Elektrik-Austausch/Änderungen wg. neuerer EU-Vorschriften?!!

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dieterich
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Elektrik-Austausch/Änderungen wg. neuerer EU-Vorschriften?!!

Beitrag von dieterich » Montag 13. August 2018, 23:33

Guten Tag!
Es geht um einen Orgelneubau Anfang der 70er mit elektr. Registr.
Die gesamte Elektrik der Orgel ist wohl noch unverändert.
- Stimmt es nach Euren Erfahrungen, wie Reiner Janke mal schrieb, dass nach 40 Jahren ca. die Elektrik/Platinen im Wesentlichen ausgetauscht werden sollte?
- Gab es in den letzten 50 Jahren Vorschriftsänderungen, die zum Austausch/Ändern von Orgelelektrik zwingen,
z. B. angeblich kürzlich eine EU-Verordnung, die das einfache Verlegen von Stromkabeln auf Holz nicht mehr erlaube,
sondern jew. umhüllende Kabelrohre verlange
etc.?
Vielen Dank! Dieter

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olds
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Re: Elektrik-Austausch/Änderungen wg. neuerer EU-Vorschriften?!!

Beitrag von olds » Dienstag 14. August 2018, 06:20

Üblicherweise geht mit solchen Änderungen ja oft ein Bestandsschutz einher. Solange nicht eine große Revision ansteht, muss dann auch nichts ausgestauscht werden.

Nettes Beispiel hierfür sind Bahnübergänge, diese dürfen rechtlich nicht mehr sein. Aber solange die Schranken- und Signalanlage noch funktioniert, muss keine Über- oder Unterführung gebaut werden.

Das sorgt dann dafür dass auf wenig befahrenen Straßen und Wegen speziell geschulte Niedriglöhner mit Funkgerät darauf warten, 5x am Tag einen Weg zu sperren.

Da ein Bahnübergang eine reine Bahnangelegenheit ist, eine Über- oder Unterführung jedoch aus anderen Töpfen gezahlt wird, müsste sich oftmals die Komune vor Ort an den Kosten beteiligen. So mancher Ortsbürgermeister bedankt sich da doch sehr......

kjz1
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Re: Elektrik-Austausch/Änderungen wg. neuerer EU-Vorschriften?!!

Beitrag von kjz1 » Dienstag 14. August 2018, 10:54

olds hat geschrieben:
Dienstag 14. August 2018, 06:20
Da ein Bahnübergang eine reine Bahnangelegenheit ist, eine Über- oder Unterführung jedoch aus anderen Töpfen gezahlt wird, müsste sich oftmals die Komune vor Ort an den Kosten beteiligen. So mancher Ortsbürgermeister bedankt sich da doch sehr......
Was - ganz am Rande gesagt - dann dazu führt, dass Ortsgemeinden die Wiederbelebung von zuvor stillgelegten Bahnstrecken oft aufs Heftigste bekämpfen...

kernspalter
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Re: Elektrik-Austausch/Änderungen wg. neuerer EU-Vorschriften?!!

Beitrag von kernspalter » Dienstag 14. August 2018, 15:19

dieterich hat geschrieben:
Montag 13. August 2018, 23:33
- Stimmt es nach Euren Erfahrungen, wie Reiner Janke mal schrieb, dass nach 40 Jahren ca. die Elektrik/Platinen im Wesentlichen ausgetauscht werden sollte?
Die Platinen an meiner Dienstorgel haben keine 40 Jahre gehalten. Die waren nach 30 Jahren schon so unzuverlässig geworden, daß sie komplett ausgetauscht werden mußten.
- Gab es in den letzten 50 Jahren Vorschriftsänderungen, die zum Austausch/Ändern von Orgelelektrik zwingen,
z. B. angeblich kürzlich eine EU-Verordnung, die das einfache Verlegen von Stromkabeln auf Holz nicht mehr erlaube,
sondern jew. umhüllende Kabelrohre verlange
etc.?
EU-Verordnung? Nicht daß ich wüßte.
Um Richtlinien kümmert sich der VDE, genauer gesagt: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_ ... onstechnik

Tatsache ist, daß die Elektrik in älteren Orgeln oft nicht heutigen Sicherheitsbestimmungen entspricht und daß es mancherorts schon zu Kabelbränden z. B. in Spieltischen gekommen ist.
Siehe auch: https://www.weimbs.de/index.php/de/orge ... elektriken
Mit kernspalterischen Grüßen

Ronald Henrici
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Re: Elektrik-Austausch/Änderungen wg. neuerer EU-Vorschriften?!!

Beitrag von Ronald Henrici » Sonntag 26. August 2018, 22:40

Seit etwa 15 Jahren ist man dabei, bei elektrisch gesteuerten Orgeln aus den Jahren 1964 - 1975 im Rahmen von Reinigungen die gesamte Elektrik zu erneuern. Vielfach verbindet man es damit, Setzer-Anlagen einzubauen oder sogar insgesamt neue Spieltische zu bauen.

Bei Orgeln vor 1965 hat es oft Schwelbrände in Spieltischen und in den Anschlussstellen im Orgelraum Kabelbrände, die zu einer neuen Verkabelung und zu neuen Lötungen führten, mit Kabeln höherem Querschnitt. Der Grund: bei den elektrischen Berechnungen war man nach 1945 zu Kabeldrähten mit geringem Querschnitt und deshalb geringerer Standfestigkeit bei höheren Amperezahlen übergegangen, was bei vollgriffigem Spiel die Amperebelastung auf zeitweilig über 32 Ampere trieb. Die Kabel wurden an den Enden sehr heiß und brachten je nach Lagerung, z.b. auf Holz, Qualm-Wolken hervor oder zumindest den Geruch von angesengtem Holz. Bei Früherkennung konnte man im Rahmen anstehender Reparaturen noch Abhilfe schaffen.
Bei einigen Orgeln mit elektrischen Spieltischen musste man die Verkabelung grundsätzlich ändern auf höhere Querschnitt - Kabel, so zum Beispiel sehr bald geschehen nach dem Einbau der Orgel in der Berliner Philharmonie. Man war dahintergekommen, weil jemand durch vollgriffiges Spiel regelmäßig die Sicherungen durchbrennen ließ. Es hat einige Zeit gedauert, bis man die Ursache richtig erkannte, nämlich die Verwendung von Kabeln mit zu geringem Leiterquerschnitt. Die Tatsache führte auch dazu, dass man auch bei vielen anderen Orgeln gleich an die Ursachen heranging und nicht nur die durchgebrannten Sicherungen ersetzte.

Die Berechnungen, die Ellerhorst in seinem "Buch über die Orgel" im Jahr 1936 schon intensiv anstellte, hatten schon ihren Sinn. Man ist allerdings in den Jahren nach 1945 davon ausgegangen, durch Verringerung von Leiterquerschnitten erheblich Material und Geld zu sparen. (Genauso war es ja auch mit dünnwandigeren Zinnpfeifen geschehen, was ja bekanntlich zu instabilen Klangbildern führte.)

Gruß
Ronald
he: Orgel spielen heißt:einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren. (Ch.M.Widor)

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