Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Alles, was sonst nirgendwo passt.
z.B. Grüße, Wünsche, Verabredungsgesuche, ...
Antworten
Benutzeravatar
Administrator
Site Admin
Beiträge: 957
Registriert: Donnerstag 7. September 2006, 16:31
Wohnort: Celle
Kontaktdaten:

Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Administrator »

Liebe Musikerinnen, Musiker, Forumsleser und -schreiber,

in unserem aktuellen Newsletter nehme ich auf den manchmal vorkommenden Zeitdruck Bezug:
Advent und Weihnachten als Stressfaktor? Zeitdruck und Hetze statt Besinnlichkeit?
Kann man da überhaupt noch so richtig Musik machen? Und die Menschen in dem Advent, der Zeit der Erwartung, zur Krippe führen? Und ist dann an Weihnachten noch genug Energie da, um fröhlich das Erscheinen des Gottessohnes zu feiern?

Wie gehen Sie mit diesem Zeitdruck um? Was sind Ihre Tipps und Tricks, um solche Festzeiten zu überstehen? Wie bringen Sie Ihr schlechtes Gewissen, ob der vielen liegengebliebenen Aufgaben, zum Schweigen?
Berichten Sie uns per Mail, Brief oder in unserem Forum, wie Sie damit umgehen und helfen Sie anderen Lesern mit Ihren Erfahrungen. Ich bin sehr gespannt, was Sie berichten.
Auf Eure/Ihre Berichte, Tipps und Anregungen hier im Forum bin ich sehr gespannt.
Herzliche Grüße

Daniel
(Admin)
_______________________________________
http://www.musik-medienhaus.de
http://www.orgel-information.de
http://www.buch-und-note.de
http://www.notenkeller.de
kernspalter
Beiträge: 798
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von kernspalter »

"Kann man da überhaupt noch so richtig Musik machen?" - für einen Profimusiker ist das eine seltsame Frage. Ob im Terminkalender Adventsliedersingen, Weihnachtsoratorium, Krippenfeier oder die Probe fürs Neujahrskonzert steht - man geht da halt hin und macht so richtig Musik.

Ein Mittel zur Streßvermeidung kann darin bestehen, sich - gerade in der Adventszeit - den einen oder anderen Tag langfristig freizuhalten, und zwar frei von jeglichem Termin. Und sich dann auch nichts anderes vorzunehmen als Faulenzen, Spazierengehen, ein Buch lesen und ähnliche nützliche und gesunde Tätigkeiten. E-mails lesen ist vielleicht auch noch o.k., aber das Antworten hat sicher noch Zeit bis zum nächsten Tag.
Mit kernspalterischen Grüßen
Benutzeravatar
olds
Beiträge: 347
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von olds »

Dieses Jahr habe ich übetechnisch total daneben gelegen.

Die drei von mir gewählten Stücke waren zu Weihnachten alle nicht "reif", hinten raus fehlte mir einfach die Zeit zum üben.

Ich habe mir schon länger einmal überlegt zeitversetzt zu üben. In der Fastenzeit und über Ostern weihnachtlich, im Advent und an Ostern dann entsprechend entgegengesetzt.

Auch bin ich immer mehr der Meinung, dass man nur eine Verpflichtung eingehen sollte. Ich habe jetzt recht viel Stress durch den Chor gehabt, der dann auch noch einen zusätzlichen Einsatz bekam, da am ersten Advent die Pfarrerin installiert wurde.
Benutzeravatar
Administrator
Site Admin
Beiträge: 957
Registriert: Donnerstag 7. September 2006, 16:31
Wohnort: Celle
Kontaktdaten:

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Administrator »

Genau das meinte ich. Manchmal ist soviel los, dass man beim Üben nicht den Kopf frei hat. Und nicht jeder Kirchenmusiker ist Vollprofi, also nur am Musizieren, sondern viele haben noch Familie, Arbeit und manch anderes im Kopf. Das ist nicht immer einfach und mir geht es manchmal so, dass ich froh bin, wenn Feiertage sich dem Ende zuneigen. Aber das ist ja eigentlich nicht der Sinn der Sache, oder?
Herzliche Grüße

Daniel
(Admin)
_______________________________________
http://www.musik-medienhaus.de
http://www.orgel-information.de
http://www.buch-und-note.de
http://www.notenkeller.de
Benutzeravatar
olds
Beiträge: 347
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von olds »

Ich habe mich am ersten Weihnachtsfeiertag mit einem talentierten C-Organisten unterhalten. Der meinte zu meiner Frage, wie lange er denn an so einem Stück üben würde, dass er nur 2-3 Stücke im Jahr erarbeitet. Natürlich mit entsprechender Schwierigkeitsstufe.

Das enstspricht auch in etwa meiner Schlagzahl, gerade was den Bereich betrifft, der für mich eine Grenze des Machbaren darstellt.

Zumindest für mich stellt sich da halt schon die Frage, ob ich auf ehrgeizige Ziele zu Gunsten der Quantität verzichten soll. Derzeit komme ich auf ca. 5-7 Orgeldienste im Monat. Da herum dann noch anspruchsvolle Werke zu üben wird schwer.

Vor den Festtagen habe ich daher tatsächlich mal darüber nachgedacht, in mittelfristig dieses Engagement einzudampfen. Hintergrund hier sind zwei andere zeitaufwendige Hobbies, die mit gewisser Wahrscheinlichkeit meinen tatsächlichen Bedürfnissen viel näher kommen als das dann doch recht häufig stressige Musizieren.

Aber was man dabei natürlich nicht aus den Augen verlieren darf: Als Nebenamtler sitzt man heute sehr schnell viel tiefer im Sattel als man sich wünscht.
Ich bin jetzt dann auch noch Mitglied im Pfarreirat und im Gemeindeausschuss. Die Zahl derer, die sich engagieren wird immer kleiner, also wird jeder gefragt, der was tut.

Also kommen zu den Diensten und der Zeit wo man übt noch die Gremienarbeit hinzu.
Dorforganistin
Beiträge: 103
Registriert: Freitag 10. April 2015, 15:26
Wohnort: Wetterau, Hessen

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Dorforganistin »

Administrator hat geschrieben: Montag 30. Dezember 2019, 15:42 Und nicht jeder Kirchenmusiker ist Vollprofi, also nur am Musizieren, sondern viele haben noch Familie, Arbeit und manch anderes im Kopf.
Kommt ganz auf die Definition von "Profi" an. Man kann auch in Teilzeit Profimusiker sein (ist bei mir der Fall). Ich hatte am ersten Adventswochenende drei Konzerte, das war zeitlich alles ein bisserl dick, aber gestresst hat mich das nicht. Im Gegenteil, es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und mich beflügelt. Ich freue mich jetzt auf die 2020er Saison. Geplant sind derzeit zwei Orgelkonzerte und vier Chorkonzerte und es kommt sicher noch mehr dazu.

Ich kann aber verstehen, dass man mit einem "normalen" Vollzeitjob und einer nebenamtlichen Organistenstelle schon mal ins Rotieren kommt. Trotzdem sollte der Spaß an der Musik nicht verloren gehen.
Benutzeravatar
olds
Beiträge: 347
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von olds »

In der heutigen Zeit muss man als Nebenamtler wirklich darauf achten, dass man sich nicht überläd. Mir hat ein in der Gemeindearbeit engagierter guter Bekannter das vor einiger Zeit so erklärt:

"Immer weniger machen noch was, diejenigen die noch was machen werden dafür mit immer mehr beladen."
Dorforganistin hat geschrieben: Mittwoch 1. Januar 2020, 11:07 Ich kann aber verstehen, dass man mit einem "normalen" Vollzeitjob und einer nebenamtlichen Organistenstelle schon mal ins Rotieren kommt. Trotzdem sollte der Spaß an der Musik nicht verloren gehen.
Mir persönlich geht der Spaß am Musizieren nicht verloren, aber es sind einfach die Umstände, die mir die Lust am sich Engagieren immer mehr verleiden.

Wie vielleicht noch bekannt ist, habe ich das große Glück an einer tollen romantischen Orgel von 1878 meine Dienste zu versehen. Mein Pech dabei:
Das Instrument lässt nicht jedes Literaturspiel zu. Das ich also immer wieder gerne in anderen Gemeinde einspringe kommt einfach dann auch daher, dass ich auch gerne mal ein jüngeres Instrument mit genormten Abmessungen spiele. (Siehe meinen Thread mit dem Pedal).

Das Ergebnis sieht dann aber leider schonmal so aus, dass man vor herzliche wenig Leuten spielt, weil eben noch was anderes ist. Am zweiten Weihnachtsfeiertag stand bei mir eine größere Orgel an (III, ca. 45 Register).

Die Vorfreude meinerseits: sehr groß. Die Anzahl der Gläubigen: peinlich.

Wie sich herausstellte, singen dort viele Kinder und Jugendliche in der Jugendkantorei, seit zwei Jahren gibt es aber nun die Regelung, dass die Jugendkantorei immer den 2. Feiertag oder den Oster-, bzw. Pfingstmontag singt. Damit saugt diese Hauptkirche viele Familien von den kleinen Gemeinden weg und die kleinen Nebenamtler dürfen 12-15 ältere bis sehr alte Herrschaften bespielen.

Somit ist dann für mich auch plötzlich dann schlagartig klar geworden, warum ausgerechnet ich für die Messe angefragt wurde. Nach einigen Umstellungen spiele ich in dieser Pfarrei praktisch nicht mehr, außer eben so Spezialeinsätze. Kein Wunder, die drei Damen die da sonst alles machen sind in der Jugenkantorei nebenamtlich engagiert.

Bei so Geschichten bin ich inzwischen immer häufiger bereit "nein" zu sagen. Nur weil es in den Strukturen irgendwo klemmt, muss ich mir doch nicht Mühen auferlegen.

Und das ist nunmal so ein Punkt: Ich habe diese Orgel mit großer Freude gespielt, aber in der Rückschau ärgert mich das nunmal. Eben, weil sich diese Termine häufen. Man wird zu einer Art "Duracel-Häschen", das immer und überall ständig macht und tut, nur damit bei anderen Leuten im Kalender Termine abgehakt werden können.
Dorforganistin
Beiträge: 103
Registriert: Freitag 10. April 2015, 15:26
Wohnort: Wetterau, Hessen

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Dorforganistin »

Ich bin diesbezüglich "Kummer" gewöhnt. In meiner Hauptgemeinde kommen selten mehr als ein Dutzend Leute zum normalen Sonntagsgottesdienst. Und selbst wenn nur drei kämen, so wäre das für mich kein Grund, mein Engagement zurückzufahren. Ich spiele für die, die da sind. Aber das habe ich bestimmt schon mal irgendwo geschrieben :wink:

Dass Du Dich als "Notnagel" siehst und das Ganze für Dich negativ ist, tut mir leid, aber für mich gilt seit Jahr und Tag nicht nur in ehrenamtlichen Tätigkeiten, sondern auch in meinen bezahlten Jobs: ich kann das, was andere tun und denken, nur in geringem Maße beeinflussen. Ich kann aber das, was ich tue und denke, beeinflussen, und das ganz gewaltig. Ich kann mich aktiv dafür entscheiden, mich eben nicht über jemanden zu ärgern. Wenn ich jemanden als "schwierig" empfinde, kann ich mich darüber aufregen, aber das ändert ihn ja nicht. Ich kann das mit der Aufregung auch lassen und bin dadurch viel entspannter. Und wenn ich mich nicht mehr über eine Person oder eine Situation aufrege, fühlt es sich oft auch besser an oder wird tatsächlich besser. Weil positive Energie im Spiel ist.

Ich liebe es, ab und zu auf anderen Orgeln zu spielen, die mir mehr Möglichkeiten bieten als meine Hauptinstrumente. Die Freude darüber würde ich mir nicht von anderen durch deren Nichtanwesenheit madig machen lassen.
Benutzeravatar
Administrator
Site Admin
Beiträge: 957
Registriert: Donnerstag 7. September 2006, 16:31
Wohnort: Celle
Kontaktdaten:

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Administrator »

Hallo zusammen,

@olds: Es tut mir leid, wenn ich so etwas lese. Wenn Organisten, die gerne spielen und gerne Musik machen, so verschlissen und als Notnagel genutzt werden, ist sehr schade. Ich wünsche Dir da eine Besserung der Lage und dass die Gemeinden wieder mehr Wertschätzung spüren lassen. Vielleicht wäre ein klärendes Gespräch hilfreich? Eventuell ist manchen Deine Sichtweise gar nicht bewußt?

Mir selbst merke ich manchmal ein leichtes Ausgebranntsein an. Einfach weil zu viele Termine ankommen. Ich mache gerne Musik, aber die Vielzahl der Termine raubt mir dann doch etwas Energie. Ich selbst muss lernen, mehr positiv zu denken (wie die Dorforganistin schrieb) und auch mal nein zu sagen, wie Du es schriebst.
In der Weihnachtszeit habe ich versucht, mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Mal mehr Spieleabende, usw. Das hat schon geholfen. Aber seit Neujahr bin ich wieder in den alten Trott geraten. Und die Kinder auch. Da muss ich noch gute Wege finden.

Was mir selber sehr fehlt, ist der Kontakt zu den KiMu-Kollegen. Nur eine Jahreskonferenz ist arg wenig. Manche sieht man ab und zu, aber wirklicher Austausch und Klönen - das fehlt ein wenig. Und gerade da sehe ich eigentlich Potenzial für Entspannung. Denn man kann sich gegenseitig Tipps geben, vielleicht auch mal Termine tauschen um Fahrtzeiten zu sparen, usw.
Herzliche Grüße

Daniel
(Admin)
_______________________________________
http://www.musik-medienhaus.de
http://www.orgel-information.de
http://www.buch-und-note.de
http://www.notenkeller.de
Dorforganistin
Beiträge: 103
Registriert: Freitag 10. April 2015, 15:26
Wohnort: Wetterau, Hessen

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Dorforganistin »

Administrator hat geschrieben: Mittwoch 8. Januar 2020, 15:51 Einfach weil zu viele Termine ankommen. Ich mache gerne Musik, aber die Vielzahl der Termine raubt mir dann doch etwas Energie.
Ich schaue, bevor ich irgendwo zusage, nach verschiedenen Kriterien:
a) habe ich an dem angefragten Tag überhaupt Zeit? Und: wenn es eine aufwändigere Sache ist, habe ich an den Tagen davor und danach Zeit (zur Vorbereitung bzw. zur Erholung)?
b) reizt es mich musikalisch? oder ist es z.B. ein besonderer Gottesdienst, der interessant wäre?
c) wie weit ist es entfernt, wie gut oder schlecht komme ich hin?
d) mit wem arbeite ich? Kenne ich die Leute? Arbeite ich gerne mit ihnen?
e) Honorar

Manchmal sage ich auch Anfragen aufgrund anderer Kriterien ab. Wenn z.B. jemand darauf bestünde, dass ich bei einer evangelischen Hochzeit ein Ave Maria singe, oder so.
Ronald Henrici
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Ronald Henrici »

Die Handhabung des Engagements der "Dorforganistin" im Hessischen darf ich sehr schätzen. da entsteht weder Zeitdruck noch Stress. Selbst aus meinen Erfahrungen heraus !!
Wenn ein musizierende Person zeitweilig nur Stress empfindet, dann ist der Person einmal vor Augen zu führen, warum es sich um eine "Musizierende Person" handeln muss. Diese musizierende Person kennt keinen Stress, denn diese Person freut sich darüber zu musizieren und anderen Personen damit Freude zu bereiten.
ich freue mich zum Beispiel sehr darüber, wenn ich Sonntag für Sonntag, Feiertag für Feiertag, in den Gottesdiensten zu musizieren, auch wenn inzwischen mein "Wanderorganisten - Terminkalender" sich für 2020 mit meinem Dienst an den vielen verschiedenen Orgeln - seit 10 Jahren im Süden Deutschlands - schon so langsam füllt. Jede Orgel darf gespielt werden und lebt davon, große und kleine Orgeln - ganz mit dem Spruch von Charles Marie Widor, der stets am Schluss meines Beitrags steht - …
Gewiss geht das wirklich sehr gut mit der Beachtung der Punkte, die die Kollegin "Dorforganistin" aufführt...
Das war auch immer dann so, als ich meine hauptberufliche Tätigkeit ausübte, die nur ganz wenig mit Orgelspiel zu tun hatte...
Mit besten Grüssen auch an die Stress Empfindenden und Zeitdruck Empfindenden Kollegen
Euer Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)
Benutzeravatar
olds
Beiträge: 347
Registriert: Donnerstag 26. Juli 2012, 08:43

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von olds »

Da ist viel Wahres dran!

Es ist auch immer ein sehr motivierender Moment, wenn die Gemeindemitglieder vor Ort sich freuen, dass ihre Orgel mal wieder richtig zum Klingen gebracht wurde.

Der Beitrag bestätigt aber indirekt auch meine These: Ich trete als Kirchenmusiker an, der in einem gewissen Rahmen auch gerne ehrenamtliche Dienste abseits der Orgelempore wahrnimmt.

Die Trennung wird hier aber immer schwerer, besonders in moderne Zeiten, eine Email ist schnell geschrieben, eine Messenger-Nachricht noch schneller.

Also schickt man mir an einem Sonntagmorgen um 08:00 Uhr eine WhatsApp Nachricht zu einem Glaubenskurs, der abseits meines Aufgabenbereiches liegt? Gut, ich soll dafür Werbung machen, könnte ich tun. Aber ich habe mit Kirchenmusik derzeit schon wieder gut zu tun...

Schon mein Orgellehrer hat um das Jahr 2001 herum einmal frustriert eine Meinung kund getan:
Das Bistum lässt Hauptamtliche ausbilden, die dann aber immer weniger übend auf dem Orgelbock sitzen, sich dafür aber umso mehr am Schreibtisch mit den Aufgaben einer Pfarrsekretärin oder eines Ehrenamtlers herumschlagen.
Ronald Henrici
Beiträge: 737
Registriert: Sonntag 18. Juli 2010, 21:44
Wohnort: Bad Krozingen und Donaueschingen

Re: Zeitdruck, Stress - Tipps und Lösungen

Beitrag von Ronald Henrici »

In der Tätigkeit als vertretender Organist schon seit 65 Jahren macht man so seine Erfahrungen mit den "kirchlichen Arbeitgebern", sprich Pfarrern und Pfarrerinnen. Das bezieht sich auch gerade auf die Würdigung des Organistendienstes sehr unterschiedlich. In den meisten Fällen gar nicht. Aber das bin ich bei dem "Arbeitgeber Kirche" durchaus gewohnt und spielt mit der Zeit - Lebenszeit - kaum noch eine Rolle.
Vielmehr spielt eine Rolle, dass eine vorhandene Orgel zum Lob Gottes und zur Erbauung der Gemeinde gespielt wird !
Die Würdigungen kommen kaum von den hauptamtlich Diensttuenden der Gemeinden - sprich Pfarrern und Pfarrerinnen - sondern spontan aus den Gemeinden !
Oder von gelegentlich einem Pfarrer, einer Pfarrerin, denen ich vorher völlig unbekannt war...
Ein Beispiel: Gottesdienst in einer Krankenhauskapelle. Gespielt hatte ich davor dort nie. Krankenhauspfarrer schickte mir zwei Tage vorher die Lieder per email. Und ich trat am Sonntagmorgen einfach an mit einem "Guten Tag" und weiter nichts. Liturgie - Ablauf hatte ich ja, also der Gottesdienst war für mich irgendwie Routine. Ohne Stress - trotz Elektronen - Orgel. Nach dem Gottesdienst sagte der Pfarrer ganz spontan zu einer Gottesdienstbesucherin: "Der Organist spielt ausgesprochen meisterhaft". Er wusste nicht, dass die Besucherin, die er ansprach, ausgerechnet meine Frau war. Und so kam mir das dann doch zu Ohren - zuhause -.
Anderes Beispiel von Würdigung: in einer anderen Gemeinde spiele ich öfter, abwechselnd mit einem Team von drei bis vier anderen ehrenamtlichen Musikern. Diensttuende Pfarrgemeinderatsmitglieder: gleich zur Begrüßung in der Kirche oder Sakristei "Wie geht es Ihnen ? Wir freuen uns, dass Sie da sind" mit Handschlag und einem verbindlichen Lächeln. Dass es mir gut geht, haben sie am Orgelspiel vernommen.
Ähnlich ist es mir in meiner Wandertätigkeit im hessischen Kinzigtal passiert, also in dem Gebiet zwischen Hanau, Schlüchtern, Fulda, Bad Neustadt, Bad Kissingen...
Auch mit diesen Erfahrungen kann ich die "Dorforganistin" in ihrer Haltung zum Dienst sehr gut verstehen...
Oder anderes Beispiel: In drei Gemeinden, in denen ich in den letzten 10 Jahren öfter gespielt habe, hat sich einiges geändert, neuer Pfarrer, neue Pfarrerin, anderer Gemeinderat, andere Organisten, neue Pfarrsekretärinnen. Das führte dazu, dass ich dort in den letzten vier Jahren völlig "abgemeldet" war. Neuerdings erhalte ich zaghafte Anfragen durch die Pfarrsekretärinnen mit Angeboten von Sonntagen, zu denen ich doch bestimmt Dienst tun wolle....Merkwürdig !! Nicht war !! Hat das nicht auch mit Wertschätzung zu tun, wenn man doch schon lange nicht mehr dort war ? Warum also jetzt auf einmal wieder nachgefragen ?
Liebe Forumteilnehmer zu diesem Thema: Hat meine Darstellung etwas mit Stress, Zeitdruck, Tipps und Lösungen zu tun ? Meine Antwort: Jawohl, hat es ! Das wird auch in vielen anderen Beiträgen zu anderen Themen von mir im Forum deutlich !
Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)
Antworten