Vorstellung aus der Ferne .. aus einer historischen Orgellandschaft (Anfänger...)

Hier können sich Musiker, Kantoren, Organisten, Dirigenten, Musikbegeisterte, ..., ..., ...
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jo-buettner
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Vorstellung aus der Ferne .. aus einer historischen Orgellandschaft (Anfänger...)

Beitrag von jo-buettner »

Hallo miteinander
mich hat es aus diversen Gründen jetzt im Vorruhestand (oder sowas ähnliches) nach Transsilvanien verschlagen; und kaum war ich hier einigermassen angekommen, hab ich endlich wieder (!) mit Orgelunterricht anfangen können. Als Schüler durfte ich Heimorgel lernen (der Lehrer war Alleinunterhalter und entsprechend das Übungsprogramm, an alte Musik kam ich da nicht), hab dann im Studium kurzzeitig an der Kirchenorgel gelernt, dann aber aus Zeit- und Kostengründen wieder aufgehört und viele, viele Jahre nur so vor mich hingeklimpert, daheim.
Jetzt hab ich die Zeit (ich lerne langsam...) und Musse für Unterricht und durfte kürzlich den ersten Gottesdienst hier begleiten.

Man muss da aber schon von ganz andern Bedingungen ausgehen, als im "verwöhnten" Deutschland: Gottesdienst war einmal mit 9, einmal mit 4 Personen (Pfarrer und "Organist" schon mit eingerechnet). Die Kirchenorgel an der ich üben kann, hat immerhin ein Manual (http://orgeldatei.evang.ro/organ/view/1024), das Pedal ist demontiert, damit könnte ich zur Zeit eh nix anfangen. Daheim hab ich inzwischen ein zweimanualiges Sakralkeyboard von Viscount, das macht auch Laune. Es gibt auch schöne Orgeln hier, an die komm ich aber nur selten. Aber auch recht rustikale Angelegenheiten - ich hab hier mal zum Üben einen Nachbarn als Kalkant engagiert und bin in ein abgelegenes Dorf gefahren - wenn der Balgtreter nebenbei rumpelt (weil es in der Kirche zur Zeit keinen Strom gibt und daher der Motor nicht läuft) und das eine Manual (wohl noch Original, aus 1793) geschlagen werden will.. auch das macht Freude.

Ich interessiere mich für leicht spielbare (!), schön bis mächtig klingende Orgelliteratur, als kurze Vor- oder Nachspiele und bitte nehmt mir, wenn ich mal was frage, meine "dummen" Fragen nicht schlecht auf.

Transsilvanien ist - aufgrund der Vielzahl der alten Kirchen, zumeist mit Orgel - für Organisten, denen es nicht vorrangig um den perfekten Ton sondern um ein Gesamterlebnis geht - sicher eine Reise wert.

Fröhliche Grüsse, Jochen
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Re: Vorstellung aus der Ferne .. aus einer historischen Orgellandschaft (Anfänger...)

Beitrag von Administrator »

Hallo Jochen,

herzlich willkommen in unserem Forum.

Transsilvanien - das klingt ja spannend. Mein Sohn war vor einiger Zeit mit der Schulklasse dort. Gibt es da nicht eine schwarze Kirche?
Magst Du ein bisschen aus dem kirchenmusikalischen Umfeld berichten?

Wenn Du Noten brauchst, schau gerne mal in unseren Shop. Oder frag einfach, sicher wird Dir jeder gerne helfen.
Herzliche Grüße

Daniel
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jo-buettner
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Re: Vorstellung aus der Ferne .. aus einer historischen Orgellandschaft (Anfänger...)

Beitrag von jo-buettner »

Salü, Admin und alle

Ja, Transilvanien klingt ja erstmal düster, geheimnisvoll - Dracula-Land halt. In Wirklichkeit ists eine nette, ansprechende Gegend, hügelig, viel freies Grasland auf den Hängen, wo unterm Jahr die Schafe mit den Hirten herumziehen. Nette Ortschaften mit gepflegten Häuschen und den typischen geschlossenen Fronten zur Strasse hin - was sich hinter den grossen Hoftoren verbirgt, kann man nur raten. Aber natürlich auch mit armseligen Vierteln und heruntergekommenen Hütten, wo Menschen in bitterer Armut leben. Auf der Strasse fahren BMW, Audi und Pferdekarren nebeneinander (je nach Gegend letzteres weniger, aber es gibt sie noch). Diese grossen Unterschiede machen den Alltag immer wieder spannend; Improvisation ist hier kein kirchenmusikalisches Erlebnis, sondern überall Alltag.

Die Kirchgemeinde in die ich hier hineingeraten bin, konzentriert sich hauptsächlich in der Stadt Medias, von dort werden die Dörfer mitbetreut, die allesamt keinen eigenen Pfarrer haben. Im Schnitt alle 14 Tage findet dann (je für 2-4 Ortschaften gemeinsam) der Gottesdienst statt; wer mangels Auto nicht in den betreffenden Ort kommen kann, wird vom Kirchen-Kleinbus vorher eingesammelt. Die Liturgie richtet sich nach der Evangelischen Kirche A.B. Rumäniens; als Deutscher sind viele Lieder bekannt - aber ab und zu gibts doch markante Unterschiede in Melodie und/oder Rhythmus - da gilt es aufzupassen.

In den Kirchen, in denen ich bisher zum Gottesdienst war, steht jeweils eine funktionsfähige Orgel (nicht immer geht alles, und auf gute Stimmung der Pfeifen muss man auch nicht wetten), aber die Grundfunktionen sind natürlich da. Sowohl die schöne, gut gepflegte Orgel in Medias in der Margarethenkirche (Johannes Hahn, 1755) als auch die Orgel in "meiner" Kirche (Wegenstein Söhne 1926) haben sehr leichtgängige Klaviaturen, da ist mein Sakralkeyboard daheim viel "strammer" - aber dann ist dies zumindest beim Üben auf den Orgeln kein Hindernis.
In Medias selbst wird auf Musik grosser Wert gelegt; im Sommer finden regelmässig Kirchenkonzerte statt, mit oder ohne Orgel. Daneben gibt es noch zumindest zwei Kirchenchöre und die Pfarrer und Pfarrerinnen sind allesamt musikalisch praktizierend.

In den grossen Städten Sibiu/Hermannstadt und Brasov/Kronstadt (wo sich besagte Schwarze Kirche mit einer sehr imposanten Orgel befindet) habe ich bisher noch keine Kirchenkonzerte besucht. Aufgrund der Corona-Einschränkungen war dies im letzten Jahr ja auch nahezu unmöglich.

Wer Transsilvanien bereist, könnte auch direkt in der Kirchenburg in Axente Sever / Frauendorf übernachten (https://adz.ro/artikel/artikel/die-lehr-kirchenburg), verkehrstechnisch gut gelegen zwischen Sibiu und Medias; beide Städte lassen sich gut von dort mit dem (Miet-)Auto erreichen oder gar mit dem Zug. Ebenso Sighisoara/Schässburg mit der grössten, bewohnten mittelalterlichen Burganlage [absolut sehenswert!], oder auch Biertan/Birthälm wo eine mehrfach mit Schutzmauern umgebene Kircheburg über dem Ort thront.
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