Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

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Mundus
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Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von Mundus » Samstag 20. April 2019, 18:49

Hallo zusammen,

an Gründonnerstag war ich zum ersten Mal im Freiburger Münster bei einem Gottesdienst. Ich komme vom Land und bin es eigentlich gewohnt, dass bei Gottesdienstbeginn alle an ihren Plätzen sind und dann auch da bleiben bis der Gottesdienst vorbei ist - von ein, zwei Nachzüglern vielleicht abgesehen.

Aber in der Großstadt scheint es fundamental anders zu laufen. Bis weit über die Predigt hinaus ein nicht enden wollendes Kommen und Gehen, stets begleitet vom meditativen Quietschen der Kirchentür.
Meine Frage: Ist das normal? Und wenn nicht: Wieso hilft man dem nicht einfach ab, indem man 10 Minuten nach Gottesdienstbeginn einfach keinen mehr reinlässt?
Dass man in Notfällen auch mal raus muss, kritisier ich ja nichtmal.

Mit einiger Ratlosigkeit

Mundus

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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von Administrator » Mittwoch 24. April 2019, 09:39

Hallo Mundus,

das ist mir hier in dem Maße noch nicht passiert. Mal ein oder zwei Personen, aber die Regel, so wie Du das schriebst, ist das nicht.
Herzliche Grüße

Daniel
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kernspalter
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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von kernspalter » Donnerstag 25. April 2019, 19:34

In größeren Kirchen, die in Fußgängerzonen stehen, kann man das häufig erleben.
Da kommen und gehen Leute, die nur mal eine Kerze anzünden wollen, die sich das Ganze nur mal ein Weilchen ansehen wollen oder die nur mal ein Foto schießen wollen.
Mit kernspalterischen Grüßen

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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von Mundus » Montag 29. April 2019, 21:10

Ja aber findet ihr das nicht auch störend?

Fotos schießen, schön und gut aber das muss ja nicht im Gottesdienst sein. Eigentlich sollte der Anstand sowas schon verhindern aber wenn das nicht klappt, sollte man es finde ich anders irgendwie durchsetzen. Oder bin ich jetzt gerade hypersensibel?

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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von Administrator » Montag 29. April 2019, 22:01

Nun ja, Anstand ist Luxus geworden. Aber ein wenig Courage seitens der Gemeinde und den Mumm, den Leuten auch Grenzen aufzuzeigen, wäre manchmal schon hilfreich. Gottesdienst sind heilige Momente. Das muss man m.E. auch vermitteln.
Herzliche Grüße

Daniel
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kjz1
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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von kjz1 » Sonntag 19. Mai 2019, 14:48

Es kommt darauf an, wo eine Kirche steht. Das Freiburger Münster ist nun mal ein Touristenmagnet und steht mitten auf dem Marktplatz. Beim Limburger Dom habe ich es einmal erlebt, dass dort nach Beginn des Gottesdienstes eine 'Türwache' aufgestellt wurde.

Auch meine Heimatkirche steht mitten in einem 'touristischen Brennpunkt' und ist auch selbst einer. Da geht es in der Sommersaison auch munter während des Gottesdienstes 'rein und raus'. Der Küster stellt zwar dann ein Schild vor die Tür, was aber null komma gar nichts bewirkt. Ganze Truppen (meist Asiaten) 'entern' da die Kirche und dann ist 'Handy Time'. Es wird alles fotografiert und gefilmt, was 'bei drei nicht auf dem Baum ist'. Besonders störend sind dabei natürlich die Blitze. Manchmal wird es selbst dem Zelebranten oder Künster zu viel, dann versucht der Küster die Besucher herauszukomplimentieren. Aber das ist wohl der Preis, den man zahlen muss, wenn die Kirche selbst auch ein Touristenmagnet ist.

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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von Ronald Henrici » Sonntag 19. Mai 2019, 22:03

Kirche als Touristenmagnet oder nicht. Es gibt gute Lösungen, um das Kommen und Gehen während der Gottesdienste zu unterbinden. Ich erlebe es als Organist oft - besonders in Katholischen Kirchen - , dass am Eingang ein Schild angebracht wird mit dem Hinweis "Gottesdienst ! Kommen Sie gerne herein und bleiben bis zum Schluss des Gottesdienstes." Das hat Wirkung auf die Besucher, denn sie gehen nicht während des Gottesdienstes wieder hinaus. In meiner Kölner Zeit als jugendlicher Organist habe ich es als sehr störend erachtet, wenn Besucher ein- und ausgehen - gerade in Katholischen Kirchen - . Es hatte sich da eingebürgert, dass viele Besucher zeitlich sich hinten in der Kirche aufhielten und meistens nach der Predigt die Kirche verließen und in Katholischen Kirchen nicht zur "Communio" anwesend waren. Diese Unsitte wurde aber sehr bald mit entsprechenden Hinweisen in Form von Schildern mit "Bitte Ruhe" und ähnlichem nach und nach abgestellt.
Und gerade im Freiburger Münster habe ich es in den letzten Jahren erlebt, dass draußen im Vorraum entsprechend ein Hinweisschild stand und auch eine Person, die darauf hinwies, dass gerade eine Messe ist ! Also Einlass schon, aber der Hinweis, bis zum Ende der Messe zu bleiben, war auch unmissverständlich gegeben.
Gruß
Ronald
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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von kjz1 » Dienstag 21. Mai 2019, 16:25

So ein Schild haben wir in unserer Kirche ja schon. Wirkung: null komma gar nichts. Können die Asiaten wohl auch gar nicht lesen/verstehen. Einzige wirksame Massnahme wäre ein 'Aufpasser', der während des ganzen Gottesdienstes quasi eine 'Gesichtskontrolle' durchführt. Das ist aber personell nicht zu leisten und letztendlich in dieser Rigorosität auch nicht gewollt. Schließlich sieht man Kirche auch als ein Raum 'offen für alle' an und möchte sich nicht als 'Festung' präsentieren. Trotz einiger Diebstähle und vieler Kunstwerke bleibt unsere Kirche ja auch tagtäglich ohne Bewachung geöffnet.

Dies ist anscheinend auch ein Unterschied zu evangelischen Kirchen hier in der Region. Diese sind nur dann (ausserhalb von Gottesdiensten) geöffnet, wenn auch Aufsichtspersonal anwesend ist (oft nur im Sommer). Die katholischen Kirchen sind tagsüber immer geöffnet, auch ohne Aufsicht. Aber vielleicht basiert dies ja auch auf unterschiedlichen Ansichten, wie man einen Kirchenraum definiert.

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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von Dorforganistin » Montag 27. Mai 2019, 08:54

Die (evanglische) Kirche bei meinen Eltern ist täglich ohne Aufsicht geöffnet. Unsere (evangelische) Pfarrerin hier möchte das nicht. Die katholische Kirche im Ort ist allerdings auch immer geschlossen (außer natürlich zu Gottesdienstzeiten).
Hat glaube ich weniger mit der Konfession als mit den Beteiligten zu tun, ob ein Kirchengebäude offen ist oder nicht. Wir haben allerdings auch kaum Touristen in unserem Dorf :wink: Dafür ab und an Pilgerinnen und Pilger (Lutherweg).

Käme ich in eine fremde Kirche und es wäre gerade Gottesdienst, würde ich mich entweder dazu setzen oder leise wieder gehen. Während eines Gottesdienstes unbeteiligt herumlaufen kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich würde auch keinen Tempel oder ähnliches besuchen, in dem gerade eine entsprechende Handlung stattfindet. Aber so tickt halt jeder irgendwie anders.

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Re: Gottesdienst als Komm-und-Geh-Veranstaltung

Beitrag von Ronald Henrici » Mittwoch 9. Oktober 2019, 19:29

In meiner Kölner Zeit habe ich in Stadtmitte im Fußgängerzentrum meine Junggesellenwohnung, also im Gemeindehaus an der Antoniter-Kirche und nachmittags zu jeder Zeit - wie auch in meiner Schüler- und Studentenzeit vorher - Zugang zur Orgel und zum Orgelspiel. Die Kirche war werktags immer ab 09:00 Uhr geöffnet bis zur werktäglichen 10-Minten-Andacht um 18 Uhr, was in der Geschäftsstraße Schildergasse/Hohestraße, die reges Publikumsaufkommen hatte, sich auf den Besuch vieler Passanten in der Kirche auswirkte. Zumal dort auch noch das Barlach - Mahnmal "Der schwebende Engel" als Gedenkstätte der Toten des letzten Krieges befindet. Verständlich, dass ich eben bei den Öffnungszeiten nicht auf der Orgel "geübt" habe, sondern Literatur und gute durchdachte Improvisationen gespielt habe, da mal eine halbe Stunde. auch mal wieder eine ganze Stunde.
Interessant dabei war immer wieder: Kaum hatte ich angefangen, ein paar Takte zu spielen, kamen Menschen in die Kirche, sei es aus Neugier, von draußen die Orgel zu hören, was da wohl in der Kirche stattfand. Die meisten Menschen setzten sich eine Weile, viele blieben bis Ende des Orgelspiels, viele meditierten zum Orgelspiel, viele saßen auch auf den Stühlen im Seitenschiff mit dem Blick auf den "Schwebenden Engel".
Mir kam dabei auch oft der Gedanke: " Ist das für die Besucher nicht auch Gottesdienst ? Zu Gottes Lob und Ehre ? Ich das nicht für diese Menschen Gottesdienst ?
Auch das hat meine Haltung zu Gottesdienst und Orgelmusik geprägt. Manchmal gab es auch von diesen "Werktags - Menschen im Trubel der Geschäftsstraßen" positive Echos nach der Orgelmusik. Interessanterweise waren an vielen solcher Tage in den Opferstöcken am Ausgang mehr Dankesgaben als sonst.
Wenn ich irgendwo hinkomme und dort die Kirche geöffnet ist, kann ich die dortige Orgel nicht stillschweigend umgehen, ich will und werde dort auf ihr spielen !
Gruß
Ronald
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