Pedalmixtur in Cappel oder das Brustwerks-Scharff in Grasberg ansieht.

Und ob "hart" oder nicht:
Die "Farbigkeit der Terz" kommt ja in so gut wie allen Varianten stark zur Geltung, ob jetzt in weicheren oder in "härteren" Plena.
kernspalter
Beiträge: 791
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Terzhaltige Mixturen

Beitrag von kernspalter »

Poupoulcorouse hat geschrieben:Das halte ich dann doch für reichlich spekulativ. Sonst hätte man in Norddeutschland nicht seit Mitte des 17. Jahrhunderts neben die Mixturen so gut wie immer Sesquialteren und Tertiane disponiert, die zur Zusammenstellung von Terzplena gedacht waren. Man hat sie halt bloß nicht direkt in die Mixturen gestellt. Und nichtmal das ist ein zu 100% unumstößliches Gesetz, wenn man sich Schnitgers Pedalmixtur in Cappel oder das Brustwerks-Scharff in Grasberg ansieht.
Das sehe ich genauso.
Hat nicht die Bielfeldt-Orgel in Stade St. Wilhadi eine terzhaltige Mixtur im Hauptwerk?

Im 18. Jahrhundert wurde in Norddeutschland im Nebenwerk oft auf eine Mixtur verzichtet; die Funktion der "Klangkrone" wurde von der Sesquialtera übernommen.
Beispiele:
http://musikfreunde-preetz.de/pages/kon ... -orgel.php
http://www.orgelbau-rohlf.de/orgeln/preetz.htm
Mit kernspalterischen Grüßen
Antworten