Keine Sorge um Nachwuchs?

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Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von Administrator » Montag 26. August 2019, 08:10

Guten Morgen,

heute in unserer Presse-Schau: Ein Zitat aus einem Artikel zum Orgelwettbewerb in Wuppertal:
"Fazit: Um den Orgelnachwuchs muss man sich derzeit keine Sorgen machen."

Wie seht Ihr das? Kann man das Thema Nachwuchs auf den Nachwuchs hochkarätiger Organisten, die konzertant agieren, beschränken? Spielen diese auch Gottesdienste? Muss man sich da auch keine Sorgen machen? Eure Meinung interessiert mich sehr ...
Herzliche Grüße

Daniel
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DenkDirBass 6 2/5'
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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von DenkDirBass 6 2/5' » Donnerstag 29. August 2019, 18:25

Lieber Daniel, liebe Mitforianer,

meine Gefühle beim Lesen dieses Artikels sind eher gemischter Natur. Die Schlussfolgerung, die aus dem Bericht eines Preisträgerkonzerts gezogen wurde, ist allein methodisch fragwürdig. Denn wie kann man aus der Leistung von drei herausragenden Musikerinnen und Musikern die musikalische Qualität der breiten Masse herleiten? Das ist ähnlich plausibel, als wenn ich die These aufstellen würde, dass man sich um die Musikalität einer Klasse keine Sorgen zu machen brauche, weil einer oder eine ein sehr gut auf die letzte Lied-LK bekommen hat.

Ebenso das Thema Nachwuchs auf konzertantes Spiel zu reduzieren ist ausgemachter Unfug, da es die wichtige Aufgabe der Gottesdienstgestaltung völlig ausklammert. Das trifft jetzt vielleicht nicht auf die drei Preisträger zu, die laut Artikel bereits als Kirchenmusiker angestellt sind, doch welche der 50 Bewerber studieren auf Konzertexamen und welche Kirchenmusik? Wie viele stehen schon irgendwo in Lohn und Brot und wie viele studieren noch? Fragen, die der Artikel aufwirft und leider unbeantwortet lässt.

Zur Frage der flächendeckenden Versorgung an Organistennachwuchs sehe ich ein grundlegend demographisches Problem. Während die beiden großen Konfessionen hier in Dresden auf einen großen Pool auch junger Organisten zurückgreifen können, sieht die Lage auf dem Land mäßig bis dürftig aus. Dabei sehe ich die größten Probleme in der Altersstruktur. Auf einen jungen Nebenamtler in Dresden kommen vier bis fünf aus meiner Elterngeneration bzw. Jungrentner. Dazwischen klafft ein großes Loch. In ländlichen Gebieten verstärkt sich das Problem mit dem allgemeinen Mangel an jungen Menschen sogar noch. Ähnlich sind meine Erfahrungen mit dem ENO-Schein in der EKBO. Anders als ursprünglich angedacht rekrutieren sich die werdenden Organisten nicht vorrangig aus Schülern und Studenten, sondern aus Erwachsenen mittleren Alters und rüstigen Rentnern.

Wogegen sich die Kirchen mit der Ausbildung von Hauptamtlichen ständig selbst beweihräuchern und dabei gerade so den Bedarf zu decken vermögen, verlieren sie die Nebenamtler zunehmend aus dem Blick. Denn während einige Hochschulen Anforderungen in C-Prüfungen stecken, dass man danach gleich noch ein B-Studium ohne große Probleme abliefern kann, oder sich mit Preisträgern obengenannter Wettbewerbe rühmen, werden die Leistungen derer, die an rheumatischen Orgeln Butter und Brot Dienste verrichten, nicht weiter beachtet. Denn unter Betreuung verstehe ich nicht nur, dass ein Mal im Jahr ein Wochenende mit Workshops angeboten wird, sondern, dass regelmäßig ein Hauptamtlicher die Leistungen der Nebenamtler überprüft und mit KONSTRUKTIVER Kritik und möglicherweise Hilfe aufwartet.

Dies sind so meine Gedanken, wenn ich an Nachwuchs und Orgel denke, und hoffe, dass ich damit niemandem schmerzhaft über den Fuß gefahren bin.

Aus Elbflorenz schickt liebe Grüße

Euer Konrad

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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von Administrator » Freitag 6. September 2019, 09:16

LIeber Konrad,

ich sehe es genauso wie Du. Bei uns habe ich jedoch das Gefühl, dass die Hauptamtler mit Arbeit so überfrachtet sind, dass sie für die Nebenamtlichen gar keine Zeit haben. Unser KMD hat eine furchtbare Stellenkonstellation, die Kreiskantorin eine halbe Kreiskantoren-Stelle und eine halbe Gemeindestelle. Da fallen Nebenamtliche, bei aller Mühe die sich die beiden geben, einfach hinten runter.

Vermutlich ist das in anderen Gegenden ähnlich. Und es wird bestimmt auch Gegenden geben, in denen die Hauptamtlichen eher auf ruhigem Posten sitzen und mehr tun könnten.

Lösungsvorschläge?

Herzliche Grüße
Daniel
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PS: Manchmal ist schmerzhaft über den Fuß fahren durchaus konstruktiv!

DenkDirBass 6 2/5'
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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von DenkDirBass 6 2/5' » Samstag 7. September 2019, 12:33

Lieber Daniel,

um Himmels Willen, nichts lag mir ferner, als die mit meinen Ideen verbundene Arbeit bestehenden Kantorenstellen aufzubürden. Denn diese haben nun wirklich genug zu tun.
Vielmehr würden meine Ideen auf eine Kantorenstelle auf etwa Dekanatsebene, abhängig von zu bespielenden Stätten, hinauslaufen, die von vornherein nur auf einen Sonntag im Monat eigenen Orgeldienst festgeschrieben wird. Die anderen Sonntage sollte diese Person dann im Zuständigkeitsbereich herumreisen und sich Gottesdienste anhören und danach Lob und wenn notwendig Kritik und Hilfe verteilen. Den Rest der Woche könnte dann Orgelunterricht gegeben oder/und ein (Großgemeindekammer-?) Chor geleitet werden. Ebenso könnte an diese Stelle ein Orgelsachverstand angehängt werden, denn der ist ja eh auf Achse und hört sich die verschiedensten Orgeln an.

Die Schaffung einer solchen oder ähnlichen Stelle wäre bei den derzeitigen Strukturumbrüchen an sich kein Problem. Doch irgendwie kann man sich des Gefühls nicht erwehren, als würden diese erstens nach dem Motto "Wasch mich, aber mach mich nicht nass!" ablaufen und zweitens die Kirchenmusiker, möglicherweise unbewusst, völlig vergessen. Denn es ist doch fragwürdig, dass zwar Pfarreien und Gemeinden zusammengelegt werden, jedoch sich an den Dienstaufträgen der bestehenden Kirchenmusikerstellen nichts ändern soll. Zumal im Zuge der Zusammenlegung doch durchaus neue Stellen angebracht wären, da gerade im Bistum Dresden-Meißen Pfarreien von der Größe von Landkreisen entstehen.

Ebenso muss man häufiger an die administrativen Stellen appellieren. Denn die unterirdische Betreuung der Nebenamtler, die geringe Dichte von Hauptamtlern (zumindest auf katholischer Seite im Osten), die immer noch miese Vergütung katholischer Messen im Vergleich zu evangelischen Predigtgottesdiensten, ..., ...,
sind ja nur Symptome einer grundlegenden Missachtung der Kirchenmusik an sich.
Da braucht man sich auch nicht zu wundern, dass keiner diese Aufgabe übernehmen möchte, oder doch?

Liebe Grüße aus dem endlich mal verregneten Dresden schickt euer

Konrad

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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von Administrator » Montag 9. September 2019, 08:56

Lieber Konrad,

an eine eigens geschaffene Stelle habe ich auch schon gedacht. Aber ich fürchte (und vermute, das geht Dir auch so), das wird nur ein Gedankenspiel bleiben. Zum einen stellt sich natürlich die Kostenfrage (obwohl dies nach einiger Zeit und steigender Qualität der Nebenamtlichen wohl kein Thema mehr wäre), zum anderen denke ich aber, dass eine solche Stelle von manchen Hauptamtlichen boykottiert würde, da diese das Gefühl hätten, dass "Ihnen in die Suppe gespuckt wird". Da geht es eher um Machterhaltung und Eigenlob, also um die wirkliche Sache.
Möglich wäre solch eine Konstellation nur, wenn die Beteiligten alle an einem Strang zögen und das große Ganze im Auge behielten .... Utopie?
Herzliche Grüße

Daniel
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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von Dorforganistin » Freitag 13. September 2019, 09:22

In meinem Dekanat gibt es für die Nebenamtler einmal im Jahr ein Treffen, das gleichzeitig immer auch eine Art Weiterbildung ist. Und die Hauptamtler haben stets ein offenes Ohr für Themen und Probleme. Unterricht bekommen wir auch, wenn wir es wollen, egal, auf welchem Niveau wir sind.
Ja, es gibt nach wie vor wenige Jugendliche, die das Orgelspiel erlernen, aber viele gehen zur Ausbildung und zum Studium auch weg, so dass ich nichts dagegen hätte, mehr Menschen 40+ auszubilden, die in der Region mehr oder weniger fest ansässig sind.

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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von olds » Donnerstag 3. Oktober 2019, 06:34

Ich wage die gewagte These, dass diese Liga einen fleißigen engagierten Organisten an der Basis nicht zu interessieren braucht.

Es mag ja schön und gut sein, wenn Orgeltage und Wettbewerbe mit Erfolg durchgeführt werden und die Presse sich freuen darf. Es mag ebenso zu beachten sein, wenn die Bistümer die Absolventenzahlen ihrer Nebenamtler Kurse mitteilen. Das nützt aber alles nichts, wenn im alltäglichen Geschäft immer wieder die selben 3-4 Leute die vorderste Front bilden.

Hochkarätige Orgelmusik und höherwertige hauptamtliche Stellen an den Hauptkirchen haben natürlich ihre Berechtigung und ja, natürlich ist vieles von dem, was sonntäglich in der Kirche von der Orgelempore erklingt nicht immer wertvoll.

Die Entwicklung die ich sehe ist aber folgende:

Vergleichbar mit dem Volkssport Nr.1 bilden sich auch im Amateurbereich Schwerpunkte heraus, wo prestigeträchtig höherwertige Musik dargeboten wird.
Im Fußball schwindet das Interesse für die unterklassigen Ligen immer mehr, die Vereine kämpfen um die Existenz, um die wenigen höherklassigen Mannschaften im Umfeld entsteht aber ein gewisser Hype. Grundlage hier ist oftmals die Förderung durch den DFB, hier werden Schwerpunkte gebildet und den anderen Vereinen, die auch etwas haben wollen erstmal die Zertifizierung nahegelegt. Ein Verein, der aber (finanzielle) Förderung benötigt, woher soll der sich das Geld für eine Zertifizierung nehmen, ohne die er nicht in die Nähe ver Fleischtöpfe kommt?
(Das habe ich jetzt vereinfacht dargestellt, läuft in der Praxis im Detail natürlich anders.)

Ich für meinen Teil finde es äußert schwierig, dass gerade in den Gemeinden, in denen tatsächlich kirchenmusikalisch - umgangssprachlich gesprochen - "noch was geht", auch Personenkult betrieben wird. Sei es um den Hauptamtler an der Hauptkirche herum oder wegen dem exklusive Kreis der Amateure.

Entscheidend für mich ist aber allwöchentlich die Frage, was ich denn nun am Sonntag spielen könnte und ob es sich lohnt, wegen den 15 Leuten die da in der Kirche hocken. Meine Helden sind die Jungs und Mädels, die jeden Sonntag an den kleinen Orgeln gute Leistungen erbringen.

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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von Dorforganistin » Donnerstag 3. Oktober 2019, 12:20

Es lohnt sich sogar für drei Leute... ich wähle das, was ich spiele, nicht danach aus, wie viele Menschen wohl in den Gottesdienst kommen werden. Aber ich erlebe immer wieder, dass ich mit dieser Einstellung für Verwunderung sorge.

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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von olds » Donnerstag 3. Oktober 2019, 20:32

Natürlich lohnt das sich. Ich bezog das auch mehr auf meine Beobachtung, dass die schlechtbesuchten Gottesdienste immer von den gleichen Organisten gespielt werden, während sich die "Stars" der Nebenamtler recht erfolgreich drücken.

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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von stummorgel » Samstag 5. Oktober 2019, 12:48

Nachwuchs fördert man auch durch adäquate Bezahlung.
Und wenn ich mir da so die Leistungen mancher Bistümer betrachte, dann "Gute Nacht"....

Im Zuge der "synodalen Erneuerung" werden ja auch nun etliche Großpfarreien gebildet. Bei uns sieht das so aus, daß man zwar vorerst seine bestehenden Verträge verlängert bekommt, dafür aber auch Einsatz zum gleichen Geld in 25km entfernten Ortschaften leisten soll.
Kurzum: Hochamt inkl. Anfahrt 28,- € brutto.

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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von Administrator » Samstag 5. Oktober 2019, 14:19

Also bei einer Vergütung ohne extra Fahrtkosten würde ich die Segel streichen (müssen). Das lohnt sich einfach nicht.

Ich merke: Nachwuchs hängt an vielen Faktoren. Und es besteht durchaus Berechtigung zur Sorge, da wohl an vielen Orten das Verständnis für den Nachwuchs, wie auch die bestehenden Organisten fehlt.

Lösungsvorschläge gab es ja schon: Schaffung einer Art "Vermittlungsstelle", also einem KiMu, der sich um die Bedürfnisse beider Seiten kümmert und Kommunikation schafft. Sehe ich das richtig?
Das könnte aber ein steiniger Weg, sowohl bei der Schaffung der Stelle als auch bei der Durchführung dieser Arbeit werden.
Herzliche Grüße

Daniel
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stummorgel
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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von stummorgel » Samstag 5. Oktober 2019, 15:04

Solange der Wert des Kirchenmusikers ungefähr auf Augenhöhe des Hausmeisters rangiert, wird das alles sehr fruchtlos.
Unterm Strich setzt die Mehrheit des Klerus doch auf "eigene Ideen"..... Kimus werden doch nur benötigt, um die Choralpumpe zu treten.
Einen wirklich ernsthaften Ansatz freier, eigenverantwortlicher Arbeit, vom Klerus gefördert und forciert, gibt es leider nur ganz selten.
Hauptsache, die Orgel oder das Keyboard spielen......

Das ist leider die Realität, die ich in über 30 Jahren beobachtet und erlebt habe.

Ronald Henrici
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Re: Keine Sorge um Nachwuchs?

Beitrag von Ronald Henrici » Mittwoch 9. Oktober 2019, 18:13

Liebe Forums - Teilnehmer zu diesem Thema !
Den Gedankengang der Kollegin aus Wetterau in Hessen möchte ich hiermit etwas weiterführen und argumentativ untermauern. Die Kollegin befindet sich in einer ausgesprochen guten gemeindesoziologen Situation der Hessischen Landeskirche, die auch zu ihrer positiven Stellung zu dem Thema beiträgt. Als ich öfter in den 60er und 70er Jahren in Nordhessen meine Runden machte, habe ich fast überall - gerade bei den nicht hauptamtlich besetzten Gemeinde-Organisten-Stellen - erfreulich viele junge Musiker "vorgefunden", die hervorragende Leistungen in den Gottesdiensten erbrachten, mit viel Engagement und Idealismus. Das lag auch daran, dass sich die wenigen hauptamtlichen Kirchenmusiker im Gebiet zwischen Marburg und Giessen, zwischen Frankfurt und Schlüchtern, zwischen Wetzlar und Hanau auch mit den vielen "dörflichen" Organistendiensten befassten, und deshalb auch auf den Dörfern Dienst taten, während die "Dorforganisten" den hauptamtlichen Kirchenmusiker jeweils in "seiner" Gemeinde den Dienst an dem jeweiligen Sonntag versahen. Das ist doch auch ein toller Anreiz für den Dorforganisten, oder etwa nicht ?!!
Und der Hauptamtler hatte den Vorteil, das Können seines Dorforganisten einzuschätzen und zu fördern ! Ohne ein "heimlicher Zuhörer" in dem ein oder anderen Gottesdienst sein zu müssen......
Anderes Beispiel:
Am Niederrhein gibt es einen Kirchenkreis, in dem der Kreiskirchenmusikwart und Kirchenmusiker einer Gemeinde in seinem Kirchenkreis häufig sonntags selbst die Organistenvertretungen vorgenommen hat, wenn der jeweilige Nebenamtler aus irgendwelchen Gründen vertreten werden musste.
Der Kreiskirchenmusikwart hat dann nicht einfach einen Vertretenden in die Gemeinde geschickt, sondern sich selbst in seiner Gemeinde vertreten lassen. Das ist in den meisten Fällen so geschehen (mit der Aufforderung an mich). Vorteil. er konnte sich sehr gut ein Bild machen, welches Können des "Dorforganisten" in der jeweiligen Gemeinde gewünscht und auch vom Dorforganisten angeboten und ausgeübt wird. Bei halbjährigen Treffen mit seinen Nebenamtlern hat er dann entsprechende Thematiken vertiefend behandelt...
Drittes Beispiel:
Entstanden in den letzten Jahren bei der Badischen und Württembergischen Kirche. Bezirksweise holt der Bezirkskantor halbjährlich seine Nebenamtler zusammen zu einem Nachmittag mit einem Thema der Fortbildung (z.B. Wie begleite ich die neuen Lieder im Anhang des Gesangbuches ?, Wie führe ich ein Singleitung durch, in der die Gemeinde mit unbekannten Liedern eingestimmt wird und bekannt gemacht wird ?) und auch zu einem Gesprächsaustausch der Nebenamtler untereinander mit Geschehen aus den Gemeinden und entsprechenden Anregungen, die dann auch in den Gemeinden umgesetzt werden können...Das hat schon bei manchen Nebenamtlern zu mehr Sicherheit im Musizieren und zu mehr Selbstbewußtsein geführt ("Das kann ich doch auch! Und warum tue ich es nicht in meiner Gemeinde ?!)
Es gibt Möglichkeiten... Es kommt dabei ganz darauf an, wie der Hauptamtler im Umkreis seine Stellung sieht, ob er sich als Konzertmusiker sieht oder ob er sich als musikalischer Gemeindeförderer sieht.....
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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