Étienne Walhain in St. Andreas, D-Altstadt

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Clemens Schäfer
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Étienne Walhain in St. Andreas, D-Altstadt

Beitrag von Clemens Schäfer » Montag 9. April 2018, 14:47

Hallo Forum,

zu den regelmäßigen Gästen bei der Sonntagsorgel (jeden Sonntag 16h, nicht an Karneval und beim Marathon) in St. Andreas, Düssedorf-Altstadt gehört Étienne Walhain aus Tournai, Belgien.

Walhain spielte zuerst das Orgelkonzert g-moll op. 4 Nr. 1 von Händel. Die Bearbeitung (und Kadenzen) stammte von Jean Guillou - und das war überdeutlich zu spüren. Fast hatte man den Eindruck einer Neukomposition unter Verwendung brauchbarer, alter Teile. So fremd wirkte das Werk zumindest im ersten Satz. Die langsame Überletung zum Finale war konventioneller. Der Schlußsatz begann mit dem Thema im Krummhorn aus dem RP, bis dato unerhört - äh: ungehört. Dann wurde mächtig aufgebrezelt: Gezielte Steigerung bis zum Schluß. Ein eigenwilliger Händel also, wohl vorwiegend Guillou zu verdanken. Walhain ist Guillou-Schüler.

An zweiter Stelle Brahms, O Gott, du frommer Gott aus op. 122. Verunsichernd der tastend chromatische Beginn. Dabei aber irgendwie auch eine Grundzuversicht.

Nun Reger, Introduktion und Passacaglia d-moll. Mit großem Zugriff die Introduktion, im pp das Passacaglienthema, schön gesteigert. Eine runde Sache.

Zum Abschluß zweimal Franck: Pastorale o.op. und Final op. 21. Die Pastorale war duftig und mit der nötigen Ruhe, das eher äußerliche Final dagegen mit seinem Baß-Beginn schon fast karikaturhaft. Walhain scheute sich nicht, diese Gegensätze voll auszuspielen und vermochte es, auch das Final sicher nach Hause zu bringen. Überhaupt brauchte man sich spieltechnisch keinerlei Sorgen machen. Interpretatorisch könnte Walhain eine vorsichtige Emanzipation von seinem gewiß bedeutendem Lehrer nicht schaden.

Immer wieder eine positive Erfahrung ist, wie vielseitig die von-Beckertah-Orgel doch ist.

Rund 60 Hörer spendeten gerne Beifall.

Gruß Clemens Schäfer

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