Einen wunderschönen Abend aus Dresden

Hier können sich Musiker, Kantoren, Organisten, Dirigenten, Musikbegeisterte, ..., ..., ...
ausgiebig vorstellen
Antworten
DenkDirBass 6 2/5'
Beiträge: 2
Registriert: Freitag 2. August 2019, 00:30
Wohnort: Dresden

Einen wunderschönen Abend aus Dresden

Beitrag von DenkDirBass 6 2/5' » Dienstag 6. August 2019, 01:32

Hallo alle miteinander.

Nach Jahren des stummen Mitlesens gab ich meinem Herzen endlich einen Stoß und tadaa hier bin ich.

Ich bin katholisch, 24 Jahre alt, Student in Dresden und spiele leidenschaftlich nebenher Orgel. Meine Liebe zu diesem Instrument entbrannte früh, schwelte eine ganze Weile vor sich hin und wütet jetzt seit ein paar Jahren als kleines Inferno durch mein Bewusstsein.
Nach der Schule ging ich ans C-Seminar in Halberstadt und gehörte dort zum letzten Jahrgang, bevor dieses dann nach Halle "verlegt" wurde.
Seitdem spiele ich regelmäßig in Messen, doch auch vertretungsweise oder zu Stoßzeiten in evangelischen Gottesdiensten.
Nebenbei verschlinge ich nahezu alle Schriften, die ich über Orgeln in die Finger bekomme und so bin ich hier bei euch gelandet.

Doch nun zu dem eigenlich Interessanten:
Gelernt habe ich an einer generalsanierten Jehmlich (1917,III/53) in der evangelischen Stadtkirche meiner Ostthüringer Heimatstadt.
In Dresden ist mein derzeitiges Dienst- und Übinstrument eine schnucklige kleine Jehmlich (1978,II/14). Ab und an vertrete ich auch mal an ihrer gebrechlichen Schwester (1910, II/13), die aber vermutlich nur noch aus Gewohnheit funktioniert.

Mein Traum wäre eine echte Pfeifenorgel in meiner katholischen Heimatkirche, denn dort steht seit zwanzig Jahren eine Johannus Opus 10. Doch ich glaube, da kann ich lange träumen.

Liebe Grüße an die Allgemeinheit aus dem schönen Elbflorenz

Euer DenkDirBass 6 2/5'.

Dorforganistin
Beiträge: 86
Registriert: Freitag 10. April 2015, 15:26
Wohnort: Wetterau, Hessen

Re: Einen wunderschönen Abend aus Dresden

Beitrag von Dorforganistin » Mittwoch 7. August 2019, 10:50

Herzlich willkommen :)

Benutzeravatar
Administrator
Site Admin
Beiträge: 918
Registriert: Donnerstag 7. September 2006, 16:31
Wohnort: Celle
Kontaktdaten:

Re: Einen wunderschönen Abend aus Dresden

Beitrag von Administrator » Donnerstag 8. August 2019, 16:03

DenkDirBass 6 2/5',

herzlich willkommen in unserem Forum. Ich wünsche Dir, dass das Inferno ein Leben lang anhält. Und wenn Du mal Bücher oder Noten brauchst, stöber gerne in unserem Shop - https://www.dkunert.de - (oder frag bei Bedarf bei uns per Mail an) - über den Buch-/Notenhandel finanzieren wir unser Orgel-Portal.

Wie groß ist denn Deine Heimatgemeinde? Gibt es da gar keine Chance, die Leute für eine echte Orgel zu sensibilisieren?
Herzliche Grüße

Daniel
(Admin)
_______________________________________
http://www.musik-medienhaus.de
http://www.orgel-information.de
http://www.buch-und-note.de
http://www.notenkeller.de

DenkDirBass 6 2/5'
Beiträge: 2
Registriert: Freitag 2. August 2019, 00:30
Wohnort: Dresden

Re: Einen wunderschönen Abend aus Dresden

Beitrag von DenkDirBass 6 2/5' » Montag 12. August 2019, 12:10

Liebe Dorforganistin, lieber Administrator,

herzlichen dank für das herzliche Willkommen.

In meiner Heimatgemeinde gibt es laut Papier noch rund 700 Mitglieder. Davon gehören etwa 100 zum harten Kern, der auch regelmäßig in Messen erscheint, im Putz-, Rasenmäh- und Lektorendienst involviert ist, etc..

Der eine Grund, weshalb mein Flehen unerhört bleibt, ist die aktuelle Liquidität. Derzeit laufen die Planungen, unser Geläut wieder auf Vorkriegsniveau zu bringen. Darin bin auch ich in großen Umfang beteiligt. Das steht dem Orgelprojekt zwar nicht im Wege, wenn man perspektivische Vorausplanung betreibt, ist aber erst mal ein Hemmnis. Das wortführende Mitglieder des Rentnervorstands dem In-Afrika-verhungern-Kinder-Zirkel angehören, macht die Sache nicht einfacher.

Der gewichtigste Grund ist, dass sich große Teile der (verrenteten) Gemeinde in eine selbstgewählte Perspektivlosigkeit verabschiedet haben. Natürlich sind wie in vielen anderen Gemeinden die Jugendlichen fern geblieben. Die Einsicht, dass man diese mit dem ewigen Nachträumen der besseren Zeiten und papageihaften Rezitieren der bekannten Sprüche verjagt haben könnte, kommt bei diesen Altvorderen jedoch nicht an. Bei diesen laufen sich Visionen spätestens in einem "In zwanzig Jahren machen die die Kirche eh zu!" tot. Rein aus soziologischer Perspektive ist es jedoch interessant, dass wenn nur die zwei wichtigsten Alten (endlich) das Zeitliche segnen würden, die gesamte Gemeinde einen hoffnungsvollen Satz nach vorne machen würde.

Der künstlerische Aspekt als mein wichtigstes Argument bleibt meist in einem "Aber es klingt doch schon gut so!" oder "Den Unterschied erkennt doch sowieso keiner!" stecken. Natürlich hat die Gemeinde nach 50 Jahren Harmonium und danach 30 Jahren DDR-Hammond-Surrogat schon einen gewissen Qualitätssprung hinter sich, doch bleibt das ganze in meinen Augen ein Provisorium. In diesbezüglichen Diskussionen wird meinem liebsten Vergleich mit dem versilberten Plastikbecher dann gar nicht mehr zugehört.

So jetzt habe ich mir einen großen Teil von der Seele geschrieben, hoffe ich war nicht zu pessimistisch. Doch wenn man zuviel Zeit mit solchen Dickschädeln verbringt, flüchtet man sich entweder in eine Parallelwelt, spielt fast nur noch in evangelischen Kirchen (und die freuen sich riesig, wenn ich zu denen aufs Land komme um auf zwar sehr kleinen aber sehr echten Orgeln zu spielen) oder zieht weg.

Liebe Grüße aus Dresden

DenkdirBass

Antworten