13. ido: Uraufführung in St. Antonius, D-Oberkassel

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Clemens Schäfer
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13. ido: Uraufführung in St. Antonius, D-Oberkassel

Beitrag von Clemens Schäfer » Sonntag 30. September 2018, 18:49

Hallo Forum,

im Rahmen des 13. ido-festivals hatte Markus Hinz zu einem Konzert mit zeitgenössischen Kompositionen eingeladen. Und es kamen um die Hundert Interessierte.

Aufgeführt wurde die Kantate „Es atmet ein Geheimnis“ von Hinz selbst (komponiert 2003), ein Orgelwerk „Zwischenklänge“ von Dominik Susteck (2011) und eine Kantate „Wasser-Bilder“ von Martin Wistinghausen als Uraufführung. Neben dem Jungen Chor St. Antonius sangen die Vokalsolisten Köln. Flöte, Cello, Bass, Schlagzeug und Klavier/Orgel waren fallweise beteiligt. Die Leitung hatte Markus Hinz.

Die Kantate von Hinz hat die Taufe Jesu im Jordan zum Thema. Mäßig modern, schärfen sich doch mitunter die Akkorde. Gut zu hören und textlich auf gutem Niveau (Detlev Block nach Mt. 5, 13-17). Sprudelndes Wasser ist allgegenwärtig (Klavier!). Hinz greift auch auf bekannte Formen zurück; so findet man im IV. Satz einen Turba-Chor, drei kurze Arien (Bariton, Sopran, Bariton) und einen Schlußchoral. Danach im Finalsatz die mehrfache Apostrophierung „Wasser - lebendiges Zeichen...“ Dankbarer Beifall.

Eindrucksvoll dann das Orgelsolo von Susteck, der selbst spielte. Anfangs viele getupfte Töne, dann etwas aggressiver angerissene Töne, dann Steigerungen mit Einschub erst kurzer dann längerer Legato-Passagen; zusätzlich Orgelpunkte, teils mit schnellem Tremulant (wie Motor im Leerlauf). Sehr abwechslungsreich und spannend; keineswegs zufällig ausgewürfelt sondern gewiß nach Plan, auch wenn man das beim ersten Hören nicht ausmachen kann. Jedenfalls war ohneweiters klar, daß der letzte Ton tatsächlich der letzte Ton war. Perfekter Zieleinlauf also. Großer Beifall.

Und dann „Wasser-Bilder“. Hier hatten die Choristen erst mal mit Wasser gefüllte Gefäße zu schütteln. Ferner wurde offenbar Reis in Versandröhren aus Pappe hin und her geschüttet. Auch der Schlagzeuger beteiligte sich an der Wassserklangerzeugung. Nun, das gelang recht gut. Zu dieser realistischen Schau wollte das musikalische Geschehen und der abstrakte theologische Inhalt aber nicht unbedingt passen. Das waren doch zwei verschiedene Betrachtungsebenen.

Die Sänger hatten sich in drei Gruppen aufgeteilt, vor der ersten Bankreihe und rechts so wie links neben den ersten sechs Bankreihen. Es gab weniger Gesang vom Chor als gemeinsames Deklamieren, in Deutsch und in Latein (Lamentationes). Das erinnerte an antike Dramen mit dem Chor als Handlungsträger. Die Solisten kamen auch sängerisch zum Einsatz. Es ging um Flut (auch Sintflut), Tränenflüsse, Dürre. Die Texte stammten aus der Genesis, den Sprüchen Salomons, den Lamentationes, von Paul Klee, Günter Eich, Ingeborg Bachmann und W. Szymborska (deutsch von Karl Dedecius). Das alles war gut hörbar und löste lebhaften Beifall aus.

Gruß Clemens Schäfer

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