Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

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dieterich
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Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von dieterich » Sonntag 4. November 2018, 11:57

Guten Tag!
Es geht um die Idee, einer kleineren Orgel ein Auxiliarwerk hinzuzufügen, einige 16'-4' in einem eigenen Gehäuse direkt neben dem Hauptwerk, elektrisch mit der Hauptorgel(sonst mechanische Traktur) verbunden.
Zum Thema Auxiliarwerk höre ich generell Anhänger und Gegner.
Wie sind Eure Erfahrungen dazu?
Worauf müsste man (besonders) achten?
Vielen Dank!
Dieter

Voceumana
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Re: Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von Voceumana » Sonntag 4. November 2018, 17:23

Hallo,

um eine halbwegs fundierte Meinung abgeben zu wollen, sollten folgende FRagen zumindet in etwa klar sein.
1. Disposition der Bestandsorgel?
2. Was fehlt hier, was in einem Aux. Platz hätte? auch: Was fehlt im Raum?
3. Zustand der Bestandsorgel: Lohnt sich eine Investition?
4. Platzverhältnisse: Offener oder gedeckter 16'?
5. Vermögen der Gemeinde, was darf es kosten?
ggf. 6. Nur Manualstimmen, oder auch Pedalstimmen mit entsprechenden Mensuren?

dieterich
Beiträge: 23
Registriert: Donnerstag 5. Mai 2016, 11:27

Re: Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von dieterich » Montag 5. November 2018, 12:37

Hallo, hier ca. die gewünschten Angaben,
zu
1. barocke Disposition, 20-25 Register
2. Im Auxiliar kann ca. stehen: Ped. Pos 16 (Extension zu Trp. 8?), für beide Manuale anspielbar: Hohlflöte 8, Gambe und/oder Saliz. 8, event. 1 weitere 8-oder 4-Flöte
3. Substanz der Orgel wird als erhaltenswert erachtet
4. Platz für Pos. 16 reicht
5. der teuerste Orgelbauer wird es wohl nicht, aber ein guter
6. s. oben

Gruß von Dieter

Voceumana
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Re: Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von Voceumana » Montag 5. November 2018, 18:19

Das romantische Aux. wird dann doch einige Stimmen im Schwellkasten haben, wenn es eine richtige Ergänzung sein soll!
Bourdon 16', Flöte, Gedackt, Streicher und Schwebung 8', Traversflöte 4' ggf. Streicher 4', evtl. ein 2', Zunge Pleno (z. B. Trompete /Trompette, Oboe) Zunge Solo (Musette, Voix Humaine), ggf. Extension Basson 16'-Hautbois 8'
2. Von einer Extension einer Pedal-Posaune 16' aus dem Aux kann ich nur abraten, wenn es denn eine romantisache Posaune werden soll. Dann lieber nur eine neue Posaune oder ein Fagott für das Pedal.

Außerdem muss man überlegen, ob man eine elektr. Registerkanzellenlade oder eine elektr. Einzeltonlade will. Beide haben vor- und Nachteile, das wichtigste der Einzeltonlade: Man kann leicht Extensionen bilden und auf den Klaviaturen und Pedal separat registrierbar machen.

Preis: pro Register: 15.000 ca., bei obiger Planung

Wichtigster Tip: Den zuständigen Orgelsachverständigen frühzeitig, am besten beim ersten Vortrag beim Pfarrer mit ins Boot holen, damit keiner, der Pfarrer, der OSV, der Pfarrgemeinderat/ KV nicht das Gefühl bekommt, du willst hinter deren Rücken etwas losreten oder, noch schlimmer, die Beteiligten ausspielen - selbst wenn man das nicht beabsichtigt, kann es schnell so wirken...

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olds
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Re: Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von olds » Mittwoch 7. November 2018, 06:30

dieterich hat geschrieben:
Montag 5. November 2018, 12:37
[...]
5. der teuerste Orgelbauer wird es wohl nicht, aber ein guter
[...}

Gruß von Dieter
Da muss ich doch breit grinsen.

Nachthorn
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Re: Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von Nachthorn » Mittwoch 7. November 2018, 16:44

@Voceumana
Ich würde jetzt nicht anfangen bei einer kleinen Barockorgel ein romatisch intoniertes Auxiliarwerk einzubauen. Das funktioniert sicher nicht gut.
Ich würde eher darüber nachdenken, die Register im Auxiliar nach oben und unten eine Oktave weiter auszubauen, um mit Sub- und Superkoppeln weitere Klangmöglichkeiten zu erhalten. Das Auxiliar wird dann quasi eine Multiplex-Orgel, die den bestehenden Registerbestand in 16-, 8- und 4-Fußlage einfärben kann.

Gruß, Nachthorn

Dorforgler
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Re: Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von Dorforgler » Samstag 10. November 2018, 13:29

Voceumana hat geschrieben:
Montag 5. November 2018, 18:19
Preis: pro Register: 15.000 ca., bei obiger Planung
Da wird er hoechstwahrscheinlich nicht mit hinkommen, weil alleine die Fixkosten fuer die elektrischen Bauteile schon extrem hoch sind. (Gleichrichter, Optosensoren, Tonmagnete, evt. Registermagneten/motoren. Grade bei einer Extensionslade kommt man wohl auch an einer fetteren SPS-Anlage nicht vorbei.) Windversorgung waere uebrigens auch noch ein Thema...
Und wenn man mit so etwas schon mal anfaengt, muss man sich auch ueberlegen ob man nicht gleich die gesamte Registersteuerung elektrifiziert und wie das ganze ueberhaupt in den Spieltisch integriert werden soll. :?:

Es gibt viele Situationen, in denen ein Auxillarwerk Sinn macht. Eine in sich geschlossene, kleinere Barockorgel willkuerlich(!) mit romantischen Registern aufzufuellen finde ich dagegen auch sehr fragwuerdig, was das spaetere musikalische Resultat angeht. Da muesste man schon - im Sinne der Universalorgeln der 80er - eher ein komplettes drittes Manual mit ca. 10-12 Registern zubauen. In dieser Groessenordnung (20-25 Register) macht auch das ergaenzen einzelner Register nur wenig Sinn, da muss schon ein ordentliches Gesamtkonzept her.

Sinnvoller fuer mich waere es daher das Auxillar als "Hybridwerk" fuer die grossen Register zu denken, welche sowohl Manuale als auch Pedal unterstuetzen koennen und die in dieser Groessenordnung normalerweise nicht gebaut werden. Ich denke vor allem an eine Prinzipalreihe 16+8, eine Trompetenreihe 16+8, und an eine tiefliegende Mitxur (wird sicher interessant, dass ueber zwei Oktavlagen zu disponieren :twisted: ) mit Vorabzug Quinte 5 2/3` + 2 1/3` und evt. ein Bordun/Floete 8`+4`. (Das waeren grade mal 6-7 Pfeifenreihen mit ausgebauter Suboktave)
Das sind eigentlich die Register, die sich am besten teilen lassen; einen Streicher wuerde ich in solches Auxillar nicht setzen. Ich wuerde aus klanglichen Gruenden die Reihen auch nicht weiter nach oben ausbauen - "barocke Disposition" deutet auf genug Kleingemuese hin und so haelt sich das "Multiplexproblem" mit den entsprechenden Intonationsherausforderungen auch in Grenzen.
Das ganze auf Einzeltonladen (c/cis geteilt nach Hauptwerksteilung) beidseitig neben die Orgel, so dass sich die Einzelregister frei zwischen Pedal und Manual zuordnen lassen und der Klang sich auch oertlich gut mit der existierenden Orgel mischt,
Wenn das jetzt gut an das bestehende Pfeifenwerk intoniert wird (also nix romantisierendes, und bitte auch kein SW!), gewinnt die Orgel "stilrein" deutlich an Groesse und Gravitaet.

Was ich jetzt voellig ausgelassen habe, sind natuerlich evt. Konsequenzen fuer die Bestandorgel: Auf den Stock der jetzt doppelten HW-Trompete kann man jetzt gut eine barocke Gambe oder vielleicht eine vox humana setzen. Was macht man aber jetzt z.B. mit dem Prospektprincipal 8`?
Richtig schwierig wirds jetzt im Pedal: Ein eigenstaendiger Subbass ist natuerlich weiterhin Pflicht - aber was ist mit dem Rest, wo das Auxillar schon fast alles an 8- und 4`- erschlaegt? Hier waere wahrscheinlich wirklich jetzt eine fette Posaune und ein Violon 16` am Platz. (Irgendwas halt, was die 16`-Lage gegenueber dem Auxillar auffuellt damit sich das Pedal volumenmaessig noch einmal deutlich vom Manual abhebt))

Ich muss irgendwie grade an Gerhard Schmidt denken, der gerne das Kleinpedal zu einem kompletten Manualwerk ausgebaut hat. Was ich hier mache, ist eigentlich genau das Gegenteil :-)


Moeglich ist da sicherlich vieles - aber nicht alles, was moeglich ist, ist auch sinnvoll! :wink:

Fuer eine 08/15 Neobarockorgel wuerde ich der Gemeinde gegenueber eine solche Investition nicht verantworten wollen; wir sind hier schnell im oberen fuenfstelligem Bereich. Ich wuerde es erstmal bei einer Neuintonation (wenn es ganz schlimm ist evt. mit Rueckung/Austausch einzelner Register) belassen. (Bei einem Neubau unter engen Platzverhaelntnissen saehe das total anders aus)
Ansonsten, auch wenn es hier eigentlich "Pfui" ist: Eine Midifizierung (bitte nicht mit den teuren Orgelbauerkomponenten!) und ein Expander kosten ein Bruchteil von dessen, was ich hier skizziere :twisted:

kernbeißer
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Re: Auxiliarwerk?! Eure Erfahrungen, Tipps?

Beitrag von kernbeißer » Dienstag 13. November 2018, 16:05

Bei dieser Idee hätte ich ganz erhebelich Bedenken, ob das klanglich dann noch eine überzeugende Orgel ergibt.

An etwas (neo)barockes einfach (wild)romantisches Register anflanschen - das gesamte Konzept einer solchen Orgel gerät dann doch aus den Fugen. Das kennen wir schon längst, als man romantisch geprägten Orgeln ein Rückpositiv zur barockisierung verpaßte. Das "paßte" dann eben auch nicht.

Zumal wohl nicht angedacht ist ein komplettes Werk hinzuzufügen sondern nur eine Registererweiterung durchzuführen. Das klingt nach Stückwerk.

Ich kenne "Auxilliare" z.B. in Trondheim oder der Filharmonie in Lodz, das Bombarde, oder in der Luzerner Hofkirche das Echowerk. Diese Werke ergänzen die gut ausgebaute Hauptorgel um kraftvolle Stimmen oder durch ein ganzes,räumlich sogar getrenntes Werk, an ein beliebiges Manual angekoppelbar da kein eigenes Manual / Pedal vorhanden ist.

Aber das ist nicht nur eine Stimmenerweiterung, dahinter steckt ein Konzept, ein räumliches und klangliches. Verbunden mit einer großen Setzeranlage um diese Werke und Stimmen entsprechend mit schnellen Registerwechseln zur Geltung zu bringen. Das ganze Konzept bringt durchaus reizende und ungewohnte Höreindrücke.

Was hier angedacht ist, scheint mir ein bisschen zu hoch gegriffen zu sein. Wie die Bestandsorgel im Raum klingt, ob sie ihn füllt, wie groß der Raum ist und ob der überhaupt eine solche Erweiterung nötig hat ist hier nicht hinreichend geklärt.

Und nur ein paar Register "hinzfügen" weil man die gerne halt mal hätte, ist eigentlich wenig sinnvoll und von den zu erwartenden Kosten wohl auch nicht vertretbar.

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