Wie war das bei euch am Anfang?

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Christian_Hofmann
Beiträge: 8
Registriert: Montag 6. Juli 2020, 18:42

Wie war das bei euch am Anfang?

Beitrag von Christian_Hofmann »

Ich möchte mal ein Thema aufgreifen das unter Musikern leider sehr selten angesprochen wird. Wenn man selbst andere erfahrene Orgelspieler anschaut die scheinbar mühelos und ohne nachdenken zu müssen die wildesten Dinge spielen, dann möchte man ja meinen das man selbst irgendwie unfähig ist :D

Dies ist ja auch das Bild was man immer vor sich hat, jedoch ist klar das niemand sofort ein Meister an der Orgel war sondern es sich mühsam erarbeiten musste. Daher würde ich gerne mal von euch erfahren wie ihr überhaupt zur Orgel gekommen seid und was so eure großen Probleme auf dem Weg waren.

Ich fange mal an. Ich habe ja erst vor etwas über einem Jahr spontan beschlossen Orgel spielen zu lernen, so nach dem Motto das Instrument finde ich toll und ich will das auch können. Meine Voraussetzungen waren denkbar schlecht. Notenlesen konnte ich nicht, irgendein Instrument habe ich noch nie gespielt. Ich hatte also die denkbar schlechtesten Startbedingungen. Im Selbststudium habe ich mit also das erste halbe Jahr alles selber beigebracht, alle paar Tage als die Hände nicht das machen wollten was sie sollten habe ich die Idee immer hinterfragt. Als dann das Pedal dazu kam und ich überhaupt nicht zurecht kam dachte ich mir "Das wird doch nichts, dass schaffst du nie". Aber dann habe ich immer weiter geübt und irgendwann klappte es ganz langsam, dann immer schneller. Dann kam die nächste Herausforderung und alles wieder von vornen.

Inzwischen spiele ich etwas über ein Jahr und unser Kantor hat mich als Schüler angenommen da er bei mir scheinbar Potential sieht. Improvisation ist so mein Lieblingsthema und das kann ich inzwischen sehr gut. Nur diese ganzen Dinge wie Harmonisieren, Tonleitern und und und ist natürlich mühsam. Gefühlt trete ich auf der Stelle seit Monaten, objektiv betrachtet ist es aber nicht so. Wenn ich schaue das ich einfach mal so ein Lied harmonisieren kann in einer einfachen Tonart dann zeigt es ja dass es vorwärts geht. Aber man hat natürlich immer den Anspruch noch etwas mehr zu können als aktuell möglich ist.

Auf der einen Seite macht es unheimlich Spaß zu spielen und diese Momente wo die Musik einfach scheinbar Mühelos erklingt sind wirklich toll, gleichzeitig ist es stellenweise aber extrem Mühsam und frustrierend wieder etwas neues zu erarbeiten. War das bei euch auch so? Ich würde meine Beziehung zur Orgel als Hassliebe bezeichnen :lol: oder als Beziehungsstatus bei Facebook "Es ist kompliziert"
Dorforganistin
Beiträge: 102
Registriert: Freitag 10. April 2015, 15:26
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Re: Wie war das bei euch am Anfang?

Beitrag von Dorforganistin »

Ich kam als Pianistin zur Orgel; die Finger waren also nicht das Problem. :wink:
Ehrlich gesagt kann ich gar nicht genau sagen, wann es im Hirn "klick" gemacht hat und das Pedalspiel sowohl bei Chorälen als auch bei freien Werken eine Selbstverständlichkeit wurde, aber es hat "klick" gemacht. Insofern würde ich sagen, dass man mit Geduld, vernünftiger Übestrategie und dem Vertrauen auf das "klick" schon ans Ziel kommt.
Wobei "Ziel" immer relativ ist. Man lernt an der Orgel meiner Meinung nach nie aus, es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Und man muss sich auch nicht unbedingt mit den "Großen" messen oder vergleichen. Wenn ich heute beim Üben besser bin als ich es gestern war, habe ich etwas erreicht. Das ist es, was zählt.
Manchmal hilft es auch, ein Stück mal für eine Zeit wegzulegen und später wieder in die Hand zu nehmen.
kernspalter
Beiträge: 783
Registriert: Mittwoch 18. Februar 2009, 12:36

Re: Wie war das bei euch am Anfang?

Beitrag von kernspalter »

Ich bin mit ziemlich bescheidener Klaviertechnik, aber ordentlichem Vom-Blatt-Spiel-Level zur Orgel gekommen, zunächst ohne richtigen Lehrer. Das war sehr mühsam und frustrierend. Dann habe ich einen genialen Lehrer erwischt, mit dem ging es ziemlich schnell vorwärts. Auf sein Anraten hin habe ich auch wieder Klavierunterricht genommen, um meine Klaviertechnik auf einen besseren Stand zu bringen.
Mit kernspalterischen Grüßen
Christian_Hofmann
Beiträge: 8
Registriert: Montag 6. Juli 2020, 18:42

Re: Wie war das bei euch am Anfang?

Beitrag von Christian_Hofmann »

kernspalter hat geschrieben: Donnerstag 10. September 2020, 10:06 Ich bin mit ziemlich bescheidener Klaviertechnik, aber ordentlichem Vom-Blatt-Spiel-Level zur Orgel gekommen, zunächst ohne richtigen Lehrer. Das war sehr mühsam und frustrierend. Dann habe ich einen genialen Lehrer erwischt, mit dem ging es ziemlich schnell vorwärts.
Ich glaube tatsächlich das die Orgel viel Eigeninitiative erfordert. Im Vergleich zu vielen anderen Instrumenten die man wunderbar nur in einem Unterricht lernen kann ist es hier doch etwas anders. Auf der einen Seite braucht man schon einen fähigen Lehrer der einem die Grundlagen beibringt, gleichzeitig lernt man (bzw. ich) am meisten außerhalb der Lehrstunden. Ich kenne es so das während dem Unterricht mir Dinge vermittelt werden wie sie technisch funktionieren. Dann probiere ich die Tage danach an verschiedenen Orgeln das ganz aus wie es sich nutzen lässt und wie man es nicht nutzen sollte. Aber es ist ja nicht nur die Technik, es ist ja schön wenn ich etwas technisch einwandfrei beherrsche und es sich an einer Orgel gut anhört. Nur kann es eben durchaus sein das es sich an einer anderen Orgel korrekt gespielt nicht gut anhört. Ich glaube dass ist tatsächlich das schwerste beim Orgelspiel, an verschiedenen Instrumenten gut spielen zu können. Ein Klavier oder Posaune ist ja erst einmal überall gleich. Aber jede Orgel und der Raum haben so unterschiedliche Besonderheiten die es teilweise zu einem Abenteuer machen etwas zu spielen :D
Dorforganistin
Beiträge: 102
Registriert: Freitag 10. April 2015, 15:26
Wohnort: Wetterau, Hessen

Re: Wie war das bei euch am Anfang?

Beitrag von Dorforganistin »

Auch am Klavier kommt man nicht besonders weit, wenn man nur die Unterrichtsstunde nutzt. Und Klaviere sind unterschiedlicher als man denkt. Einfach dran setzen und es klingt sofort toll gelingt auch nur wenigen Pianist:innen.
Das nur am Rande.

Je häufiger man die Gelegenheit hat, auf unterschiedlichen Orgeln zu spielen, desto eher kommt man an den Punkt, wo es sich schnell auch "gut" anhört, selbst wenn man die Orgel noch nicht lange kennt. Wichtig ist halt, sich nicht einfach darauf zu verlassen, dass man mit 8'-4'-2' plus 16' im Pedal auf jeden Fall einen "passenden" Klang erzielt, sondern die Ohren aufzusperren und auch während des Spiels immer wieder zu horchen, wie der Raum mitklingt.
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